Huawei hat mit dem Start der Watch 3 (Pro) und zwei neuer MatePads sein eigenes Betriebssystem HarmonyOS offiziell veröffentlicht. Für erste zuvor erschienene Geräte steht es in China zudem als Update zur Verfügung. Wir konnten HarmonyOS 2 für Smartphones bereits ausprobieren.

Tim Metzger
TimMetzger
Tim ist Redakteur bei Allround-PC.com und schreibt zusätzlich für das 1&1 Magazin.
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Am 2. Juni stellte Huawei HarmonyOS 2 mitsamt neuen Produkten international vor und verteilte zeitgleich in China für Smartphones und Tablets mit der eigenen AppGallery das entsprechende Update. Somit wechselt der chinesische Hersteller von der Android-Benutzeroberfläche EMUI 11 zu HarmonyOS 2. Wir hatten kurzzeitig das hierzulande nicht verfügbare Mate X2 in der Hand und konnten darauf das neue Betriebssystem testen.

 

Bereits bei der Sprachauswahl im Einrichtungsprozess macht sich das neue „Motion Design“ bemerkbar. Danach kommt erwartungsgemäß keine Aufforderung zur Anmeldung bei Google, sondern bei Huawei, denn aufgrund des US-Embargos hat der Hersteller keine Google-Lizenz mehr. Wer von EMUI auf HarmonyOS per Update umsteigt, muss sich keine Sorgen über seine Daten machen. Diese bleiben nach dem Wechsel erhalten, da auch HarmonyOS grundlegend auf dem Android Open Source Project (AOSP) basiert.

Neues Kontrollzentrum, mehr Widgets und Design-Feinheiten

 

Der Startbildschirm sieht standardmäßig genauso aus wie bei EMUI, allerdings ist die App-Drawer-Option verschwunden, sodass sich alle installierten Apps über die Startbildschirm-Seiten verteilen. Huawei hat bei HarmonyOS das Kontrollzentrum stark überarbeitet und es ähnelt neuerdings den Pendants von Apples iOS und Xiaomis MIUI. Benachrichtigungen sind durch Wischen von oben links und das Kontrollzentrum oben rechts erreichbar. Wer mehrere Huawei-Geräte besitzt, kann dort auch Schnelleinstellungen zu gekoppelten Geräten vornehmen – diese Funktion nennt der Hersteller „Super Device“.

 

Im Fokus des Betriebssystems stehen außerdem neue Widgets für die Huawei-Apps und eine neue Schriftart namens HarmonyOS Sans ist ebenfalls enthalten. Nennenswert mehr Neuerungen bietet HarmonyOS 2 derzeit allerdings nicht. Wenn man nicht in den Einstellungen nachsieht, könnte man auch denken, dass es sich lediglich um EMUI 11 mit einem neuen Kontrollzentrum handelt. Die Einstellungsmenüs sind unverändert, im Abschnitt „Über das Telefon“ prangt jedoch neuerdings das Logo von HarmonyOS. Die getestete Version lief einwandfrei und ohne jegliche Fehler.

 

Übrigens ist es mittlerweile einfacher geworden, die Google-Apps und den Play Store trotz der fehlenden Lizenz nachträglich zu installieren. In der AppGallery steht die kostenlose Anwendung Gspace zur Verfügung, bei der man sich mit dem Google-Konto anmeldet. Sie emuliert ein Huawei P30 (hat noch eine Google-Lizenz) und öffnet den Google Play Store, wo sich beispielsweise YouTube, Google Maps sowie andere Apps herunterladen und anschließend problemlos nutzen lassen.

Update-Fahrplan für Europa noch ungewiss

 

Bei der OS-Vorstellung in China hat der Hersteller angekündigt, das Update auf dem Heimatmarkt sogar bis zum Sommer 2022 auf über vier Jahre alten Geräten bereitzustellen. Dazu zählen beispielsweise das Mate 20 Pro, das P20, das Mate 9 und P10. Ob diese Modelle auch in Deutschland das Update erhalten werden, ist derzeit unklar. Ältere Geräte, für die HarmonyOS angeboten wird, müssten theoretisch nicht auf Google-Dienste verzichten, sondern würden diese wohl auch nach dem Update behalten – eine offizielle Äußerung zu diesem Thema gibt es allerdings nicht. Eventuell könnte Huawei in Europa nur bei neuen Geräten auf HarmonyOS setzen. Ab Werk installiert ist es auf dem MatePad 11, MatePad Pro 12.6 und der Watch 3 (Pro), welche im Juni und Juli hierzulande erscheinen.