Auf dem Arbeitsweg nochmal die Präsentation für das bevorstehende Meeting am Vormittag durchgehen oder den Haushaltsplan für den aktuellen Monat korrigieren – dank Office-Apps weiß jedes Smartphone heute auch mit .doc-, .ppt- und .xls-Dateien umzugehen. Als Fortsetzung unseres vorangegangenen Artikels dieser Reihe zum Thema Photoshop Apps, haben wir uns nun auch die Hosentaschen-Fassungen der Microsoft-Office-Anwendungen angeschaut.

Gruß aus der Vergangenheit: Brandnarben auf den Oberschenkeln

Sie sind aus den deutschen ICEs komplett verschwunden. Eng hinter dem Sitz ihres Vordermannes gestaucht, balancierten viele unbeholfen ihre ThinkPads auf dem Schoß. Spätestens mit Auftauchen der ersten Tablets hatte dann ihre Stunde ein für alle Mal geschlagen haben: Klobige Laptops sind in der Bahn seltener zu sehen als Smartphones oder Phablets: Inkognito hinter taschenspiegelgroßen Displays geht man heutzutage unbemerkt die Unternehmenszahlen durch, korrigiert Tabellen und Sitzungsprotokolle. Aber ist das überhaupt praktisch?

Game of Phones: Microsoft Office Mobile kämpft um die nomadischen Büroarbeiter

Die Geschichte der Microsoft-Office-Portierungen für mobile Geräte reicht bis in das Jahr 2000 zurück. Mit Pocket PC 2000 brachte das Unternehmen ein für Pocket PCs und PDAs bestimmtes Betriebssystem auf Basis von Windows CE heraus. Von Haus aus vorinstalliert: Pocket Office.

 

Auf Desktop-PCs ist Microsofts Allround-Lösung turmhoher Marktführer und neben OpenOffice.org und LibreOffice – zusammengerechnet nehmen beide nicht einmal 25% des Marktvolumens ein – praktisch ohne jegliche Konkurrenz.

 

Ein wenig anders stellt sich die Situation nun aber auf dem Smartphone dar: Microsoft Office Mobile (seit 2005 die offizielle Bezeichnung der Software-Kompilation) ringt mit MobiSystems OfficeSuite Pro, Kingsofts WPS Office und Infrawares Polaris Office um die Downloads der Daumentipper.

 

Das Problem des Software-Riesens: Der routinierte Office-Nutzer sieht hier nur das, was der Smartphone-Ableger im Vergleich zum großen Vorbild nicht kann. Eine originär für Android oder iOS entwickelte Suite hingegen muss sich keiner solchen Gegenüberstellung konfrontiert sehen und kann sich auch konzeptionell freier an den spezifischen mobilen Nutzungsbedingungen der Geräte orientieren.

Microsoft Office vs. Microsoft Office Mobile

Word, Excel, PowerPoint und OneNote stehen sowohl im App Store von Apple als auch im Google Play Store für jedermann zum freien Download bereit. Auch der Mail-Client Outlook kommt in einer mobilen Version daher. Nutzer des Datenbankmanagementsystem Access und des Desktop-Publishing-Programms Publisher müssen sich aber weiter mit den klassischen Desktop-Lösung begnügen – hier bietet Microsoft (noch) keine Smartphone-Alternativen an.

 

Grundsätzlich sind der Download und die Nutzung aller mobilen Microsoft-Office-Anwendung erstmal kostenfrei möglich. Möchte man jedoch Dokumente geräteübergreifend in der Cloud sichern, wird das Abschließen eines Abonnements oder der Kauf einer Lizenz für das komplette Microsoft-Office-Paket - durch eine substanziell höhere Einmalzahlung - notwendig.

 

War es zunächst noch immer erforderlich, alle Anwendungen einzeln im App Store herunterzuladen, bietet Microsoft jetzt seit Februar diesen Jahres Microsoft Office auch auf dem Smartphone in einer Suite als Einmaldownload an. Die neue Gestalt kommt bei den Nutzern gut an.

All-in-One: Microsoft Office jetzt auch unterwegs ohne Abstriche?

Schon die alten Pythagoreer wussten zu berichten: Je kürzer die zur Verfügung stehende Bildschirmdiagonale, desto beschwerlicher jeglicher zu verrichtender Arbeitsprozess. Während also der Vergleich oder Wechsel zwischen einem Desktop-Monitor und einem Tablet noch ohne größere Abstriche möglich sein dürfte, sieht das beim Wechsel auf das Smartphone schon wieder deutlich anders aus. Ein Umstand, den auch jede weitere neue Iteration, ganz gleich wie fortschrittlich, nicht beheben können wird.

 

Im Klartext bedeutet das: Werkzeugleisten werden nur stark verkürzt dargestellt, bei Ansicht im Drucklayout ist der Text nicht mehr lesbar und das Setzen des Cursors im Fließtext wird zur immer wiederkehrenden Geduldsprobe. Ja, sogar die Tippgenauigkeit und -geschwindigkeit hängt hier letztlich von der individuellen Fingerkuppengröße ab. Ein heftiges Duell zwischen Mobilität und Komfort.

 

 

Die Einzel-Apps fühlen sich - sie sind auch weiterhin noch in den App Stores gelistet - vom "Look and Feel" wie stark eingeschränkte Lite-Versionen an. Da wirkt die neue Kommandozentrale schon deutlich vollwertiger. Der größte Clou: Auch alle Funktionen der beliebten Foto-Scan-App Microsoft Lens sind integriert. So lassen sich jetzt z. B. ausgedruckte Tabellen scannen und direkt in ein Excel-Dokumente umwandeln. Die Fehlerquote ist dabei überzeugend niedrig; gleiches gilt auch für das Umwandeln von Textaufnahmen in Word.

 

Wer sich also mit dem Fakt arrangieren kann, dass die Mobilität auf Kosten der Produktivität erreicht wird, wird mit Microsofts neuer All-in-One-Lösung durchaus zufrieden sein. Denn sowohl beim Design als auch den mobilen Zusatzfunktionen hat sich einiges getan.