Gerade einmal zwei Jahre benötigte das Unternehmen realme um sich als nennenswerte Größe am Smartphone-Markt zu etablieren. In Indien konnte im vergangenen Quartal sogar der eigene Mutterkonzern - OPPO - bei den Marktanteilen (erneut) überholt werden. Wir präsentieren Ihnen in dieser Beitragsreihe nacheinander die großen neuen Global Player und Herausforderer auf dem Smartphone-Markt. Es folgt, mit realme, der Abschluss unserer Betrachtung des Markenkonglomerats BBK Electronics.

BBK - OPPO - realme

 

realme-CEO Sky Li

Wird von dem „raketenhaften Aufstieg“ des erst zwei Jahre alten Smartphone-Herstellers realme gesprochen, so ist dies, zugegebenermaßen, eine starke Verkürzung. Tatsächlich geht das Unternehmen auf die bereits 2010 am Markt erschienene OPPO-Submarke, OPPO Real, zurück. Acht Jahre später, im Mai 2018, emanzipierte sich dieser Zweig unter Sky Li - Ex-Vizepräsident von OPPO - dann in seiner Firmierung als realme zu einer eigenständigen Gesellschaft. Auf der Rückseite des kurz darauf erschienenen ersten hauseigenen Smartphones, dem realme 1, befand sich aber noch ein letztes Mal neben dem eigenen Schriftzug, auch derjenige des Mutterkonzerns, OPPO. Diese Verwurzelung in OPPO, und somit auch im Konzern BBK Electronics, muss für den raschen Aufstieg der Marke als entscheidend betrachtet werden.

Ressourcen- und Strukturenteilung als Hebel

 

Die Position von realme in den Marktanteilsanalysen des indischen Smartphone-Sektors von Counterpoint Research wirken phantastisch. Im letzten Quartal des Fiskaljahrs 2018, d. h. nur drei Quartale nach Firmengründung, konnte der Hersteller bereits 8% des indischen Marktes für sich beanspruchen. Zeitweise stieg diese Zahl bis auf 16% an - in der Kürze der Zeit ein wahrlich beispielloser Erfolg. Mit 14% Marktanteil war realme im zurückliegenden Quartal sogar 2% stärker als OPPO. Wie ist ein solches Wachstum überhaupt möglich?

 

Zwischen der Gründung der Marke am 4. Mai 2018 und der Veröffentlichung des realme 1 am 16. Mai des gleichen Jahres, lagen gerade einmal 12 Tage. Logistisch und konzeptionell eine Unmöglichkeit für eine klassische Neugründung. Die Abspaltung von OPPO im Jahr 2018 ist folglich als reine Formalität zu begreifen – strukturell profitiert realme weiterhin von seiner Verortung im OPPO-System. Die unternehmenseigenen Infrastrukturen werden - innerhalb von OPPO und auch innerhalb des gesamten BBK-Konzerns - untereinander bereitgestellt.

realme: Das neue Xiaomi?

 

"Realme is an independent company, regarding Research & Development, Marketing, Product Strategy, etc. We are still using the manufacturing plants and some key hardware and software, including several patents, but we are working towards changing that." Sky Li in einem Interview mit GSMARENA, Mai 2019
Xiaomis Submarke Redmi gilt seit 2014, entsprechend ihrer globalen Popularität, als stärkste Budget-Smartphone-Macht. Dies ist vor allem auf die aggressive Preispolitik des Herstellers zurückzuführen, der die etablierten Smartphone-Riesen nur wenig entgegenstellen konnten. Mit zunehmender Marktpräsenz - Xiaomi gilt momentan als drittgrößter Smartphone-Hersteller der Welt - hat man sich jedoch auch bei der Preisgestaltung langsam immer mehr an die Vorgänger angeglichen. Kurzgesagt: Xiaomi-Smartphones werden verhältnismäßig immer teurer.

 

Im Budget-Bereich hat sich in der Folge eine zunehmende Angebotslücke eröffnet, die realme jetzt gezielt für sich beanspruchen möchte. Der Clash um die Low-End-Nachfrager zwischen Xiaomis Redmi und OPPOs realme ist auf dem indischen Markt am deutlichsten spürbar. Es ist ein gegenseitiges Abschauen und Kopieren, das auch häufiger mal in öffentliche Twitter-Fehden zwischen den beiden CEOs kulminiert. Ein Vergleich zwischen dem realme X50 5G und dem Redmi K30 5G lässt gewisse Ähnlichkeiten definitiv nicht verleugnen; auch nicht bei den Modellbezeichnungen.

 

Sie möchten mehr über Xiaomi erfahren?
In einem früheren Beitrag dieser Reihe haben wir bereits einmal einen ausführlichen Blick auf das beliebte Trendunternehmen aus Haidian geworfen.

Neue Modelle wie am Fließband: Are you for real, realme?

 

realme X50 Pro

Mehr als 30 verschiedene neue Smartphone-Modelle innerhalb von 24 Monaten. Zweifellos, realme ist eine produktive Schaffensschmiede. Wie viele dieser Smartphone-Modelle das Unternehmen bis heute insgesamt verkauft hat, lässt sich - aufgrund fehlender Daten - nur erahnen. Im August des vergangenen Jahres gab das Unternehmen aber bekannt, die 10 Millionen Marke geknackt zu haben.

 

Wie bereits erwähnt, orientiert sich der Hersteller bei den Modellbezeichnungen stark am Kollegen Redmi. Neben den Standardmodellen (aktuelles Modell: realme 6) - jeweils meist auch als Pro-Variante verfügbar - gibt es die kostengünstigeren C-Modelle (aktuelles Modell: realme C3) und die Flaggschiffserie mit dem vorangestellten „X“ (aktuelles Modell: realme X50 Pro Player Edition). Hinzu kommt neuerdings auch noch die Narzo-Serie, gedacht als kostengünstige Option für junge Gamer und in der Leistung unter dem Standardmodell angesiedelt.

Außerdem: realmes erweiterte Produktpalette

 

Zum Ende dieses Monates tritt der Hersteller mit der realme Watch nun auch in den Smartwatch-Markt ein. Für 55 Euro gibt es einen 1,4 Zoll Farbdisplay, ein Pulsoximeter und sämtliche klassischen Benachrichtigungsfeatures. Es ist der erste Schritt von realme hin zu einem eigenen IoT-Ökosystem (Internet of Things) gemäß dem Vorbild Xiaomi.

 

Ferner finden sich im Onlineshop auch mehrere eigene Kopfhörer-Modelle - darunter z. B. die kabellosen realme Buds Air Neo -, Powerbanks und ein Smart-TV. Es scheint naheliegend, in den kommenden Jahren mit einer deutlichen Ausweitung dieser Produktpalette rechnen zu können.

 

Bilder: realme