Vergangenen Monat hatten wir Ihnen mit OPPO bereits ein erstes Mitglied des chinesischen BBK Konzerns vorgestellt. Da liegt es nahe, nun mit der Tochtergesellschaft, OnePlus, anzuknüpfen. In unserer monatlich erscheinenden Beitragsreihe präsentieren wir Ihnen nacheinander die großen neuen Global Player und Herausforderer auf dem Smartphone-Markt. Wird OnePlus, dessen aktuelles Smartphone-Modell bei den GSMA Awards als bestes Smartphone 2019 ausgezeichnet wurde, jetzt häufiger OPPO die Schau stehlen können?

OnePlus als Submarke von OPPO

OnePlus wurde im Dezember 2013 vom ehemaligen OPPO-Vizepräsident Pete Lau und dem Programmierer Carl Pei gegründet. Obwohl Lau immer wieder bestritten hat, dass OPPO der einzige institutionelle Anteilseigner von OnePlus ist, spricht ein 2014 veröffentlichtes Dokument der Shenzhen Municipal Market Supervisory Authority (SIPO) für das exakte Gegenteil. Gerüchten zufolge handelte es sich bei Laus damaligen Ausstieg aus OPPO auch lediglich um ein geschicktes Marketingmanöver in Antizipation der bevorstehenden Neugründung. Das bedeutet in einem weiteren Schluss: OnePlus gehört, als Submarke von OPPO, letztlich auch dem BBK Konzern an.

 

"One of the reasons why we started this company was we looked at all the Android phones on the market and there wasn't one phone that was good enough for us ourselves to use" - Carl Pei in einem Interview mit dem Wall Street Journal

Das Unternehmen operiert - genauso wie realme und Vivo - aus dem chinesischen Shenzhen heraus. OPPO ist selbst (zumindest administrativ) nicht in dieser Stadt vertreten - obgleich es Pläne für den Bau einer entsprechenden Niederlassung gibt -, der Hauptsitz in Dongguan findet sich aber, mit einer Entfernung von etwa einer Fahrtstunde, immer noch in der selben Provinz, in Guangdong. Mittlerweile vertreibt OnePlus seine Produkte in mehr als 50 Ländern. Neben dem Smartphone-Hauptgeschäft entwickelt und verkauft man neuerdings auch noch Smart TVs. 2019, d. h. gerade einmal sechs Jahre nach der Gründung, konnte der Hersteller bereits einen Jahresumsatz in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar verzeichnen.

Nur mit Einladung: Verkaufsstart des OnePlus One

Als mit dem OnePlus One im April 2014 das erste Smartphone des Startups auf dem Markt erschien, war die Nachfrage groß. Faktisch zu groß. Obwohl das Unternehmen erst kurz zuvor gegründet worden war, wollte man das Produkt sofort global - ausschließlich über den eigenen Onlineshop - vertreiben. Um Wartezeiten zu vermeiden, wurde der Kauf des Smartphones fest an eine vorher erfolgte Einladung gebunden. Diese Einladungen konnten z. B. bei Wettbewerben gewonnen oder von Freunden weitergegeben werden. Berichten zufolge hatte man sich im ersten Verkaufsjahr einen Absatz von 50 000 Geräten erhofft. Tatsächlich konnten im ersten Jahr aber schon 1 Millionen Geräte verkauft werden. Erst zum Marktstart des OnePlus 3 wurde das Einladungssystem schließlich eingestellt.

Nach Drei kommt Fünf

"Never Settle" (zu Deutsch, sinngemäß:  immer nach Größerem streben) gibt der Hersteller selbst als seine oberste Maxime an. Die Smartphones von OnePlus gelten als High-End Flaggschiff-Killer, die, insbesondere durch einen günstigeren Verkaufspreis, Apple und Samsung den Rang streitig machen sollen.

 

Bis jetzt wurden insgesamt elf OnePlus Modelle veröffentlicht. Hierunter findet sich mit dem 2015 erschienenen OnePlus X auch ein dezidiertes Mittelklasse-Smartphone. Erst seit dem OnePlus 7 können Kunden auch jetzt wieder, durch ein zusätzlich verfügbares verbessertes Pro-Modell, aus zwei Preiskategorien wählen. In Anlehnung an Apples "S"-Modelle, folgt bei der Modellbezeichnung von OnePlus-Smartphones nach jeder Nummernerhöhung - als Zwischenschritt - ein weiteres Modell mit dem hinten angestellten Buchstaben "T". Doch Achtung: Nach einem OnePlus 4 bzw. OnePlus 4T sucht es sich vergebens. In China gilt die vier als Unglückszahl und wurde daher übersprungen.

 

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Neue Luft zum Atmen: Aus CyanogenMod wird OxygenOS

Das OnePlus One war das zweite Smartphone überhaupt, das mit der abgewandelten Android-Version CyanogenMod verkauft wurde. Die Fangemeinde der Google-unabhängigen, minimalistischen Distribution war riesig und trug entscheidend zum Erfolg des ersten OnePlus Gerätes bei. Kurzfristig nach der Veröffentlichung des OnePlus One wurde die Zusammenarbeit mit der Cyanogen Inc. allerdings beendet und man begann mit der Entwicklung eines eigenen Systems. Der Name des hauseigenen Nachfolgers ist OxygenOS (in China auch als HydrogenOS bekannt) und ist auch nach wie vor standardmäßig auf allen OnePlus Geräten vorinstalliert. Im Jahr 2017 stand das Betriebssystem unter heftiger Kritik, da festgestellt werden konnte, dass Geräteinformationen wie die Telefonnummer oder IMEI unbemerkt an Server in China übermittelt wurden. Das Unternehmen gab damals an, künftig nur noch anonymisierte Daten erheben zu wollen.

September 2019: Launch des OnePlus TV

Das Produktsortiment erweiternd, kündigte OnePlus 2018 den Einstieg in den Smart-TV-Markt an. Im September 2019 erschienen dann der OnePlus TV Q1 und der OnePlus TV Q1 Pro auf dem indischen Markt. Konzeptuell wird weiterhin am gleichen Ideal festgehalten: High-End Geräte zu deutlich die Konkurrenz unterbietenden Marktpreisen. Die beiden 55 Zoll großen 4K-QLED-Fernseher unterscheiden sich nur bei den verbauten Lautsprechern. Der OnePlus TV Q1 Pro kommt mit einer ausziehbaren, mit 8 Lautsprechern bestückten, Soundbar daher. Ein Release auf dem europäischen Markt soll in Kürze folgen.

 

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Bilder: OnePlus