Seit Ende August sind endlich Samsungs neue Foldables verfügbar, darunter auch das dritte Flip-Modell im kompakten Klapphandy-Formfaktor. Trotz deutlicher Verbesserungen fällt das Galaxy Z Flip3 günstiger als seine Vorgänger aus. Im Test zeigen wir, was das faltbare Smartphone drauf hat.

Tim Metzger
TimMetzger
Tim ist Redakteur bei Allround-PC.com und schreibt zusätzlich für das 1&1 Magazin.
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Nachdem Samsung im Jahr 2020 zuerst ein LTE-Modell und wenig später ein 5G-Modell des Galaxy Z Flip veröffentlicht hatte, startete nun im August 2021 das Galaxy Z Flip3. Es hat hierzulande de facto keine Konkurrenz, sofern man das ältere und schwächere Motorola Razr 5G außen vor lässt. Allerdings kostet das dritte Galaxy Z Flip weitaus weniger als die Vorgängermodelle. Statt 1.480 Euro beziehungsweise 1.549 Euro beträgt die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers nun 1.049 Euro.

 

Der Speicherplatz der Basisvariante ist allerdings von 256 auf 128 Gigabyte geschrumpft. Für 50 Euro Aufpreis, also für insgesamt 1.099 Euro, bietet Samsung weiterhin 256 Gigabyte an.

Design und Verarbeitung

 

Das neue Galaxy Z Flip3 ist in mehrfacher Hinsicht robuster als zuvor. Der abgeflachte Rahmen besteht nun aus stärkerem Aluminium und das hintere Glas ist aus Gorilla Glass Victus gefertigt. Abseits von den exklusiven Farben im Samsung-Shop besitzt das Foldable aber nur in Schwarz ein mattes Finish auf der zweigeteilten Rückseite. Das Ultra-Thin-Glass auf dem flexiblen Display im Inneren soll laut offiziellen Angaben rund 80 Prozent widerstandsfähiger sein. Grund dafür ist offenbar eine zusätzliche Schutzfolie, die unserem Eindruck zufolge resistenter gegenüber Fingernägeln ist und Fingerabdrücke etwas weniger ansammelt.

 

Weiterhin ist das Scharnier für mindestens 200.000 Faltvorgänge ausgelegt, allerdings hat Samsung ein kleines Wunder vollbracht und dem Galaxy Z Flip3 trotz beweglicher Teile eine IPX8-Zertifizierung spendiert. Dies bedeutet, dass es längeres Untertauchen in Wasser unbeschadet übersteht (max. 30 Minuten bei bis zu 1,5 Metern Tiefe). Kleine Fremdkörper wie Sand bleiben dennoch die Achillesferse des Foldables. Insgesamt macht die Verarbeitung einen wesentlich wertigeren Eindruck und ist dem Preis auch angemessen.

 

Ein gewisses Feintuning am Scharnier und der Gewichtsverteilung fällt im Direktvergleich ebenfalls auf – das Foldable kippt oder klappt in fast vollständig geöffnetem Zustand nicht mehr nach hinten. Etwa beim Telefonieren kann es demnach in leicht gekrümmter Form verweilen und erinnert an Retro-Klassiker wie das Nokia 8110.

 

Des Weiteren hat Samsung diesmal an Stereolautsprecher gedacht, die zudem sehr gut klingen. Trotz der verbesserten Widerstandsfähigkeit gibt es beim Benutzen einen Drang zur Behutsamkeit, da einhändiges Aufklappen anfangs recht umständlich sein kann. Eine Schutzhülle im Lieferumfang wäre hier durchaus angebracht gewesen.

 

Displays

 

Dank einer veränderten Kameraposition auf der Rückseite gibt es mehr Platz für das sogenannte Cover-Display. Es misst diagonal 1,9 Zoll anstatt 1,11 Zoll, was die Nutzungsmöglichkeiten drastisch erhöht. Ähnlich wie bei einer Galaxy Watch lassen sich darauf Widgets für die Wettervorhersage, Musiksteuerung, Kalendereinträge und mehr anzeigen. Nachrichten werden in den meisten Fällen neuerdings vollständig dargestellt, die Kamera-Vorschau ist zudem viel nützlicher als zuvor. Das größere Cover-Display des Motorola Razr bietet noch einmal mehr Möglichkeiten, da ganze Apps darauf funktionieren, das Galaxy Z Flip3 hat diesbezüglich jedoch schon einen Schritt in die richtige Richtung vollzogen.

