Let’s Plays, Musikvideos, Kinderserien – auf YouTube gibt es viele Inhalte, die sich auch Kinder gerne anschauen. Völlig unproblematisch ist das nicht: Eigentlich ist die Video-Plattform nicht für Nutzer unter 13 Jahren gedacht, denn oft sind ungeeignete und verstörende Inhalte nur einen Klick entfernt. Wie aber kann man sein Kind online schützen, ohne gleich den Zugriff auf YouTube komplett zu verbieten? Eine Antwort darauf liefert die speziell für Kinder entwickelte Video-App "YouTube Kids".

Eine Video-Plattform speziell für Kinder

YouTube Kids möchte Kindern eine sichere Online-Plattform bieten, auf der sie lustige Videos anschauen sowie Neues entdecken und lernen können. Die kostenlose App verspricht ein familienfreundliches Angebot, das sich vornehmlich an Kinder im Vor- und Grundschulalter richtet. Beliebte Kindervideos können aus den Themenbereichen „Serien“, „Musik“, „Lernen“ und „Erkunden“ ausgewählt werden, die vorgeschlagenen Inhalte richten sich nach dem Alter Ihres Kindes. Ungeeignete Videos hingegen werden durch eine KI herausgefiltert. Eine kindgerechte Bedienung und Kontrollmöglichkeiten für Eltern runden die App ab. YouTube Kids kann sowohl über den Browser als auch über die App auf dem Smartphone, Tablet und Smart-TV genutzt werden.

So funktioniert die Einrichtung von YouTube Kids

Installieren Sie YouTube Kids über den Google Play Store oder App Store. Starten Sie die Anwendung und befolgen Sie die eingeblendeten Schritte, um ein Profil für Ihr Kind einzurichten. Dazu legen Sie fest, für welche Altersstufe die Videoempfehlungen von YouTube Kids generiert werden sollen. Die Kategorie "Vorschulalter" (bis einschließlich 4 Jahre) umfasst Videos, die das kreative Denken, Lernen und Erkunden auf spielerische Art fördern. Die Altersstufe "Jünger" ermöglicht Kindern zwischen 5 und 7 Jahren, Interessen auf eigene Faust zu erkunden, und bietet eine Auswahl an Liedern, Cartoons und Bastelvideos. Im Modus "Älter" können Kinder ab 8 Jahren nach zusätzlichen Inhalten wie altersgerechten Musikvideos und Videospielen suchen. Alternativ können Sie die Option "Nur genehmigte Inhalte" auswählen, sodass Ihr Kind nur noch Videos aufrufen kann, die Sie freigegeben haben. Die Suchfunktion ist in diesem Fall deaktiviert. Sie können den Modus jederzeit in den App-Einstellungen ändern.

 

Nutzen mehrere Kinder im Haushalt die App, können Sie für jedes Kind ein separates Profil mit individuellen Einstellungen und Empfehlungen einrichten. Bis zu acht Profile lassen sich so maximal anlegen. Sie sind auf allen Endgeräten verfügbar, auf denen YouTube Kids installiert und ein Elternteil angemeldet ist.

Wie werden Videos auf YouTube Kids ausgewählt?

Wenn Sie die Suchfunktion aktiviert haben, kann Ihr Kind auf sämtliche Videos im Angebot von YouTube Kids zugreifen und diese abspielen. Die Suchergebnisse basieren auf einem Algorithmus, der geeignete Vorschläge ausgibt. Allerdings werden diese Empfehlungen nicht manuell auf Ihre Kindertauglichkeit geprüft. So kann man über die Suchfunktion auch schnell unangemessene Inhalte aufstöbern. Besser ist es daher, die Suchfunktion in den Jugendschutzeinstellungen zu deaktivieren und somit den Zugriff auf problematische Videos einzuschränken. Daraufhin erhält Ihr Kind nur Zugriff auf Kanäle und Inhalte, die von der App geprüft werden.

