Smartphone-Kameras entwickeln sich stetig weiter und Hersteller verbauen immer mehr Sensoren in ihren Modellen. Einige der Extra-Kameras sorgen für größere Bildausschnitte oder mehr Zoom, aber worin unterscheiden sie sich konkret und welche Arten von zusätzlichen Smartphone-Kameras gibt es?

Tim Metzger
TimMetzger
Tim ist Redakteur bei Allround-PC.com und schreibt zusätzlich für das 1&1 Magazin.
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Bereits seit 2011 gibt es Smartphones mit mehr als einer Kamera auf der Rückseite, doch seit circa vier Jahren nimmt die Verbreitung an zusätzlichen Kamerasensoren im Smartphone-Markt zu. Seit dem Huawei P20 Pro setzen Hersteller sogar zunehmend mehr als zwei Kamerasensoren ein und werben etwa mit einer „Triple-Kamera“ oder „Quad-Kamera“. Die Linsen dienen meist für unterschiedliche Einsatzzwecke, die wir Ihnen nachfolgend erklären.

Telekameras

 

Am bekanntesten sind wohl die Telekameras, denn sie kommen schon seit geraumer Zeit in Geräten von Apple, Samsung und Co. zum Einsatz. Statt digital und mit Qualitätsverlusten einen Bildausschnitt mit der Hauptkamera vor der Aufnahme zu vergrößern, bieten Telekameras eine optische, verlustfreie Vergrößerung (Zoom). Da sich die Linsen vor dem Bildsensor nicht wie bei einer vollwertigen Kamera verschieben können, bieten Telekameras in Smartphones eine Festbrennweite.

 

Die Kamera des Samsung Galaxy S21 Ultra

Mittlerweile sind Telekameras mit zweifach oder dreifach optischem Zoom gängig, doch es gibt in der Oberklasse auch Smartphones mit einem fünffachen oder gar zehnfachen Zoom. Um große „Brennweitensprünge“ in der Kamera-App beim Wechseln vom Hauptsensor zum Telesensor zu vermeiden, setzen Hersteller entweder den Software-gestützten Hybrid-Zoom ein oder verbauen noch eine zweite Telekamera mit kleinerer Brennweite. So hat beispielsweise das Samsung Galaxy S21 Ultra eine Telekamera mit dreifachem Zoom und eine mit zehnfacher Vergrößerung, kann aber digital auch bis zu 100-fach zoomen. Möglich wird dies unter anderem durch den Einsatz einer Periskop-Linse, die das Licht um 90 Grad umlenkt. Dadurch gelangt es durch mehr Linsen, die das Bild wiederum stärker vergrößern können.

Ultra-/Weitwinkelkameras

 

Auch Ultra-/Weitwinkelkameras befinden sich heutzutage oft in Smartphones. Wie der Name bereits verrät, weisen sie eine weitwinklige Optik auf. Im Vergleich zur Hauptkamera ist auf einem Bild der Weitwinkelkamera ein größerer Bildausschnitt vorhanden. Das ist beispielsweise praktisch, wenn Sie nah vor dem Motiv stehen und es dennoch vollständig aufnehmen möchten. Eingeführt wurden Ultraweitwinkelkameras 2016 mit dem LG G5. Mittlerweile sind sie selbst in sehr günstigen Geräten anzutreffen.

 

Von Modell zu Modell variiert allerdings das Sichtfeld. So existieren beispielsweise Weitwinkelkameras mit einem Sichtfeld von 107 Grad und welche mit über 120 Grad. Je höher das Sichtfeld, desto größer der Bildausschnitt, allerdings können dann auch schneller Verzerrungen an Bildrändern auftreten. Brandneu auf dem Markt sind demnach Weitwinkelkameras mit sogenannter „Freeform“-Linse, welche die Verzerrung physisch ausgleicht.

Makrokameras und Tiefensensoren

 

Des Weiteren existieren häufig noch Makrokameras und Tiefensensoren. Erstere erlauben es Nutzern, ein Objekt aus nächster Nähe für Detailaufnahmen zu fotografieren. Teilweise gehen Hersteller sogar einen Schritt weiter und kombinieren diese mit einer Telelinse für einen Mikroskop-Effekt. Tiefensensoren sind wiederum nur zum Sammeln von Tiefeninformationen zuständig. Diese Daten nutzen die Smartphones dann, um zwischen Vorder- und Hintergrund zu unterscheiden, und, um etwa eine künstliche Hintergrundunschärfe zu erzeugen. Die Verwendung eines solchen Sensors spart in erster Linie Rechenleistung und aufwändige Kamera-Software für eine akkurate künstliche Hintergrundunschärfe.

Time-of-flight und mehr

 

Eine Weiterentwicklung von Tiefensensoren sind Time-of-flight-Sensoren. ToF-Sensoren senden Infrarotlicht-Impulse aus und messen die Zeit, die das Licht zum Objekt und wieder zurück benötigt. Dadurch lässt sich genau die Distanz zu Objekten vor der Kamera bestimmen, auch im Dunkeln. Das ist vor allem bei Augmented-Reality-Effekten von Vorteil, kann aber auch als Fokus-Unterstützung bei Nachtaufnahmen dienen. Zuweilen beinhalten Smartphones außerdem eine Monochromkamera. Sie nimmt Bilder nur in Schwarz-Weiß auf, kann aber eine Hauptkamera etwa durch zusätzliche Details unterstützen.

 

Neben Telekameras, Weitwinkelkameras, Makrokameras und Tiefenkameras gibt es auf dem Markt noch ein paar Exoten. Zu denen gehören beispielsweise Wärmebildkameras, Infrarotkameras und auch 360-Grad-Kameras.

Nicht die Anzahl, sondern die Art ist entscheidend

 

Die Kamera des HUAWEI P40 Pro+

Der Trend der zusätzlichen Kamerasensoren wächst weiterhin, denn sie bieten beim Fotografieren meist große Vorteile. Die Anzahl der Kameras ist allerdings nicht entscheidend. Sie sollten eher darauf achten, welche Kameras bzw. Sensoren konkret zum Einsatz kommen. Abseits der Hauptkamera sind vor allem Weitwinkel- und Telekameras praktisch. Bei Letzteren gilt es jedoch zu unterscheiden, denn eine Telekamera mit zweifachem Zoom bietet mittlerweile kaum noch sichtbare Vorteile gegenüber Digital-Zoom in Verbindung mit der hochauflösenden Hauptkamera.

 

Gerade Makrokameras und Tiefenkameras lösen oftmals nur mit zwei Megapixeln auf und sind in der Praxis nur wenig nützlich. Wägen Sie im Zweifel ab, ob Ihnen eine gute Weitwinkelkamera oder eine Telekamera mit hoher Brennweite wichtiger ist. Fakt ist, dass Smartphone-Kameras sich ständig weiterentwickeln und neue Technologien mit der Zeit auch in günstigere Smartphones gelangen. Das aktuelle Nonplusultra an Kamera-Technologien gibt es zum Beispiel im Samsung Galaxy S21 Ultra und im Huawei P40 Pro+.