Das neue Samsung Galaxy S20 Ultra legt seinen Fokus besonders auf die neue Quad-Kamera, die über einen hochauflösenden Hauptsensor mit 108 Megapixeln verfügt. Allerdings stellt sich die Frage, ob eine höhere Auflösung gleichzeitig auch für bessere Fotos sorgt? Wir haben uns die insgesamt fünf Kamera-Sensoren im Galaxy S20 Ultra näher angesehen und im Alltag getestet.

Marcel Schreiter
MarcelSchreiter
Marcel ist Gründer von Allround-PC.com und als Redakteur für das 1&1 Magazin tätig.
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Grundlegend: die wichtigsten Features des Galaxy S20 Ultra

Samsung stattet seine neuen Flaggschiff-Smartphones mit der aktuellsten Technik aus. So ist das Top-Modell der Reihe mit einem 6,9 Zoll großes Dynamic AMOLED Display mit einer WQHD+ Auflösung von 3.200 x 1.440 Pixel und einer erhöhten Bildwiederholfrequenz von 120 Hz ausgestattet. Im Inneren sitzt ein Exynos 990 Prozessor mit acht Kernen sowie, je nach Konfiguration, bis zu 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und bis zu 512 GB internem Speicher.

 

Der Akku misst satte 5.000 mAh und kann mit bis zu 45 Watt schnell wieder aufgeladen werden, auch Wireless Fast Charging ist wieder mit an Bord. Darüber hinaus bietet das Galaxy S20 Ultra einen Ultrasonic-Fingerabdrucksensor unter dem Display, eine IP68-Zertifizierung zum Schutz vor Wasser und Staub, sowie NFC, Bluetooth 5.0 und ein 5G-Modem.

 

Tipp
Damit beim Wechsel auf ein neues S20 Gerät keine Daten verloren gehen, haben wir für Sie zusammengefasst, wie Sie die SIM-Karte richtig einlegen, alle Daten einfach auf Ihr neues S20 übertragen können und wie die weitere Einrichtung des Galaxy S20 funktioniert.

Kamera: welche Sensoren verbaut Samsung?

Das Quad-Setup nutzt einen großen 1/1,33“ Hauptsensor mit einer Auflösung von 108 Megapixeln und einer Blende von f/1.8. Dazu gibt es einen Ultraweitwinkel-Sensor mit 12 Megapixel (f/2.2 Blende) und 120° Sichtfeld sowie einen Telephoto-Sensor mit 48 Megapixel (f/3.5 Blende), 90° Periskop-Linse und „Space Zoom“. Vollendet wird die Quad-Kamera von einem „DepthVision“-Sensor, der Tiefeninformationen für Portraitaufnahmen sammelt. Auf der Front, versteckt im zentrierten „Punch Hole“, sitzt ein 40 Megapixel Sensor (f/2.2 Blende) für Selfies.

 

Neben einer optischen Bildstabilisierung für den Hauptsensor und die Zoom-Kamera gibt es noch einen PDAF („Phase Detection Autofocus“) sowie einen Laser-Autofokus. Auch ein LED-Blitz ist natürlich mit dabei, zudem hat Samsung ein kleines Mikrofon zwischen den Sensoren platziert.

Software: die Kamera-App und ihre Features

Neben einer leistungsfähigen Hardware braucht es auch eine darauf angepasste Software, die mit den verschiedenen Sensoren umgehen kann und für gelungene Fotos sorgt. Samsung hat dahingehend die Kamera-Oberfläche weiter vereinfacht und ein schlichtes, übersichtliches Design entworfen.

 

Standardmäßig werden Fotos im Automatik-Modus geknipst, der ganz klassisch „Foto“ heißt. Darüber hinaus gibt es noch einen Video-Modus sowie den Pro-Modus für Kamera-Enthusiasten. Bei schlechten Lichtbedingungen empfiehlt sich der Nacht-Modus, der die Sensoren für einige Sekunden belichten lässt und somit hellere Bilder erzeugen kann. Für Portraitaufnahmen steht der Modus „Live-Fokus“ zur Verfügung, der über das natürliche „Bokeh“ noch einen Tiefenunschärfe-Effekt legt.

 

Als Neuheit für die Galaxy S20-Serie gibt es noch „Single Take“, dieser Modus nimmt 3-10 Sekunden alles auf und kreiert anschließend mit Hilfe von künstlicher Intelligenz mehrere Formate, Ausschnitte oder kreative Videos. Darüber hinaus gibt es unter „Mehr“ natürlich noch weitere Möglichkeiten, beispielsweise das Panorama oder den Zeitraffer „Hyperlapse“.

Die entscheidende Frage: kann die Kamera im Galaxy S20 Ultra überzeugen?

Die Quad-Kamera macht insgesamt einen guten Eindruck und kann besonders mit detailreichen, farblich knackigen Fotos punkten. Auch die Bilddynamik über HDR+ zeigt sich von einer positiven Seite, vor allem bei Landschaftsaufnahmen oder Portraits mit Gegenlicht zeigen sich mehr Details. Allerdings gibt es noch einige Aspekte, die auch verbessert werden könnten.

