Für viele Menschen gehört WLAN genauso zum Alltag wie Strom und fließend Wasser. Doch während sich an Steckdosen und Wasserleitungen in den letzten Jahren wenig getan hat, wird das drahtlose Netzwerk ständig weiterentwickelt. Im folgenden Artikel erfahren Sie, was die neue WiFi 6 Generation leistet.

Marcel Schreiter
MarcelSchreiter
Marcel ist Gründer von Allround-PC.com und als Redakteur für das 1&1 Magazin tätig.
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WiFi 6: Ein neuer Name für mehr Transparenz

Wenn Sie heute zum ersten Mal den Begriff WiFi 6 lesen, sind Sie sicher nicht alleine. Bisher hatten die verschiedenen WLAN-Standards nämlich eher kryptische Namen, die sich an die sogenannte IEEE-Bezeichnungen anlehnten. Populäre Beispiele sind „802.11n“ oder „802.11ac“.

 

Die Wi-Fi Alliance, die hinter den verschiedenen WiFi-Standards steckt, will es Endkunden ab sofort jedoch leichter machen. Deshalb heißt der neue WLAN-Standard kurz und einfach nur noch „WiFi 6“.

 

Fans der alten Namenskonvention brauchen aber nicht traurig sein. Auch WiFi 6 hat weiterhin einen technischen Namen: „802.11ax“.

 

Damit aber nicht genug: Um WiFi 6 nicht ganz alleine mit seinem neuen Namen dastehen zu lassen, bekommen auch die letzten beiden Generationen eine neue Bezeichnung: WiFi 4 und WiFi 5.

  • 802.11n – Wi-Fi 4
  • 802.11ac – Wi-Fi 5
  • 802.11ax – Wi-Fi 6

So schnell ist WiFi 6

WiFi 6 bringt Ihnen vor allem Vorteile bei der Geschwindigkeit. Die neuste Generation stellt deutlich mehr Bandbreite zur Verfügung, mit der Router und Endgeräte kommunizieren können.

 

Das neue WLAN der sechsten Generation kann Geschwindigkeiten von bis zu 9.600 Mbit/s erreichen. Die Vorgängerversion WiFi 5 (ac-Standard) schafft hier maximal 1.733 Mbit/s. Zwar handelt es bei beiden Angaben um Brutto-Geschwindigkeiten, die in der Praxis so nicht erreicht werden, der Geschwindigkeitsvorsprung ist aber ohne Frage deutlich.

 

Um den Performance-Boost der neuen WLAN-Evolutionsstufe so richtig nutzen zu können, müssen Sie jedoch mehrere Geräte gleichzeitig mit dem WLAN-Netzwerk verbunden haben. WiFi 6 spielt seine Stärke nämlich vor allem in Netzwerken aus, in denen viele Endgeräte (z.B. Smartphones, Tablets und Notebooks) gleichzeitig Daten anfordern oder an den Access Point senden.

 

Das Stichwort ist MU-MIMO. Diese Abkürzung steht für Multi User Multiple Input Multiple Output und beschreibt eine Technik, die es dem Access Point oder Router erlaubt mit mehreren Endgeräten simultan zu kommunizieren.

 

Im Vergleich zu WiFi 5 kann WiFi 6 nicht nur parallel Daten an mehrere Clients senden, sondern auch simultan Daten von diesen empfangen. Das sorgt dafür, dass WiFi 6 in Umgebungen mit vielen Nutzern deutlich stabiler und reaktionsfreudiger funktioniert.

Bessere Verschlüsselung

Zwar nicht direkt von WiFi 6 abhängig, aber in jedem Fall damit kompatibel, ist die neue WPA 3 Verschlüsselung. Diese bietet eine deutlich erhöhte Sicherheit gegenüber der aktuell weitverbreiteten WPA 2 Technologie.

 

Mitunter wird die Verbindung dadurch sicherer, dass WPA 3 keine Teile des Geheimschlüssels (WLAN-Passworts) mehr vor dem Herstellen der Verbindung übertragen muss. Das ist bei WPA 2 der Fall und bietet eine potenzielle Angriffsstelle.

