Das Wort "Vivo" entstammt der Weltsprache Esperanto und bedeutet "Leben". Nach OPPO und OnePlus folgt nun also das nächste Mitglied des chinesischen BBK Konzerns. In dieser Beitragsreihe präsentieren wir Ihnen nacheinander die großen neuen Global Player und Herausforderer auf dem Smartphone-Markt. Was steht hinter der beliebten Marke, die vor allem wegen ihrer aufwendigen Sponsoring-Aktionen immer wieder im Gespräch ist?

"Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte.“

Vivo ist - nach OPPO - die zweitälteste Marke im BBK Konglomerat. Gegründet im Jahr 2009 im chinesischen Dongguan, beschäftigt das Unternehmen mittlerweile bereits über 1600 Mitarbeiter. Mit einem globalen Marktanteil von 8% positioniert sich Vivo am Smartphone-Markt seit 2019 direkt neben dem älteren Bruder OPPO. Ja, es lässt sich kaum leugnen: BBK Electronics ist eine dominierende Marktkraft. Eine Kraft, die sich bei Vivo stärker erkennen lässt als bei den anderen Tochterfirmen. Der Unternehmensgründer und CEO Shen Wei agiert vergleichsweise zurückhaltend. Häufiger steht so der übergeordnete Konzernleiter, Duan Yongping, im Fokus der internationalen Berichterstattung.

 

Neben den beiden Produktionsstätten in China – Chongqing und Dongguan - betreibt der Hersteller auch jeweils ein Werk in Indonesien und Indien. Hinzu kommen sechs Forschungszentren, von denen sich eines sogar in den USA, nämlich in San Francisco, befindet. Laut eigenen Angaben konnte das Unternehmen auf diese Weise bereits 200 Millionen Smartphones an den Mann/die Frau bringen.

 

Seit 2014 ist Vivo international ausgerichtet. Als Startschuss gilt die Expansion in den thailändischen Markt, gefolgt u. a. von Ländern wie Russland, Nepal und Vietnam. In Europa ist die Marke noch recht unbekannt, obgleich man letztes Jahr nun auch eine Filiale in Düsseldorf - in den vergangenen Artikeln hatten wir ja bereits über die dortigen Niederlassungen von OPPO und OnePlus gesprochen - aufgebaut hat. Es darf also in den kommenden Jahren mit einer deutlichen stärkeren Markenpräsenz, auch hier in Deutschland, gerechnet werden.

 

Verwirrend für Brasilianer: Das größte inländische Telekommunikationsunternehmen - ein Mitglied der Telefónica-Gruppe - trägt denselben Namen.

Vivos Neunzehnzylinder: Das V19

In den letzten 11 Jahren haben sich bei Vivo zwei zentrale Modellreihen herauskristallisiert - die geldbeutelschonende Y-Serie und die leistungsfähige V-Serie. Auf das V17, respektive V17 Pro, folgte im April dieses Jahres die Ankündigung des neuen Flaggschiffs, das Vivo V19. Unter der Haube des mit einem 6,44 Zoll AMOLED-Display ausgestatten Powerhouse soll ein Snapdragon 712 mit kombinierten 2x2.3 GHz (Kyro 360 Gold) und 6x1,7 GHz (Kyro 360 Silver) stecken. Die Vierfach-Kamera schafft, je nach ausgewähltem Objektiv, Auflösungen bis zu 48 MP. Erscheinen soll das V19 noch in diesem Monat.

 

Das Y50 soll hingegen erst im Juni auf dem Markt verfügbar sein und wird ungefähr ein Drittel weniger kosten. Am gravierendsten schlägt hier das Downgrade der Kamera zu Buche. Ab 13 MP ist Schluss. Bei der restlichen Performance manifestiert sich das Gefälle allerdings weniger drastisch. Auch dem Vivo Y50 stehen 8 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung (es wird wohl ebenso eine abgespeckte 6GB-Variante geben), obgleich nur ein Snapdragon 665 verbaut ist. Beide Geräte sind von Haus aus mit JoviOS (früher Funtouch OS) ausgestattet, Vivos eigenem Betriebssystem. Das Design erinnert nicht ganz zufällig an Apples iOS.

 

Gamer aufgepasst
Vivo führt auch eine eigene Gaming-Smartphone-Serie. Wir hatten Ihnen hier bereits einmal das Vivo IQOO Neo 855 vorgestellt.

Vivo beendet Marvels Civil War

Es ist das Jahr 2016. Tony Stark alias Iron Man führt einen erbitterten Kampf gegen Steve Rogers alias Captain America. Für jeden der Avengers gilt es, sich für eine der beiden Seiten zu entscheiden. Jetzt eint sie nur noch ihr Smartphone-Geschmack. Im Comic-Blockbuster Capatin America: Civil War (USA 2016) der Marvel Studios nutzen alle Protagonisten das gleiche Smartphone von Vivo - das Vivo V3. Dass es sich hierbei um keinen Zufall handelt, ist jedem bewusst, der zuvor bereits einmal in Kontakt mit den aggressiven Marketing-Strategien des chinesischen Unternehmens gekommen ist.

 

Die Liste der Sponsorings ist beeindruckend lang: Indian Premier League, NBA (China), Pro Kabaddi League etc. Besonders hervorzuheben ist allerdings die Partnerschaft mit der FIFA. So konnte sich Vivo den Titel als offizielle Marke der Weltmeisterschaft 2018 sichern; ein Agreement, das für die bevorstehenden Meisterschaften im Jahr 2022 bereits erneuert wurde.

 

Doch damit nicht genug: Auch bei der PUBG MOBILE Club Open SEA League 2019 war der Hersteller Hauptsponsor.

Mit Konzeptphones bändigt Vivo die Innovation

Vivo versteht sich selbst als Avantgarde der Smartphone-Entwicklung. Der impertinente Beweis: Futuristische Konzept-Smartphones, die zeigen, was das Unternehmen bereits zu leisten vermögen ist. Doch ist das Ganze mehr als bloße fantastische Zukunftsprojektion. So wanderten z. B. aus dem Vivo Nex bereits einige innovative Features später auch in die frei verfügbaren Marktmodelle. Mit dem Apex legt das Unternehmen jetzt nochmal eine Schippe nach.

 

Gimbal-Hersteller hassen diesen Trick: Das Vivo Apex verfügt über einen integrierten mechanischen (!) Bildstabilisator. Egal in welche Richtung Sie das Gerät neigen, die Kamera bleibt horizontal und vertikal austariert. Das reduziert Wackler und beugt vor allem bei Aufnahmen mit längerer Belichtungszeit (z. B. Nachtaufnahmen) unscharfen Ergebnissen vor. In Kombination mit dem 5- bis 7,5-fachen optischen Zoom ist das schon eine Hausnummer. Zudem verzichtet das Apex komplett auf jegliche externen Anschlussmöglichkeiten.

 

Ob sich drahtlose Ladefunktionen aber tatsächlich alternativlos durchsetzen können werden, bleibt, angesichts der schlechten Energieeffizienz abzuwarten. Neben der Ladedauer dürfte hier auch das ökologische Bewusstsein der Zielgruppen zu einem entscheidenden Nachfragefaktor werden.

 

Bilder: Vivo