Apples neuester Clou ist eines der günstigsten Produkte mit dem Apfel-Logo, fast so klein wie eine Euromünze und hilft beim Finden von Alltagsgegenständen. Wir haben den AirTag genannten Mini-Tracker ausprobiert und verraten, was ihn so besonders macht.

Tim Metzger
TimMetzger
Tim ist Redakteur bei Allround-PC.com und schreibt zusätzlich für das 1&1 Magazin.
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Mit der Einführung der AirTags erleben Schlüsselfinder ein Comeback. Nach ersten Gerüchten im Jahr 2019 hat das kalifornische Unternehmen das Gadget im April 2021 offiziell vorgestellt. Ein AirTag kostet 35 Euro, das Viererpack liegt bei 119 Euro. In typischer Apple-Manier gibt es passend dazu auch allerlei Zubehör, denn ein Loch für ein Band oder einen Schlüsselring sucht man vergebens. Entsprechende Anhänger von Apple kosten zwischen 35 und 45 Euro, Belkin bietet diese für knapp 15 Euro an und Hermès berechnet 349 bis 449 Euro. Wer Zugriff auf einen 3D-Drucker hat, könnte sich Anhänger für wenige Cent natürlich auch selbst erstellen.

Design und Technik

 

Die weißen Gadgets in Form von Schokolinsen sind elf Gramm leicht, acht Millimeter dünn und haben einen Durchmesser von knapp 32 Millimetern. Damit sind sie nur etwas größer als ein Zwei-Euro-Stück, quasi überall verstaubar und kompakter als vergleichbare Konkurrenzprodukte. Die Oberseite besteht aus Kunststoff und dient als Lautsprecher für Pieptöne, da direkt dahinter ein kleiner Magnet sitzt. Die Unterseite ist aus poliertem Edelstahl gefertigt und trägt das obligatorische Apfel-Logo. Nach wenigen Wochen an einem Schlüsselbund dürfte der Edelstahl zwar mit Kratzern übersät sein, doch im geschlossenen Zustand ist das AirTag-Gehäuse gemäß IP67 wasser- und staubdicht.

 

Mit einer gezielten Drehbewegung lässt sich die Unterseite entfernen, um die dahinterliegende Knopfzellenbatterie des Typs CR2032 zum Vorschein zu bringen. Über ein Jahr soll die Batterie im AirTag laut Apple durchhalten, bevor man sie austauschen muss – eine neue Knopfzelle kostet knapp einen Euro. Des Weiteren steckt in dem Tracker ein Beschleunigungssensor, ein SoC mit Bluetooth Low Energy sowie NFC und der ausschlaggebende U1-Chip von Apple.

 

Quelle: Apple

Letzterer funkt mit Ultrabreitband (UWB) und ist die Schlüsselkomponente für das Präzisions-Tracking im nahen Umfeld. Der U1-Chip ist bislang nur in der iPhone-11- und iPhone-12-Serie verbaut. Auch in der Apple Watch Series 6 und im HomePod mini findet sich die UWB-Technologie wieder, jedoch können beide Geräte diese Technik noch nicht im Zusammenhang mit AirTags nutzen. Mit anderen iPhones oder iPads lässt sich der Schlüsselfinder ebenfalls lokalisieren, allerdings nur grob über die Karte und nicht auf den Meter genau.

Einrichtung und Funktionsweise

 

Die Einrichtung erfolgt innerhalb einer Minute, setzt jedoch iOS 14.5 beziehungsweise iPadOS 14.5 voraus. Am iPhone oder iPad muss lediglich Bluetooth aktiviert sein, dann wird der ausgepackte AirTag zur Einrichtung einfach direkt neben das Gerät gehalten. Prompt erscheint ein Fenster zum Verbinden und Benennen des Trackers. Anschließend wird dieser mit der jeweiligen Apple-ID verknüpft, dann ist der Tracker einsatzbereit.

 

Orten und Einstellen lässt sich das kleine Gadget in der vorinstallierten „Wo ist?“-App. Sie ist neben Ultrabreitband die zweite Schlüsselkomponente von Apples Mini-Trackern. So ziemlich alle aktuellen Apple-Produkte, seien es iPhones, iPads, Apple Watches, Macs oder AirPods, bilden das sogenannte „Wo ist?“-Netzwerk, das dem Unternehmen zufolge aus einer Milliarde Geräten besteht. Die Bluetooth-Signale werden gegenseitig erkannt und verschlüsselt über iCloud in das Netzwerk gesendet. Nur Geräte mit der gleichen Apple-ID können den Standort auf der Karte sehen, zur Sicherheit ändert sich der Funkschlüssel alle 15 Minuten.

