Fuchsia heißt das neue Betriebssystem, das irgendwann sogar Android auf Smartphones ablösen könnte. Doch was steckt hinter dem Google-Projekt, das sich seit mehr als fünf Jahren in der Entwicklung befindet?

Jonathan Kemper
JonathanKemper
Jonathan ist Redakteur bei Allround-PC.com und schreibt zusätzlich für das 1&1 Magazin.
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Was ist die Geschichte von Fuchsia?

 

Quelle: Google

Im August 2016 ist durch Medienberichte erstmalig an die Öffentlichkeit gekommen, dass Google an einem neuen Betriebssystem unter dem Namen „Fuchsia“ arbeitet. Zwar gab es keine offizielle Ankündigung, der durchgesickerte Code gab aber Hinweise auf die möglichen Einsatzgebiete. Demnach könnte es sich um Software für eingebettete Hardware wie Infotainment-Systeme in Autos, Verkehrsampeln oder Smartwatches bis hin zu Smartphones, Tablets und PCs handeln. In den folgenden Jahren wurde deutlicher, wie viele Ressourcen der Konzern in die Entwicklung steckt – bei Fuchsia handelt es sich also nicht wieder um eines der vielen Nebenprojekte, die irgendwann in der Google-Schublade verstauben.

Was ist der Unterschied zwischen Android und Fuchsia?

 

Im Gegensatz zu Android und auch Chrome OS baut Fuchsia nicht auf einem Linux-Kernel auf, sondern wählt mit Zircon einen völlig neuen Ansatz. Die Kompatibilität zu allen Prozessorarchitekturen sowie zu bestehenden Android-Apps soll jedoch vollständig gegeben sein. Apps können aber nicht permanent auf den Kernel zugreifen, was einerseits die Sicherheit erhöhen soll und andererseits verhindert, dass Apps nach Updates plötzlich nicht mehr ihre Arbeit verrichten.

 

Mit Fuchsia dürfte Google auch der zunehmenden Fragmentierung von Android entgegenwirken wollen. Dafür wurde mit Android 8 Oreo bereits die Project Treble genannte Technologie eingeführt, die Updates einzelner Systemkomponenten direkt durch Google vereinfachte, ohne dass Hersteller zu viel Arbeit investieren mussten. Wie bei Android ist die Entwicklung von Fuchsia absolut transparent und quelloffen.

Woher kommt der Name Fuchsia?

 

Fuchsia ist nicht nur der Name einer Google-Software, sondern auch eine Farbe aus dem rötlichen Spektrum. Es ist eine Mischung aus Pink und Lila, was zufälligerweise die Codenamen von Apples erstem Mikrokernel-basiertem OS und dem iPhone (engl. „purple“) sind. Um in der Terminologie zu bleiben, wurde der Zircon-Kernel zunächst auch Magenta getauft.

Wann kommt Fuchsia auf Smartphones?

 

Kurz nach der Entwicklerkonferenz Google I/O 2021 wurde Fuchsia auf den ersten Geräten ausgerollt. Allerdings hat sich Google für den Start nicht Smartphones ausgesucht, sondern das Smart-Display Nest Hub aus 2018. Für die Nutzer sollte sich nach dem Update nichts ändern, nur die darunterliegende Architektur bekommt eine Überarbeitung. Fuchsia ersetzt dort das vorher eingesetzte Cast OS. Erste Vergleiche zeigen, dass Animationen auf der Fuchsia-Variante vielleicht eine Idee schneller abgespielt werden, außerdem sei die Verbindung zum Streamen über Chromecast stabiler. Vermutlich werden die meisten Nutzer aber nicht einmal bemerken, dass sich die Software ihres Smart-Displays im Hintergrund aktualisiert hat.

 

Ob Fuchsia irgendwann auch der Nachfolger von Android wird, ist nicht abzusehen. Nicht auszuschließen ist aber, dass Google auch angesichts seiner Chip-Eigenentwicklung mit dem Whitechapel-SoC im Pixel 6 mehr Zügel in die Hand nehmen möchte und den Linux-Kernel schließlich durch Zircon ersetzt. Dann dürfte es nicht nur auf Smartphones, sondern auf allen Endgeräten von Smart-Displays bis hin zu Tablets, Laptops oder vielleicht sogar Smartwatches Anwendung finden.

Fuchsia jetzt schon ausprobieren

 

Tatsächlich lässt sich Fuchsia schon ausprobieren, zumindest existiert auf dieser GitHub-Seite eine rudimentäre Demo, die einen ersten Eindruck verschafft. Google arbeitet angeblich an zwei verschiedenen Oberflächen namens „Armadillo“ für Smartphones und „Capybara“ für Desktop-Umgebungen. Recht sicher sollte sein, dass Google an der langjährigen Entwicklung seiner Designsprache Material festhalten wird, weshalb sich selbst mit einem baldigen Wechsel auf Fuchsia nicht allzu viel gegenüber der bisherigen Nutzererfahrung ändern dürfte.

 

 

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