Nahaufnahmen

Der Hauptsensor bietet eine hohe Auflösung und nutzt ein 9-zu-1 Pixel-Binning. Im Ergebnis werden Fotos mit 12 Megapixel erstellt. Dadurch steigt die Pixelgröße, womit die Kamera neben mehr Licht auch mehr Details einfangen kann. Allerdings zeigt sich besonders bei Nahaufnahmen ein zu kurzer Schärfebereich. Beispielsweise bei Fotos mit Essen ist nicht der komplette Vordergrund scharfgestellt, wodurch Inhalte unnötig verloren gehen.

Nachtmodus

Nachtmodus ohne Stativ

Nachtmodus mit Stativ

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch den Nachtmodus kann das Galaxy S20 Ultra für helle und scharfe Fotos bei Nacht sorgen. Der Modus klappt schon aus der Hand sehr gut, wird aber auf einem Stativ bzw. festen Untergrund nochmal stärker. Er belichtet die Szenerie bzw. das Objekt für mehrere Sekunden und fängt so möglichst viele Details ein. In Hinblick auf den Weißabgleich zeigt das Galaxy S20 Ultra noch kleinere Schwächen, da Bilder gerne etwas zu gelblich/warm werden – doch das lässt sich sicherlich nachträglich durch ein Software-Update beheben.

Space Zoom

Deutlich spannender ist die neue Zoom-Kamera, die ähnlich zum Huawei P30 Pro auf eine Periskop-Linse setzt. Das Licht wird dabei um 90 Grad gedreht, was eine höhere, optische Vergrößerung ermöglicht. Der sogenannte „Space Zoom“ kann 10-fach hybrid und maximal 100-fach digital vergrößern. Hybrid bedeutet in der Hinsicht, dass das Galaxy S20 Ultra den ungefähr 4-fach optischen Zoom und die hohe Auflösung des Sensors kombiniert.

 

5x Zoom

10x Zoom

 

 

 

 

 

 

 

 

30x Zoom

100x Zoom

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besonders Fotos mit 10-facher Vergrößerung können sich sehen lassen, auch ein 30-facher Zoom ist noch sehr brauchbar. Die volle, digitale 100x-Vergrößerung ist jedoch nur sehr selten wirklich verwertbar. Ein großes Lob gibt es allerdings für den „Viewfinder“, der ab 20-fachem Zoom eingeblendet wird und anzeigt, wo sich der vergrößerte Bereich aktuell im „nicht vergrößerten“ Bild befindet.

Ultraweitwinkel

Die Ultraweitwinkel-Kamera knipst ebenfalls gute Fotos, besonders das erhöhte Sichtfeld von 120° sorgt für teils spektakuläre Aufnahmen. Allerdings kommt es hier manchmal zu Fokus-Problemen aufgrund eines fehlenden Autofokus. Spätestens hier sollte das „Ultra“-Modell diesbezüglich auch die bestmögliche Hardware besitzen.

 

Ultraweitwinkel

Ultraweitwinkel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Darüber hinaus wird der Ultraweitwinkel-Sensor für den „SuperSteady“-Videomodus genutzt. Dabei wird das Bild leicht zugeschnitten und anschließend über eine Software stabilisiert. Auch der „normale“ Video-Modus kann (in 4K UHD, 60 fps) mit einer guten Bildqualität und ruhigen Stabilisierung punkten. Helligkeit, Bilddynamik und Farbgebung stimmen hier ebenfalls. Sehr beeindruckend klingt die Aufnahme von Videos in 8K bei 30 Bildern pro Sekunde, doch dazu braucht die Kamera wirklich viel Licht – sonst gibt es unschönes Rauschen und einen wackeligen „Shutter“-Effekt durch eine zu lange Verschlusszeit.

Potraitaufnahmen

Portraitaufnahmen wirken sowohl mit der Selfie-Kamera als auch der Quad-Kamera auf der Rückseite qualitativ sehr gut. Die softwareseitige Erkennung zwischen scharfem Vordergrund und unscharfem Hintergrund ist nicht vollständig sauber, aber auf einem hochwertigen Niveau. Die Frontkamera sorgt insgesamt für ordentliche Ergebnisse, sehr praktisch ist hierbei die automatische Erkennung von „Groupies“, also einem Selfie mit mehreren Personen. Dann vergrößert die Frontkamera automatisch das Sichtfeld und gibt mehr Platz frei.

 

Selfie Groupie-Modus Wide

Selfie im Portraitmodus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit zum Galaxy S20 Ultra - das „ultimative“ Kamera-Smartphone?

Die Kamera im Galaxy S20 Ultra hinterlässt insgesamt einen positiven Eindruck. Einerseits hat Samsung klar versucht, sowohl hardware- als auch softwareseitig deutlich aufzurüsten. Besonders der 108 Megapixel Hauptsensor und die neue Periskop-Technik für den stärkeren Zoom können beeindrucken. Am Ende sorgen Kleinigkeiten für Kritik, darunter beispielsweise der zu kleine Schärfebereich bei Nahaufnahmen sowie der leicht warme Weißabgleich (besonders bei Nachtaufnahmen). Auch in punkto Autofokus, besonders bei der Ultraweitwinkel-Kamera, gibt es noch Luft nach oben.

 

Samsung wird das Galaxy S20 Ultra und die Kamera in den nächsten Wochen und Monaten weiter verbessern. Das Smartphone macht „out of the pocket”, also direkt aus der Hosentasche heraus, sehr gelungene Fotos mit einem hohen Detailgrad, sehr knackigen Farben und einer guten Dynamik.