 

Alle Apple-Geräte im „Wo ist?“-Netzwerk dienen als anonyme Transponder, allerdings speichern AirTags die Standortdaten nie – selbst Apple kennt die Standorte der Geräte daher nicht. Wenn Ihnen also beispielsweise Ihr Schlüsselbund mit AirTag im Park aus der Tasche rutscht und Sie dies erst daheim vor der Haustür bemerken, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit einem iPhone oder einer Apple Watch daran vorbeigelaufen ist und Sie den Schlüsselbund daher auf der Karte sehen können. Sind Sie anschließend wieder im entsprechenden Parkbereich angekommen und haben ein iPhone mit U1-Chip, können Sie per Präzisions-Tracking den AirTag auf den Zentimeter genau im Gras wiederfinden.

Präzisions-Tracking in der Praxis

 

Das Präzisions-Tracking ist quasi wie Topfschlagen im 21. Jahrhundert und wirkt ein bisschen wie Magie. Es wird einfach die „Wo ist?“-App geöffnet, unten auf „Geräte“ getippt und der entsprechende AirTag ausgewählt. Dort lässt sich ein Piepton abspielen, der über die weiße Oberseite wiedergegeben wird. Der Ton ist selbst in einer Handtasche oder unter einem Kissen gut hörbar. Über die Schaltfläche „Suchen“ startet dann das Präzisions-Tracking, je nach Umgebung und den Hindernissen zwischen Smartphone und AirTag beträgt der Erkennungsradius circa 15 bis 45 Meter. Anfangs teilt das iPhone mit, dass der Tracker zwar verbunden, aber das Signal zu schwach ist und man ein wenig umhergehen soll.

 

Auf wenige Meter Entfernung erkennt der U1-Chip im iPhone für gewöhnlich die Quelle des Ultrabreitbandsignals und zeigt dann einen Richtungspfeil sowie eine auf die Kommastelle genaue Meterangabe an. Per Tipp auf das Lautsprechersymbol erzeugt der AirTag dann schnell einen Ton. Auf dem Weg zum Tracker gibt das iPhone nicht nur visuell, sondern auch haptisch die passende Richtung zu verstehen – der Vibrationsmotor arbeitet wie ein immer schneller oder schwächer werdender Puls.

Verloren-Modus und Schutz vor heimlichem Tracking

 

Beim Verlust eines AirTags lässt sich über die „Wo ist?“-App der Verloren-Modus aktivieren. Finder können den Tracker dann via NFC scannen und werden auf eine Webseite mit den hinterlegten Kontaktdaten (Telefonnummer und eine Nachricht) weitergeleitet. Das funktioniert nicht nur mit iPhones, sondern auch mit Android-Smartphones, die NFC unterstützen.

 

Wer einen unbekannten AirTag etwa in der eigenen Jackentasche oder im Rucksack findet, soll Apple zufolge die Batterie zur Deaktivierung des Trackers entfernen. Gegen unerwünschtes Tracking gibt es noch weitere Maßnahmen, denn AirTags schlagen akustisch Alarm, wenn sie länger von einem Gerät mit der registrierten Apple-ID getrennt sind oder fremde iPhones und kein Besitzer-Gerät in der Nähe erkennen. Den Zeitraum zur Aktivierung dieser Warnung könnte Apple theoretisch nachträglich noch ändern. Ein AirTag lässt sich erst wieder mit einer anderen Apple-ID koppeln, wenn er aus dem ursprünglichen Apple-Account entfernt wird.

Fazit

 

Gegenüber Konkurrenten wie Tile ist Apples Gadget aufgrund des „Wo ist?“-Netzwerks und dem Präzisions-Tracking stark im Vorteil. Tile setzt nämlich eine App und entsprechende Berechtigungen voraus und funkt nur per Bluetooth. Zudem ist die Anzahl an Tile-Besitzern erheblich geringer, was die Ortung auf größere Distanz fast unmöglich macht. Apple hat das „Wo ist?“-Netzwerk nun auch für Drittanbieter geöffnet, wodurch zukünftig MFi-zertifizierte Produkte („Made for iPod, iPhone und iPad“) ebenfalls Teil davon werden können. Beispielsweise hat der E-Bike-Hersteller VanMoof in seinem neuesten S3-Modell einen solchen Tracker fest integriert. Auch Mode- und Taschenhersteller dürften bald kleine, für AirTags vorgesehene Verstautaschen in ihren Produkten unterbringen.

 

Für iPhone-Besitzer sind AirTags eine einfache und recht kostengünstige Möglichkeit, Dinge wie die Brieftasche, den Schlüssel, eine Jacke, das Fahrrad oder gar ein Haustier zu orten. Den offiziellen Informationen zufolge scheinen die Tracker auch sicher zu sein und trotz des robusten Gehäuses lässt sich die Batterie tauschen. Über das nicht vorhandene Loch und den damit einhergehenden Drang zu teurem Zubehör lässt sich wiederum streiten. Das Gesamtkonzept wirkt jedoch sehr durchdacht und für manche dürften sich AirTags als praktische Alltagshelfer erweisen.