Obacht, Achtsamkeit! Ein emblematisches Trendwort, das die Menschen in Massen zur Meditation führt. Da diese Praxis in der westlichen Welt - trotz des Einflusses der Zen-Bewegungen in den 1970er-Jahren - auch weiterhin noch einiges an Anleitung erfordert, finden sich mittlerweile in allen App Stores unzählige bunte Meditations-Apps. Zum besseren Zurechtfinden in diesem Optionen-Dschungel haben wir für Sie hier einmal die bekanntesten Vertreter persönlich ausgetestet.

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt...

"Nur im ruhigen Teich spiegelt sich das Licht der Sterne." Und so hat Meditation als kulturelle Praxis sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus eine bereits Jahrtausende überdauernde Geschichte. Schon Siddhartha Gautama - als Buddha Begründer der gleichnamigen Religion im 5. Jhd. v. Chr. - wusste um den Nutzen des achtsamen Verharrens in Stille; erlangte hiermit unter dem Bodhi-Baum letztlich sogar die Erleuchtung. Auch im Yoga - dessen Wurzeln sowohl auf den Hinduismus als auch den Buddhismus zurückzuführen sind - spielt Meditation eine entscheidende, Körper und Geist bereinigende, Rolle. Die heute zuvörderst im Westen anzutreffenden Meditationstechniken entstammen aber fast alle dem Zen-Buddhismus, eine Ausprägung dieser Religion, die - in Abgrenzung zur Mahayana- und Hinayana-Tradition - komplett auf einen dogmatischen Unterbau verzichtet.

Wie sich das Meditieren vom "Rumsitzen" unterscheidet

"Mache ich das so richtig?" oder "Das fühlt sich so nicht richtig an." - zwei Sätze, die zum Einstieg in die Meditation genauso dazu gehören, wie das Scheitern am Übereinanderlegen der Beine beim Lotossitz. Vermutlich beweist beides aber auch, dass Sie sich auf dem richtigen Weg befinden.

 

Wie bereits zuvor angedeutet, kommt die Praxis der Achtsamkeit und oder des Meditierens ohne Mystizismus, Esoterik oder eine spezifische Religionszugehörigkeit aus. Es reicht der Wunsch nach Entspannung und einer besseren Konzentrationsfähigkeit. Dan Harris, Autor des Buches "10% Happier" und Urheber der gleichnamigen App, sieht in Meditation eine einfache Möglichkeit, langfristig 10% glücklicher zu werden. Das klingt verlockend. Also, wie geht das?

 

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen aktiven und passiven Meditationstechniken. Exemplarisch beschränken wir uns - aus Gründen des Umfangs - im Folgenden auf Zweitere, genauer: auf Vipassana bzw. Zazen. In einer entspannten, aber aufrechten Sitzposition richtet man den Fokus auf das Ein- und Ausatmen. Erwischt man sich selbst dabei, wie sich die eigenen Gedanken in andere Richtungen verlieren, wird die Konzentration unmittelbar auf die Atmung zurückgeführt. Das klingt einfach, ist aber gerade am Anfang für viele eine doch sehr große Herausforderung. Es empfiehlt sich, diese Übung jeden Tag (zur selben Uhrzeit) - ggf. auch in Begleitung durch eine App - 10 bis 20 Minuten zu wiederholen. Gesprochene Meditationsanweisungen helfen gerade am Anfang dabei, sich "im eigenen Geist zurechtzufinden".

Calm, Headspace oder Waking Up: Welche Meditations-App ist die richtige für mich?

Sam Harris: "Waking Up"

Fast jede der großen Meditations-Apps ist fest mit einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens verknüpft. Sie sind Urheber, Leitfigur und manchmal auch Stimme der Programme. Ein hervorstechendes Beispiel ist die App des Intellectual-Dark-Web-Mitglieds und Neurowissenschaftlers Sam Harris (rechts), Waking Up. Harris steht für eine abgeklärte, stark rationale Perspektive - entsprechend sind auch die Inhalte in Waking Up aufbereitet. Neben den von Harris selbst eingesprochenen Meditationsanweisungen, erhält der Nutzer z. B. auch wissenschaftliche Hintergrundinformation zur neuroplastischen Wirkung von Meditation auf das menschliche Gehirn.