 

Beim inneren Bildschirm sind ebenso Verbesserungen zu verzeichnen. Die Seitenränder fallen etwas schmaler als zuvor aus und die Bildwiederholrate ist wie bei der Galaxy S21-Serie neuerdings adaptiv. Dank bis zu 120 Hertz fühlt sich die Bedienung wesentlich geschmeidiger an. Die Helligkeit wurde auch erhöht und erreichte im Test maximal 1.100 Nits bei 20-prozentigem Weißanteil sowie 870 Nits bei Vollbildweiß. Das Vorgängermodell erzielte diesbezüglich 840 Nits beziehungsweise 675 Nits. An sonnigen Tagen lassen sich Inhalte auf dem Display also besser ablesen, doch leider verkommt die Anzeige bei Betrachtung durch eine polarisierte Sonnenbrille zu einem störenden Regenbogenspektakel.

 

Die Bildschirmdiagonale von 6,7 Zoll ist unverändert und die Auflösung beträgt erneut Full-HD+. Geöffnet weist das Galaxy Z Flip3 ein besonders schmales 22:9-Format auf, was recht gewöhnungsbedürftig ist. Die Lautstärketasten im Rahmen sind einhändig durch die höhere Platzierung etwas schwieriger zu erreichen. Darunter befindet sich übrigens wieder ein Fingerabdrucksensor in der Power-Taste, der in unserem Fall zuverlässig reagierte.

Leistung, Speicher und Software

 

Zeitgemäß steckt im Inneren nicht mehr ein Snapdragon 855+ oder 865+, sondern der aktuelle Snapdragon 888 aus dem Hause Qualcomm. Im AnTuTu-Benchmark schnitt unser 128-Gigabyte-Testmodell des Galaxy Z Flip3 über 30 Prozent besser ab als das erste Galaxy Z Flip mit 256 Gigabyte. Unter anhaltender Last erwärmte sich das Galaxy Z Flip3 spürbar mehr und hatte auf der Rückseite eine um drei Grad höhere Außentemperatur – von „heiß“ ist jedoch nicht die Rede. Der Arbeitsspeicher ist erneut acht Gigabyte groß, was für Multitasking definitiv genügt. Ruckler oder Performance-Engpässe haben wir im Testzeitraum nicht vernommen. Der interne Massenspeicher ist nicht erweiterbar, aber im Vergleich zum Vorjahr immerhin etwas schneller, da neuerdings UFS 3.1 anstelle von UFS 3.0 verwendet wird.

 

Ab Werk kommt One UI 3.1 auf Basis von Android 11 zum Einsatz. Ein Update auf Android 12 dürfte in den kommenden Monaten folgen. Die aktuelle Version von Samsungs Benutzeroberfläche bringt einen verbesserten Flex-Modus und Multi-Window-Unterstützung für alle Apps mit sich. Das recht hohe Display lässt sich durch das Multitasking (Multi Window) sinnvoller ausnutzen und der Flex-Modus ist besonders beim Benutzen der Kameras praktisch. Aktuelle Funkstandards wie 5G, Wi-Fi 6, NFC und Bluetooth 5.1 sind natürlich an Bord.

Akkulaufzeit und -ladezeit

 

Beim Akku hat der Hersteller bei beiden Flip-Modellen nichts geändert. Unverändert sitzen zwei Akkuzellen mit insgesamt 3.300 Milliamperestunden im Foldable. Im Vergleich zum Vorgängermodell ist der Energiebedarf für den Snapdragon 888 sowie das hellere 120-Hertz-Display allerdings etwas höher. Unterm Strich hielt der Akku im Test einen vollen Tag durch. Bei ausgewogener Nutzung verblieben am späten Abend circa 15 bis 20 Prozent Restladung. Intensivnutzer werden ihr Flip3 oft an das Ladekabel hängen und gegebenenfalls die Bildwiederholrate auf 60 Hertz reduzieren müssen. Das Smartphone eignet sich daher eher für Personen, die ihr Smartphone tagsüber hauptsächlich für Messaging, E-Mails und ein paar Anrufe nutzen. In diesem Fall lassen sich nämlich viele Benachrichtigungen schon am Cover-Display „abfangen“. Bei Gaming mit adaptiver Bildwiederholrate und hoher Helligkeit war der Akku nach knapp drei Stunden leer.