 

Außerdem macht WPA 3 das Surfen an öffentlichen Hot-Spots sicherer, in dem jeder Client – also zum Beispiel Ihr Smartphone in der Hotel Lobby – einen eigenen Sicherheitsschlüssel mit dem Router des Hotels austauscht. Bei WPA 2 müssen sich hingegen alle Endgeräte eine Passphrase teilen. Damit ist der Datenverkehr im Netzwerk für alle Teilnehmer einsehbar. WPA 3 ändert das endlich und schafft so mehr Sicherheit.

Welche Router unterstützen WiFi 6?

Wer sein Heimnetzwerk auf den neusten Stand bringen will oder ohnehin gerade auf der Suche nach einem passenden Router oder Access Point ist, der sollte ohne Frage direkt auf WiFi 6 setzen.

 

Die meisten der bekannten Hersteller von Netzwerk-Equipment haben bereits WiFi 6-fähige Geräte auf dem Markt.

 

Der Hersteller AVM bietet seine bekannte FRITZ!Box Serie beispielsweise bereits mit WiFi 6 Unterstützung an. Hier sind die Modelle FRITZ!Box 5530 und 5550 für Glasfaser-Anschlüsse oder die FRITZ!Box 6660 Cable für Kabel-Internet verfügbar.

 

Von Netgear gibt es ebenfalls verschiedene Modelle der Nighthawk Routerserie, die WiFi 6 unterstützen. Auch D-Link hat bereits entsprechende Router im Angebot (z.B. DIR-AX1860 oder DIR-AX5460).

 

In jedem Fall sollten Sie beachten, dass WiFi 6 natürlich potenziell deutlich schneller arbeitet, als Gigabit-Ethernet (1 Gbit/s) Daten über das Netzwerk liefern kann. Viele der Geräte verfügen daher bereits über 2,5 Gbit/s-Ethernet-Ports. Wer WiFi 6 also voll ausnutzen will, der benötigt – je nach Routerfähigkeiten – auch mehr Power im Rest des Heimnetzwerkes.

 

Tipp:
Manche Hersteller rechnen gerne die Bandbreite sämtlicher WLAN-Bänder zusammen und kommen damit auf hohe Mbit/s-Angaben. Das ist reines Marketing. Prüfen Sie daher immer genau, welche Geschwindigkeit Ihr neuer Router im 5 GHz-Band im WiFi 6 Modus liefern kann. Nur diese Angabe zählt im Zweifel.

 

Die maximale Bandbreite ist dabei direkt von der MIMO-Konfiguration des Gerätes abhängig. Diese erkennen Sie an Angaben wie 2x2 oder 4x4. Damit ist die Anzahl der Antennen gemeint, die zur gleichzeitigen Kommunikation mit verschiedenen Clients zur Verfügung steht.

Und was ist mit Endgeräten?

Natürlich ist ein schneller Router oder Access Point mit WiFi 6 Support nur die halbe Miete. Um das neue WLAN so richtig nutzen zu können, benötigen Sie selbstverständlich auch Endgeräte, die etwas mit dem neuen Standard anfangen können.

 

Ohne Frage: Die modernen Router sind zu WiFi 5 und WiFi 4 abwärtskompatibel, Sie müssen also nicht direkt alle Endgeräte austauschen. So richtig Spaß macht es aber erst, wenn beide Seiten der drahtlosen Verbindung mit WiFi 6 umgehen können.

 

Aktuelle Smartphones sind in diesem Bereich ganz klar Vorreiter. Bei Samsung sind mitunter die Galaxy S20-Serie bereits mit WiFi 6 kompatibel. Auch das neue Xiaomi Mi 10 unterstützt den neuen ax-Standard.

 

Bei Apple müssen Sie ein iPhone 11 oder ein iPhone 11 Pro besitzen, um den neuen WLAN-Standard nutzen zu können. Auch das neue iPhone SE (2020) kann glücklicherweise schon mit WiFi 6 umgehen.

 

Natürlich gibt es auch erste Tablets und Notebooks, die WiFi 6 unterstützen. Ob sich der oftmals noch saftige Aufpreis im Notebook-Segment lohnt, muss jeder für sich selbst bewerten.