 

 

 

Auf der anderen Seite des Spektrums steht Andy Puddicombe, Gründer von Headspace und ehemaliger buddhistischer Mönch. Zwar kommt auch Headspace ganz ohne die Zitation buddhistischer Sutren aus, sowohl vom Look als auch der inhaltlichen Aufbereitung ist die App aber eher als massentauglicher Ansatz, mit weniger didaktischer Tiefe zu verstehen. Das muss aber durchaus nichts Negatives sein: Das großartige, nur treffend als "knuddelig" zu beschreibende Design und die Bedienfreundlichkeit haben es geschafft, Millionen Menschen zum allerersten Mal zu Achtsamkeitspraktiken zu führen.

 

Hinter Calm stehen die beiden Tech-Entrepreneure Alex Tew & Michael Acton Smith. Das Ziel der einzelnen Lektionen: besserer Schlaf und Entspannung. Folglich erinnert das Programm auch eher an moderne Seminare des autogenen Trainings. Stichwörter wie "Achtsamkeit" oder "Konzentration" findet man nur selten. Betont wird hingegen die Passivität des Nutzers. Es reicht quasi schon ein Tippen auf das App-Symbol, um das psychische Wohlbefinden unmittelbar zu verbessern - auch im Halbschlaf. Zwar bieten die meisten Meditations-App - z. B. auch Headspace - Schlaf- bzw. Einschlafmeditationen an, bei Calm ist das aber kein bloßes Zusatzfeature, sondern das programmatische Fundament.

Stoisch auf den Geldbeutel achten: Die Bezahlmodelle der Meditations-Apps

Es mag kontraintuitiv erscheinen, aber: Der Weg zur mentalen Ausgeglichenheit ist an ein kostenpflichtiges Abomodell geknüpft. Das gilt zumindest für die meisten dieser Angebote im App Store. In der Regel ist es jedoch möglich, vor dem Kauf zunächst einige Lektionen testweise anzuhören. Doch wie viel kostet er denn nun, der Weg zur individuellen Erleuchtung? Sam Harris verlangt für den Waking-Up-Service eine stattliche Jahresgebühr von 99$, abschließbar nur in Form einer sofortigen Einmalzahlung. Anderenfalls stehen einem nur die fünf Beginner-Meditationen zur Verfügung.

 

Calm und Headspace sind da, dank ihres monatlichen Bezahlmodells, deutlich geldbeutelfreundlicher. Nach einer 7-tägigen Testphase werden bei Erstgenanntem monatlich $12,99 (meist als Betrag direkt in Euro umwandelbar) fällig. Für Dauernutzer empfiehlt sich ggf. sogar der Kauf einer lebenslänglichen Lizenz ($299,99).

 

Auch das Monatsabo bei Headspace kostet $12,99. Hier stehen einem aber sogar 14 Tage zum Ausprobieren bereit. Beim Jahresabo für $57,99 spart man - auf den Monat heruntergerechnet - mehr als die Hälfte.

 

Wer auf die umfangreicheren Funktionen verzichten kann, ist möglicherweise aber auch schon mit den kostenfreien Lösungen Smiling Mind oder UCLA Mindful zufrieden. Das Finden eines geeigneten Meditationsbegleiters auf dem Smartphone bleibt letztlich also eine Frage der persönlichen Motivation und der "finanziellen Einsatzbereitschaft". Dessen ungeachtet empfiehlt sich ein reges Ausprobieren der infrage kommenden Programme.

Bilder:

https://wakingup.com/

https://www.headspace.com/de

https://www.calm.com/