 

Gleich geblieben ist ebenfalls die Ladeleistung. Per USB-C sind maximal 15 Watt möglich, induktiv bis zu zehn Watt und andere Qi-Geräte lassen sich über die Rückseite mit viereinhalb Watt laden. Nach einer halben Stunde am Kabel ist der Akku wieder zu 41 Prozent geladen, nach einer Stunde zu 79 Prozent. Ein kompletter Ladevorgang dauert knapp über eineinhalb Stunden. Der USB-C-Port beherrscht USB 2.0. Ein Netzteil zum Aufladen ist nicht im Lieferumfang enthalten.

Kameras

 

Abermals verbaut der südkoreanische Hersteller vorne eine Zehn-Megapixel-Frontkamera und hinten eine Haupt- sowie eine Ultraweitwinkelkamera mit je 12 Megapixeln. Die optisch stabilisierte Hauptkamera erstellte im Alltag gute Aufnahmen, die qualitativ meist mit einem Google Pixel 5 mithalten können. Samsung-typisch fiel uns aber oft der erhöhte Kontrast auf. Dynamik, Belichtung und generelle Bildschärfe sind tagsüber dagegen solide. Punkten kann auch die Ultraweitwinkelkamera aufgrund ihres breiten Sichtfelds.

 

Nicht ganz die hohe Qualität stellten wir dagegen bei Nachtaufnahmen und Fotos der Frontkamera fest. Letzteres lässt sich allerdings umgehen, indem Selfies einfach über das Cover-Display mit der Hauptkamera geknipst werden (hierzu einfach im zugeklappten Zustand die Powertaste 2x betätigen). Andere Smartphones in dieser Preisklasse liefern teilweise eine bessere Bildqualität. Modelle wie das Galaxy S21 Ultra oder Oppo Find X3 Pro spielen in puncto Kameras in einer höheren Liga. Eine Telekamera haben wir im Test vermisst, da selbst bei zweifach digitaler Vergrößerung die Qualität schon sichtbar sinkt. Das Galaxy Z Flip3 bewegt sich in etwa auf Augenhöhe mit dem normalen Galaxy S21, sofern man die fehlende Telekamera außen vor lässt.

Fazit: Klappt gut, aber noch nicht perfekt

 

Zusammengefasst ist das Galaxy Z Flip3 wieder ein beeindruckendes Foldable. Die Verarbeitung ist angemessen, auch wenn das Smartphone nicht in Kontakt mit Sand und Krümeln kommen sollte. Das größere Außendisplay und die adaptiven 120 Hertz des Hauptbildschirms sind deutliche Aufwertungen. In puncto Leistung gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln, allerdings schwächelt das moderne Klapphandy etwas beim Akku.

 

Die Fotoqualität und die Telekamera sind zeitgemäß. Generell ist das Galaxy Z Flip3 sicherlich in gewisser Weise ein Design-Objekt. Wer nach etwas Neuem sucht, das in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit auf sich zieht, sollte sich das Galaxy Z Flip3 oder auch das größere Galaxy Z Fold3 näher ansehen. Das faltbare Display sorgt sicherlich für den entsprechenden „Wow-Faktor“. Lobenswert ist auch, dass Samsung innerhalb einer Generation den Preis trotz vieler Verbesserungen so spürbar senken konnte.

 

Tipp
Sie interessieren sich für das Samsung Galaxy Z Flip3, die einmaligen Anschaffungskosten sind Ihnen aber zu hoch? In Kombination mit einer 1&1 All-Net-Flat wird das Foldable zu deutlich attraktiveren Konditionen hier im 1&1 Shop angeboten.