Wer von einem „LCD-Bildschirm“ spricht, beweist Unwissenheit: denn das „D“ steht bereits für „Display“. Doch wo liegen eigentlich die Unterschiede zu einem OLED oder AMOLED-Screen? Und was bedeutet das mittlerweile häufiger auftauchende „LTPO“? Lässt sich überhaupt sagen, ob eines der beiden Displays besser ist? Wir geben Ihnen Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Smartphone-Displays.

Jonathan Kemper
JonathanKemper
Jonathan ist Redakteur bei Allround-PC.com und schreibt zusätzlich für das 1&1 Magazin.
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LCD: So funktioniert der Display-Standard

 

Quelle: LG; LC-Display

Ein Smartphone der Mittel- bis Oberklasse weist heutzutage einen OLED-Bildschirm auf und kein LC-Display mehr, wie noch vor ein paar Jahren üblich war. Doch wo genau liegen die Unterschiede? Der Klassiker ist das LCD, was eine Abkürzung für Liquid Cristal Display ist. Das Hauptmerkmal ist die Schicht flüssiger Kristalle im Display, welche die Eigenschaften sowohl von flüssigen als auch festen Elementen aufweist. Ein LCD besteht aus drei Schichten. Auf der untersten Ebene befinden sich LEDs, die als Hintergrundbeleuchtung für die Flüssigkristallschicht fungieren und aus drei sogenannten Subpixeln in Rot, Gelb und Blau bestehen. Diese liegen wiederum unter einem Farbfilter. Durch die Polarisierung der Flüssigkristallschicht lassen sich Bildschirmhelligkeit sowie Winkel, in dem die Lichtstrahlen der LEDs auf den Farbfilter treffen, beeinflussen. So entstehen die Farben des Bildes, das angezeigt werden muss. Trifft ein roter Lichtstrahl auf den grünen Farbfilter, entsteht gelbes Licht. Ein grüner Lichtstrahl auf den blauen Farbfilter sorgt für Türkis und wenn rotes Licht auf den blauen Farbfilter trifft, entsteht Violett. Je nach Intensität der Farben entstehen unterschiedliche Farbtöne. Aufgrund der Hintergrundbeleuchtung ist ein LC-Display nie zu 100 Prozent dunkel, was bei sehr dunklen Inhalten zu einer etwas ungenauen Darstellung führen kann.

OLED und AMOLED: Gibt es einen Unterschied?

 

Quelle: LG; OLED-DIsplay

OLED steht für Organic Light Emitting Diode und produziert eigenes Licht. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass „organic“ in dem Zusammenhang nicht mit „biologisch“ zu übersetzen ist, sondern auf die verwendeten Kohlenstoffverbindungen hinweist. Muss Schwarz dargestellt werden, werden die Leuchtdioden einfach ausgeschaltet. Das resultiert in höheren Kontrasten, da dunkle Bereiche bei einem LCD weiterhin angeleuchtet werden müssen. Durch die OLED-Technologie ist es zudem möglich, geschwungene bzw. Curved-Displays zu verbauen. Zwar sind die Dioden von OLED-Displays theoretisch anfälliger gegenüber Umwelteinflüssen, die Lebensdauer von OLED-Displays konnte in den letzten Jahren jedoch so stark verbessert werden, dass sie LC-Displays nicht mehr wesentlich nachstehen.

 

Die Galaxy S21-Serie mit AMOLED-Display

Ein weit verbreiteter und vor allem von Samsung genutzter Begriff ist AMOLED (Active-Matrix Organic Light Emitting Diode). Dabei handelt es sich jedoch primär um Marketing, denn ein AMOLED als solches ist nicht zwangsläufig besser, sondern erklärt lediglich, wie die einzelnen Pixel mit Strom versorgt werden: mit einer aktiven Matrix. Letztendlich ist aber jedes OLED-Display in einem Smartphone oder Fernseher gleichzeitig ein AMOLED-Bildschirm, da nur diese Technik statt einer passiven Matrix möglich ist.

Mögliche Schwachstellen von LCDs und OLED-Displays

 

Es können bei beiden Displaytypen sogenannte „Geisterbilder“ auftreten, wenn das Display über lange Zeit einseitig benutzt wird und über Dauer weiße Flächen angezeigt werden. So kann es vorkommen, dass die Pixel noch eine gewisse Zeit weiterleuchten. Dies ist jedoch kein dauerhafter Zustand und regeneriert sich in der Regel schnell von allein. Vor allem bei OLED-Displays wird häufig vor dem sogenannten Einbrennen oder „Burn-in“ gewarnt, was hingegen dauerhafte Folgen hätte. Dies tritt aber zum Glück eher seltener auf. Es kann entstehen, wenn in einem Bildschirmbereich über einen sehr langen Zeitraum dasselbe Bild gezeigt wird, beispielsweise eine Navigationsleiste.

Hertz auf Abruf: Was ist LTPO?

 

Quelle: Apple, Apple Watch 6 mit LTPO

Abgesehen von der Auflösung und der Displayart spielt mittlerweile noch eine andere Eigenschaft eine große Rolle beim Smartphone-Kauf: die Bildwiederholfrequenz. Sie beschreibt, wie oft der Bildschirminhalt aktualisiert wird. Je höher die Zahl, desto flüssiger die Darstellung. Gleichzeitig steigt mit einer höheren Bildwiederholrate jedoch auch der Stromverbrauch. Bei Highend-Smartphones sind inzwischen 120 Hertz die Norm. Moderne Geräte sind dank der LTPO-Technik (Low-Temperature Polycrystalline Oxide) allerdings in der Lage variable Frequenzen bereitzustellen, sodass das Maximum nur erreicht wird, wenn es auch wirklich zum Tragen kommen würde: 120 Hz zum Beispiel in schnell bewegten Gaming-Szenen, 1 Hz, wenn nur Text zum Lesen dargestellt werden muss. Dies soll insgesamt in einem geringeren Strombedarf resultieren. Die Apple Watch setzt schon seit einigen Generationen auf diese Technologie.

LCD oder OLED: Für wen eignet sich welches Display?

 

Das Mi 10T mit LCD.

Eine eindeutige Antwort, ob ein LCD oder ein (AM)OLED-Display besser ist, lässt sich nicht geben. Beide Technologien haben ihre Vor- und Nachteile. Bessere Kontrastwerte lassen sich zweifellos mit einem OLED-Bildschirm erzielen. Im Bezug auf Helligkeit hat die neue Technologie verglichen mit dem LCD außerdem aufgeholt, weshalb Flüssigkristalldisplays vor allem in Smartphones nicht mehr als per se heller gelten. Auch mit Blick auf die Bildschirmwiederholfrequenz gibt es keinen alleinigen Sieger, da Smartphones wie das Xiaomi Mi 10T Frequenzen von 144 Hz erreichen, jedoch mit einem LCD ausgestattet sind.

 

Smartphones mit OLED-Bildschirm stellen den Regelfall dar und bieten eine deutlich größere Auswahl. Daher sollten Sie die Kaufentscheidung eher nicht von diesem Aspekt abhängig machen. Legen Sie jedoch Wert auf innovative Features, achten Sie auf das „LTPO“ im Datenblatt, zum Beispiel beim Samsung Galaxy S21 oder dem OnePlus 9 Pro. Glaubt man den Vorhersagen von Analysten, wird dies aber ohnehin in Zukunft der Standard sein.

 

 

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