UWB – kurz für Ultra-wideband bzw. Ultrabreitband – wird erst von wenigen Smartphones unterstützt. Doch die Funktechnologie erlaubt einen Blick in eine Zukunft, in der Schlüssel vielleicht irgendwann komplett überflüssig sind.

Jonathan Kemper
JonathanKemper
Jonathan ist Redakteur bei Allround-PC.com und schreibt zusätzlich für das 1&1 Magazin.
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Die Ultrabreitbandtechnologie ist gar nicht so neu, sie befindet sich im Zusammenhang mit dem „Internet of Things“ (Internet der Dinge) auf dem Vormarsch. Ultrabreitband wird auch mit UWB (Ultra-wideband) abgekürzt und machte vor allem durch Smartphone-Entwicklungen der letzten Jahre Schlagzeilen. UWB lässt sich grob als stärkeres Bluetooth erklären. Es nutzt nicht nur höhere Frequenzen zwischen 3,1 und 10,6 GHz, sondern vor allem auch deutlich breitere Kanäle mit 500 MHz, während Bluetooth üblicherweise auf 20 MHz beschränkt ist. Darüber lassen sich in kürzester Zeit große Datenpakete verschicken.

 

Weitere Vorteile: Die Latenz beträgt bei UWB in der Regel nur eine Millisekunde, während sie bei Bluetooth LE (Low Energy) spürbar darüber liegt. Auch bietet UWB die größere Reichweite, bis zu 250 Meter sind theoretisch möglich. Selbst in Umgebungen, in denen andere Funkstandards wie Wi-Fi oder Bluetooth Probleme durch Frequenzüberlagerungen haben könnten, kommt Ultrabreitband noch ungehindert durch. Dabei steigt der Energieverbrauch zwar, überschreitet jedoch kein dramatisches Level. Schließlich macht ein zusätzlicher Layer die Funkübertragung über UWB so sicher wie keine andere.

Welche Geräte unterstützen UWB?

 

iPhone 11

iPhone 11

Unter den ersten Geräten, die den Funkstandard unterstützten, waren die Modelle des Apple iPhone 11, später folgte das Samsung Galaxy Note 20 Ultra. Bei der 2021er-Flaggschiff-Reihe kamen nicht alle Geräte in den Genuss von UWB, nur das Samsung Galaxy S21+ und das S21 Ultra wurden mit einem UWB-Chip ausgestattet. Abgesehen von der Smartphonebranche interessiert sich besonders die Automobilindustrie für UWB. Audi, BMW und Ford bringen die notwendige Kompatibilität dazu in ihren neuesten Modellen unter. Dies soll zukünftig das Entsperren eines Fahrzeugs mit einem entsprechenden Smartphone ermöglichen und das ganz ohne Autoschlüssel.

 

Auch der neue Samsung Galaxy SmartTag+ funkt über UWB. Das Gadget ist die Weiterentwicklung des Galaxy SmartTag, der erst Anfang 2021 vorgestellt wurde. Besonders sinnvoll ist es zum Beispiel, ihn am Schlüsselband zu befestigen, um diesen jederzeit wiederfinden zu können. Das Vorgängermodell setzte noch auf Bluetooth LE, das beim neueren Plus-Modell jedoch durch UWB ergänzt wird. Dies erlaubt die Position der verbundenen Geräte deutlich genauer und sogar in Echtzeit zu bestimmen. Über Augmented Reality können Sie sich zentimetergenau durch die Smartphonekamera zu Ihrem SmartTag+ navigieren lassen. Befinden Sie sich in der Nähe Ihres verlorenen Gegenstands, der mit einem SmartTag+ verknüpft ist, kann ein akustisches Signal das Auffinden erleichtern.

Wie kann UWB im Alltag helfen?

 

Quelle: Samsung

Abgesehen vom Schlüsselbund gibt es noch weitere praktische Anwendungsfälle im Alltag, in denen UWB das Leben erleichtern kann. Beispielsweise in Verbindung mit einem smarten Türschloss: Eine Empfängerstation an der Tür könnte das Ultrabreitbandzubehör einer Person erkennen und einschätzen, ob sich diese drinnen oder draußen befindet, ob sie sich der Türschwelle nähert oder sich von ihr entfernt. Genauso könnte die Zukunft bei Autos aussehen, die Sie nicht mehr altmodisch per Schlüssel, sondern UWB-fähigem Smartphone entsperren. Im Arbeitsalltag wäre UWB unter anderem eine interessante Unterstützung für Social Distancing. Erkennt das Smartphone ein anderes, die Entfernung ist aber zu gering, könnten die Träger darüber informiert werden.

Fazit: Viel Potenzial, wenig Geräte

 

Ultrabreitband ist eine Technologie mit ungeheuerem Potential und steht dabei noch am Anfang. Sie soll nicht Wi-Fi, Bluetooth oder NFC ersetzen, sondern diese intelligent ergänzen. Die Zahl der Geräte, die UWB-fähig sind, ist noch extrem übersichtlich. Hersteller wie Samsung nutzen dieses Feature aber auch, um ein Kaufargument für die teureren Premium-Smartphones in der Hand zu haben. In der Zukunft dürfte sich das ändern und UWB im Markt auch für die breite Masse ankommen. Auch Autohersteller sind am Zug, den Funkstandard in ihren Fahrzeugen einzubauen.