Es scheint selbstverständlich, dass beim Wechsel vom Desktop-PC auf das Smartphone Leistungs- und Funktionseinschränkungen hingenommen werden müssen. Nichtsdestotrotz findet sich zu fast jedem Software-Klassiker eine gleichnamige App, die verspricht, einen ähnlichen Funktionsumfang wie der große Bruder/die große Schwester vorweisen zu können. Aber stimmt das auch? Wir haben uns einmal die Hosentaschen-Fassungen von Adobes Photoshop angeschaut und die Probe aufs Exempel gemacht.

The future is now

SmartwatchTechnikbegeisterte Trendsurfer der 80er-Jahre waren sich sicher: Digitale Armbanduhren mit integriertem Taschenrechner würden das klobige Büro-Äquivalent bald komplett obsolet machen. Der moderne Buchhalter kann im Zug oder dem Kaffee jetzt gleichermaßen effektiv arbeiten, so dachte man. Aus der Casio CA-53W-1 sind nun, über den Zwischenschritt des Laptops, Smartwatches, Smartphones und Tablets geworden. Ist damit nun tatsächlich das Zeitalter des mobilen Büroangestellten, d. h. des bürolosen Mobilarbeiters gekommen? Wie gut lässt es sich wirklich auf dem Smartphone, der Smartwatch oder dem Tablet arbeiten? Und was können die mobilen Versionen unverzichtbarer Software-Standardlösungen tatsächlich? Wir haben die Lupe in die Hand genommen und möchten in dieser Beitragsreihe nach entsprechenden Antworten suchen.

Mix, Fix, Sketch oder Express - Die vielen App-Gesichter von Adobe Photoshop

Wenn im alltäglichen Sprachgebrauch aus der "Bildbearbeitung" das "Photoshoppen" wird, lässt dies durchaus die Bedeutung des zugrundeliegenden Softwareproduktes erahnen. Entsprechend wird wohl kaum einer bestreiten: Adobe Photoshop ist die Standard-Softwarelösung zur Bildbearbeitung auf Desktop-PCs oder Laptops. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um den privaten oder professionellen Gebrauch geht. Im proprietären Bereich gibt es praktisch keine Alternative. Aber gilt das gleichermaßen auch für die Smartphone-und Tablet-Welt?

Für den Alltagsgebrauch völlig ausreichend: Photoshop Express

Auf dem Smartphone kommt Adobes Photoshop in verschiedenen Gestalten daher; jede einzelne spezialisiert für ein eng definiertes Anwendungsgebiet.

 

Die gratis Rundum-Lösung für Einsteiger heißt Photoshop Express und ermöglicht neben Farb- und Helligkeitsanpassung z. B. auch das Hinzufügen von Filtern und Beschriftungen oder das Anpassen des Bildausschnitts. Die Anzahl der bereits vorhandenen Formatvorlagen ist groß und dürfte für den privaten Alltagsgebrauch keine Wünsche offenen lassen.

Photoshop Mix

Möchten Sie hingegen mehrere Bilder - z. B. als Collage oder Doppelbelichtung - miteinander kombinieren, so sollte Ihre Wahl auf Photoshop Mix fallen. Bei der Fotomontage kann sogar, wie beim klassischen Vorbild, mit Ebenen und Masken gearbeitet werden.

 

Und auch die beliebte Funktion der inhaltsbasierten Füllung, die z. B. das Entfernen störender Objekte im Bildhintergrund ermöglicht, erlebt in dieser App ein Comeback.

Mit Photoshop Sketch bald schon im Louvre?

Zugegeben: Nicht jeder Smartphone-Besitzer hat das Zeug zum Picasso. Das Werk"zeug" steht mit Photoshop Sketch aber tatsächlich jedem zur Verfügung. Entscheidend ist hier jedoch die Größe des zur Verfügung stehenden Displays. Kleinere, simple Zeichungen sind wohl auch auf normalen Smartphones möglich, wer mit Photoshop Sketch aber wirklich sinnvoll arbeiten möchte, der wird auf ein Tablet zurückgreifen müssen. Die Werkzeugleisten an den Seitenrändern verdecken bei ersterem bereits einen großen Anteil der Arbeitsfläche und lassen kaum Platz für den Zeichenfinger/Touchpen.

 

Standardmäßig stehen nur fünf verschiedene Pinsel (sechs, wenn man den Radiergummi mitzählt) zur Auswahl bereit. Es lassen sich aber - wie bei Photoshop üblich - zusätzliche Pinselvorlagen herunterladen.

Makellose Schönheit durch den virtuellen Abdeckstift: Photoshop Fix

Es ist das offene Geheimniss der Stars und Sternchen: Mit Photoshop lässt sich jeder noch so kleine Makel wegretuschieren. Doch auch wenn man sich von diesem - häufig übertriebenen - Perfektionsstreben fernhalten möchte und einen größeren Wert auf natürliche Schönheit legt, findet man doch vielleicht hin und wieder auf dem ein oder anderen Selfie einen Pickel, der da nicht unbedingt sein müsste. Möglicherweise haben Sie beim Aufnehmen des Fotos aber auch einfach nur ein Haar auf der Linse übersehen oder es plagt Sie die Frage, wie Sie wohl mit giftgrünem Haar aussehen würden. Ja, in all diesen Fällen könnte Photoshop Fix eine Hilfe sein.

 

Beeindruckend effizient lassen sich mit dieser App Gesichtsformen anpassen, Augen vergrößern oder verkleinern, Leberflecke entfernen und sogar die ungewollte Schameserrötung von den Wangen verwischen.

Brauche ich wirklich alle Apps?

Bildbearbeitung "on the go" ist heute eine Selbstverständlichkeit. Entsprechende Apps müssen leicht und schnell zu bedienen sein. Häufig folgt später nämlich noch ein weiterer finaler Nachbearbeitungsschritt am heimischen Computer. Daran wird sich auch weiterhin - zumindest bei aufwendigeren Projekten - vermutlich nichts ändern. Dies liegt vor allem an den deutlichen kleineren Displaygrößen von Smartphones und Tablets, aber auch an der für eine Feinabstimmung eher ungeeigneten Bedienung via Touch.

 

Doch welche Photoshop Apps soll ich mir denn nun - als Ergänzung oder Einzellösung - auf meinem Smartphone installieren? Möchten Sie einen vergleichbaren Funktionsumfang wie mit der Desktop-Lösung und Sie stören sich nicht an den vielen Redundanzen, dann kann es durchaus Sinn machen, alle vier Apps zu installieren. Das "Aufsplitten" in Spezialisierungen macht das Arbeiten mit den einzelnen Apps deutlich effizienter - insbesondere das Retuschieren mit Photoshop Fix geht auch wirklich "fix" von der Hand. Sollten Sie aber nur ab und zu mal ein Foto nachbearbeiten, so dürfte es reichen, wenn Sie sich einzig Photoshop Express installieren.

 

Photoshop Sketch hingegen ist auf dem Smartphone von nur sehr geringem Nutzen und sollte doch eher von Tablet-Usern verwendet werden.