 

Doch selbst bei deaktivierter Suche kann nie ganz ausgeschlossen werden, dass Ihr Kind auf ungeeignete Inhalte stößt. Zwar sollen nicht kindgerechte Videos auf YouTube Kids automatisch herausgefiltert werden, die mangelnde Zuverlässigkeit der KI wurde aber schon häufig kritisiert. Nutzer sollen daher direkt Rückmeldung geben und problematische Inhalte melden. Der Anbieter verspricht, die gemeldeten Videos zügig einer manuellen Überprüfung zu unterziehen und bei Bedarf zu löschen.

Weitere Jugendschutzeinstellungen für mehr Sicherheit

YouTube Kids bietet mehrere Optionen, mit denen Sie den Funktionsumfang der App individuell an Ihr Kind anpassen können. Die Jugendschutzeinstellungen rufen Sie über das Schloss-Symbol in der unteren Ecke der App auf. Sie müssen dann eine Rechenaufgabe lösen bzw. die ausgeschriebenen Zahlen eingeben, um in das Untermenü zu gelangen. Später können Sie auch ein benutzerdefiniertes Passwort festlegen.

 

Sie haben nun verschiedene Einstellungsmöglichkeiten:

  • die Nutzungsdauer begrenzen
  • einzelne Videos oder ganze Kanäle blockieren
  • eine Altersstufe festlegen (Vorschule, Jünger, Älter)
  • den Modus "Nur genehmigte Inhalte" (de)aktivieren
  • die Suchfunktion (de)aktivieren
  • den Wiedergabe- und Suchverlauf pausieren oder löschen

Sie können die Jugendschutzeinstellungen jederzeit ändern und an die Bedürfnisse Ihres Kindes anpassen.

Keine werbefreie Zone

Die kostenlose App finanziert sich durch bezahlte Anzeigen, die strengen Richtlinien unterworfen sind. So darf keine Werbung für Getränke und Nahrungsmittel, Beauty- und Fitnessprodukte, Inhalte mit Altersbeschränkung sowie für politische oder religiöse Interessen eingespielt werden. Auch Links in den Anzeigen sind untersagt, sodass der Nachwuchs nicht auf externe Webseiten weitergeleitet wird. Trotz der Regulierung sehen viele Medienpädagogen das hohe Werbeaufkommen auf YouTube Kids jedoch kritisch. Gerade jüngere Kinder seien noch damit überfordert, Werbung von den eigentlichen Videoinhalten zu unterscheiden, denn alles erscheint im Sog gleich wichtig. Hinzu kommt, dass auch jede Menge Werbung im Content von privaten Nutzern stecken kann. Diese ist unbezahlt und ist daher nicht den Werberichtlinien von YouTube Kids unterworfen. So kann es dann doch passieren, dass in einem augenscheinlich kindgerechten Video nicht jugendfreie Inhalte beworben werden.

 

Tipp: Mit einer kostenpflichtigen YouTube Premium-Mitgliedschaft können Sie YouTube Kids ohne Werbeeinblendungen nutzen. Das Problem der unbezahlten Werbung in Privatvideos bleibt allerdings bestehen.

YouTube Kids: Unser Fazit

Gegenüber dem „regulären“ YouTube ist YouTube Kids sicher die besser geeignete App für Kinder. Die Nutzung gestaltet sich einfach und dank der deaktivierbaren Suchfunktion bietet die App mehr Sicherheit. Dennoch bietet YouTube Kids ist bei Weitem keinen vollkommen geschützten Raum im Internet. Dass ungeeignete Inhalte angezeigt werden, ist nicht ausgeschlossen – darauf weist die App sogar selbst hin. Lassen Sie daher Ihren Nachwuchs nicht allein mit der App und greifen Sie in beängstigenden Situationen ein. Noch besser ist es, Sie nutzen YouTube Kids gemeinsam mit Ihrem Kind. Vor allem die Jüngeren sind auf Ihre Unterstützung angewiesen, um das Gesehene zu verarbeiten. Schauen Sie also die Videos gemeinsam mit Ihrem Kind an und suchen Sie das Gespräch. Denn auch wenn YouTube Kids es Ihnen als Elternteil leichter machen möchte - aus der Verantwortung entlässt Sie die App nicht.