Das Xiaomi Mi 11 ist der letzte Ableger aus der Flaggschiff-Serie des chinesischen Technik-Konzerns. Es wurde Ende 2020 als erstes Smartphone mit dem neuesten Vertreter des Chip-Herstellers Qualcomm vorgestellt und musste nicht nur deswegen großen Erwartungen gerecht werden. Ob das Mi 11 alle erfüllen kann, erfahren Sie in folgendem Testbericht.

Jonathan Kemper
JonathanKemper
Jonathan ist Redakteur bei Allround-PC.com und schreibt zusätzlich für das 1&1 Magazin.
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Xiaomi Mi 11: Lieferumfang und Haptik

 

Neben dem Smartphone sind ein Tool zum Wechseln der SIM-Karte, eine durchsichtige Hülle und das 55-Watt-Ladegerät samt USB-C-Kabel im Lieferumfang enthalten. Ein Headset wird leider nicht mitgeliefert, dafür gibt es mangels eines entsprechenden Anschlusses einen Adapter von USB-C auf 3,5-Millimeter-Klinke, sodass Sie Ihre kabelgebundenen Kopfhörer ohne Probleme weiterverwenden können.

 

Obwohl das Äußere des Xiaomi Mi 11 aus Glas gefertigt und in einen Aluminiumrahmen gefasst ist, macht das Gehäuse zumindest in der schwarzen Variante den Eindruck von Kunststoff. Das ist keineswegs ein Nachteil: Durch die matte Färbung sind Fingerabdrücke nur unter direktem Lichteinfall zu sehen. Das Gehäuse ist 8,1 Millimeter dünn, die Triple-Kamera auf der Rückseite und davon vor allem der Hauptsensor ragen aber noch einmal deutlich heraus. Ohne Hülle kann das Mi 11 also nicht auf einem Tisch liegen, ohne zu wackeln.

 

Die einzigen Knöpfe sind auf der linken Seite des Gehäuserahmens platziert, der Powerbutton befindet sich unter der Lautstärkewippe. Sie sollten auch mit kleineren Händen noch gut erreichbar sein und haben einen ausgewogenen Druckpunkt. Insgesamt macht das Xiaomi Mi 11 in der Hand einen hochwertigen und solide verarbeiteten Eindruck. Es ist nach Herstellerangaben wasserdicht, sodass Regen dem Smartphone nichts anhaben soll. Wie gewohnt fehlt aber leider eine Zertifizierung nach dem branchenüblichen IP-Standard, die man bei dem Preis des Mi 11 eigentlich erwarten könnte.

Das Display des Mi 11

 

Das Display  des ist das, was gleich nach dem Anschalten ins Auge fällt – und das lohnt sich beim Xiaomi Mi 11 gleich doppelt. Der AMOLED-Bildschirm hat eine Diagonale von 6,81 Zoll und löst mit 3.200 x 1.440 Pixeln auf, was in einer Pixeldichte von 515 PPI resultiert. Hinzu kommt die Bildwiederholrate von 120 Hertz, die das Benutzen des Smartphones von Anfang an zu einer wahren Freude macht. Gerade, wer von einem älteren Gerät auf das Mi 11 umsteigt, wird die höhere Wiederholfrequenz sofort bemerken. Es unterstützt HDR10+ und bietet eine maximale Helligkeit von 1.500 Nits – selbst in der prallen Sonne können Sie Nachrichten auf dem Display des Mi 11 daher noch gut ablesen.

 

In den vier Ecken ist der Bildschirm abgerundet, wodurch manche Inhalte – zum Beispiel in Spielen oder Filmen – im nicht mehr sichtbaren Bereich landen könnten. Ein gutes Verhältnis zwischen Frontseite und Bildschirm erreicht das Mi 11, indem die Selfiekamera in einer sogenannten Punchhole-Notch links oben untergebracht wurde. Geschützt wird das Smartphone durch Corning Gorilla Glass Victus.

Leistung und Akku

 

Wie eingangs erwähnt, handelt es sich beim Xiaomi Mi 11 um das erste Smartphone überhaupt, das mit dem neuen Qualcomm Snapdragon 888 vorgestellt wurde. Der Highend-Chip dürfte die Smartphone-Industrie bis zur Präsentation seines Nachfolgers Ende 2021 maßgeblich mitbestimmen und unangefochten auf dem ersten Platz stehen. Der Chip ist im energieeffizienten 5-nm-Verfahren gefertigt und besitzt vier Low-Power-Kerne, drei stärkere und einen besonders starken. Dank dieser intelligenten Kombination schnappt sich das Smartphone einfach immer genau so viel Rechenleistung, wie es gerade benötigt, ohne den Akku allzu sehr zu beanspruchen. Dazu kommen 8 GB RAM in Verbindung mit 128 GB internem Speicher, die einen flüssigen Wechsel zwischen Apps und schnelles Laden von Applikationen ermöglichen.

 

Eine Wärmeentwicklung ist vor allem bei Games schnell zu spüren, diese verteilt sich über den Aluminiumrahmen noch rascher als über den Glasrücken.

 

Das Mi 11 kommt mit seinem 4.600 mAh-Akku einen Tag über gut aus. Geladen wird dieser mit bis zu 55 Watt, mehr als 50 Prozent Energie lassen sich somit in 15 Minuten ins Gerät befördern. Ein entsprechendes Schnellladenetzteil befindet sich im Lieferumfang.

