Es ist ein unangenehmes Thema, das wir gerne zu vermeiden versuchen: die Nachlassvorsorge. Dabei kommt einer solchen Vorsorge, heute, in Zeiten von Facebook und Co., eine noch viel größere Bedeutung zu. Wir möchten Ihnen zeigen, welche Vorbereitungen sich schon zu Lebzeiten in Bezug auf Ihr künftiges digitales Erbe empfehlen.

Digitale Nachlassvorsorge: Am Anfang steht die Bestandsaufnahme

Zugriffsmöglichkeiten für alle Geräte sicherstellen

Vermutlich haben Sie - dies wäre zumindest ratsam - den Zugriff auf all Ihre elektronischen Geräte durch ein Passwort, einen PIN oder ein Entsperrmuster eingeschränkt. In der Regel verfügen Sie als einziger über die Information, mittels derer eine Entschlüsselung ermöglicht wird. Möchten Sie Ihren Hinterbliebenen nach Ihrem Ableben die Möglichkeit zur Einsicht der auf dem Gerät gespeicherten Daten – z. B. Familienfotos – geben, sollten Sie alle entsprechenden Kennungen zentral auf einer Liste, möglicherweise gemeinsam mit Ihrem Testament und Ihrer Patientenverfügung, in stets aktualisierter Form, aufführen. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich auch, eine generelle Auflistung der vorhandenen Elektronikgeräte, einschließlich eines Kommentares zu der jeweiligen Nutzungsfunktion in Ihrem Leben, anzufertigen. Bedenken Sie, dass es immer auch gleichzeitig darum geht, die schwierige Aufgabe der Nachlassverwaltung für die trauernden Hinterbleibenden zu erleichtern.

Accountlisten stets auf dem aktuellen Stand halten

Es zählt zu den wichtigsten Aufgaben des Prinzips der Datensouveränität, immer einen Überblick darüber zu behalten, welche meiner persönlichen Daten sich im Umlauf befinden, d. h. sowohl über Inhalt als auch Besitzer Buch zu führen. Im Internetalltag bedeutet dies z. B., eine Liste mit allen erstellen Accounts – Benutzerkennung und Passwort – zu führen und regelmäßig auf ihre Aktualität zu überprüfen. Hierzu gehören die Anmeldedaten von Online-Shops, bei denen Sie bestellt haben, Konten bei Zahlungsdienstleistern wie PayPal oder z. B. auch all Ihre Social-Media-Accounts. Selbst nach Ihrem Tod verliert diese Liste nicht an Bedeutung. Möglicherweise sind Bestellprozesse oder Retouren noch nicht abgeschlossen, wichtige E-Mails unbeantwortet geblieben oder es finden sich persönliche Informationen in sozialen Netzwerken, die nicht für die Ewigkeit dort abrufbar sein sollen. Auch hier gilt es mit entsprechenden schriftlichen Anmerkungen vorzusorgen.

Kostenpflichtige Abonnements und Cloud-Speicher

Vermutlich zählen auch Sie zu den Millionen weltweiten Nutzern eines Streaming-Dienstes. Vielleicht haben Sie sogar gleich mehrere Abonnements bei verschiedenen Anbietern. Zudem liegen auch häufig kostenpflichtige Mitgliedschaften für Bildungs-, Sprachenlern- und Meditations-Apps vor. Nach Ihrem Tod müssen diese Vereinbarungen gekündigt werden, sonst erfolgen wohlmöglich auch noch weiterhin Abbuchungen von dem hinterlegten Konto oder es stapeln sich Mahnungen und böse Briefe - ein Ärgernis, das man seinen Hinterbliebenen gerne ersparen möchte.

 

Cloud ComputingCloud-Speicher sind zwar häufig kostenfrei, sollten aber ebenso eine Erwähnung in Ihrem Nachlassverzeichnis finden. Möglicherweise lagern noch wichtige Geschäftsunterlagen in Ihrer Dropbox, oder es finden sich alte Urlaubsbilder in der iCloud. Nach dem Tod sollten diese Daten gesichert und die Speicher gelöscht bzw. geschlossen werden. Informationen und Dokumente des Verstorbenen sollten nicht zufällig – das hieße in diesem Falle: aus Unkenntnis über deren Existenz – bestehen bleiben. Es ist ein Ihnen (oder gegebenenfalls Ihren Hinterbliebenen) obliegendes Recht, zu bestimmen, welche digitalen Dokumente Sie in der Welt zurücklassen. Es ist durchaus denkbar, dass solche zurückgelassenen Dokumente anderenfalls irgendwann in der Zukunft von digitalen Archivaren eingesehen werden könnten.

Der Tod und Social Media

Während Twitter den Account eines Verstorbenen nach Bekanntwerden des Ablebens deaktiviert, bietet z. B. Facebook dem Nutzer noch zu Lebzeiten die Möglichkeit, einen Nachlasskontakt zu bestimmen. Diese Person muss selbst allerdings auch zwingend ein Facebook-Konto besitzen und sich in Ihrer Freundesliste befinden. Nach dem Ableben des Konto-Inhabers erhält der Nachlasskontakt eingeschränkten Zugriff auf den Account. Es ist ihm nicht gestattet, neue Freundschaftsanfragen zu versenden oder Freunde zu entfernen, und es besteht auch keine Möglichkeit für ihn, empfangene oder versendete Nachrichten zu lesen. Selbstverständlich können Sie auch festlegen, dass Ihr Konto nach Bekanntwerden Ihres Todes gelöscht wird. Wenn dies aber nicht Ihr Wille sein sollte, wird das Profil in den Gedenkzustand versetzt, erkennbar durch das Anzeigen von „In Erinnerung an“ direkt vor dem Namen.

 

Erben haben Anrecht auf Zugriff
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat 2018 in einem wegweisenden Urteil (Az. III ZR 183/17) entschieden, dass den gesetztlichen Erben auch Zugriff auf Konten von Sozialen Netzwerken gewährt werden muss. Es ließe sich hier demnach ein Vergleich zur Vererbung von Tagebüchern und Briefen ziehen.

Online-Gedenkseiten: Ein dezentraler Ort des Erinnerns

Bild: Gedenkseiten.de

Neben der Möglichkeit, ein Konto bei Facebook in den Gedenkzustand zu versetzen, gibt es auch zahlreiche Anbieter, die eigene dezidierte, Social Media unabhängige, Gedenkseiten anbieten. Gerade in der Corona-Zeit, während der auch das Abhalten von Trauerfeiern und -gottesdiensten nur mit deutlichen Einschränkungen möglich ist, nimmt der Stellenwert solcher modernen Trauerorte zu. Auf diesen Seiten finden sich neben den Lebensdaten des Verstorbenen häufig auch Bilder und eine Möglichkeit für Angehörige, Kommentare zu hinterlassen oder eine virtuelle Kerze zu entzünden. Zu den bekanntesten Anbietern eines solchen Dienstes gehören Gedenkseiten.de, Trauer.de oder strassederbesten.de.