Die Kamera des Mi 11 im Überblick

 

Nimmt man sich die Kamera des Xiaomi Mi 11 vor, kommt man nicht umhin, sie mit der des Vorgängermodells zu vergleichen. Das Xiaomi Mi 10 wartete bereits mit einer 108-MP-Kamera auf – und tatsächlich ist exakt der gleiche Sensor wieder im Nachfolger verbaut. Die Blende ist mit f/1.85 gegenüber f/1.69 eine Idee geschlossener. Ansonsten sind es im Mi 11 zwar nur drei statt fünf Sensoren, dafür können diese bessere Ergebnisse vorweisen.

 

Neben den 108 MP im Weitwinkel-Hauptsensor, die dank Pixel-Binning bei effektiven 27 MP im alltäglichen Gebrauch landen, gibt es eine Ultraweitwinkel-Kamera mit 13 MP und eine Makrolinse mit 5 MP. Letztere sind zumindest bei genügend Umgebungslicht noch zu gebrauchen, vor allem die Makrolinse ist insgesamt aber auch mehr als nette Spielerei zu verstehen. Ein optischer Zoom fehlt mangels Telelinse gänzlich, Bildmotive können Sie nur digital vergrößern. Die Selfiekamera hat wie ebenfalls schon der Vorgänger 20 MP und liefert erwartbar gute Ergebnisse.

 

Videos sind mit den Kameras des Mi 11 selbstverständlich auch möglich, sogar in bis zu 8K-Auflösung mit immerhin noch 30 FPS, 4K schafft die Hauptkamera mit 60 FPS. Obwohl die Auflösung da keinen Riegel vorsetzen sollte, ist die Frontkamera softwareseitig auf Full-HD mit 60 FPS beschränkt – 4K-Vlogger werden hier also nicht glücklich. Dafür weiß die optische Bildstabilisierung der Hauptkamera zu beeindrucken.

 

Ultraweitwinkel-Kamera, Makro-Kamera und Co.? Im verlinkten Beitrag erklären wir Ihnen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Smartphone-Kameras.

Software

 

Als Software-Basis dient ab Werk Android 11. Seit jeher setzt Xiaomi bekanntlich auf seine eigene Oberfläche MIUI, die das Android-Erlebnis stark anpasst. Nutzer von iPhones dürften gerade mit der jüngsten Version MIUI 12 einiges entdecken, was ihnen bekannt vorkommt, zum Beispiel das überarbeitete Kontrollcenter, das sich auf der rechten Seite der Statusleiste herunterziehen lässt. Mittlerweile wurde auch ein App-Drawer in MIUI integriert, sodass nicht jede installierte App zwangsweise auf dem Homescreen landet. Xiaomi hat das Google-OS an einigen Stellen aber sinnvoll weiterentwickelt, zum Beispiel mit zahlreichen Hilfestellungen zum Akkusparen.

Xiaomi Mi 11: Sonstiges

 

Abgesehen von einer Gesichtsentsperrung ist ein optischer Fingerabdruckscanner unter dem Display an Bord. Dieser zeigt sich im Alltagstest zwar prinzipiell verlässlich, aber nicht immer sonderlich schnell. Xiaomi hat ankündigt, dass sich über den Sensor sogar die Herzfrequenz messen lassen soll – dieses Feature muss allerdings erst noch mit einem Software-Update nachgeliefert werden.

 

Während der Akku mit dem USB-C-Netzteil mit 55 Watt schon ziemlich schnell geladen werden kann, müssen sich Fans von Wireless Charging kaum auf Einbußen einstellen. 50 Watt sind kabellos möglich, was ebenfalls in einer Ladezeit von unter einer Stunde auf 100 Prozent resultieren soll. Kabelloses Reverse-Charging für das Laden von Zubehör über die Gehäuserückseite ist mit maximal zehn Watt möglich.

 

Zu guter Letzt ist das Mi 11 mit Stereo-Lautsprechern ausgestattet, die ein erstaunliches Volumen produzieren können. Sicherlich, für den Genuss eines ganzen Musikalbums sind sie nicht gemacht, dafür fehlt es an Bass. Doch beim Serie-Schauen oder beim Mobile Gaming machen die Stereo-Lautsprecher eine sehr gute Figur.

Fazit nach dem Test des Xiaomi Mi 11

 

Das Xiaomi Mi 11 ist definitiv kein schlechtes Gerät und spielt alleine schon aufgrund des Snapdragon 888 in der obersten Liga mit. Enthusiasten müssen aber leider an manchen Stellen Abstriche machen oder sich kompromissbereit aufs alltägliche Smartphone-Erlebnis einlassen. Da wären zum Beispiel die Wärmeentwicklung, das fehlende IP-Rating, der ältere USB-2.0-Standard, die fehlende Telelinse oder die ausbaubare Akkuleistung zu nennen. Bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von 799,90 Euro für das Einsteigermodell mit 8 GB RAM und 128 GB nicht erweiterbaren Speicher bzw. 899,90 Euro für 256 GB ist Xiaomi offenbar nicht mehr so deutlich an einem nahezu perfekten Preis-Leistungs-Verhältnis interessiert.

 

Tipp
Sie interessieren sich für das Xiaomi Mi 11, die einmaligen Anschaffungskosten sind Ihnen aber zu hoch? In Kombination mit einer 1&1 All-Net-Flat wird das Mi 11 zu deutlich attraktiveren Konditionen hier im 1&1 Shop angeboten.