Zehn Jahre ist es schon her, seitdem Steve Jobs der Welt das erste iPad vorstellte und damit die Tablet-Revolution der 2010er-Jahre einleitete. Zu diesem Anlass erfahren Sie hier fünf Dinge, die Sie vermutlich noch nicht über das iPad wussten.

1. Der Pionier: Apples Newton MessagePad

Das iPad war nicht das erste Mal, dass Apple sich an einem tragbaren Computer mit berührungsempfindlichem Display versuchte. Bereits 1993 brachte der kalifornische Hersteller das Newton MessagePad auf den Markt, einen persönlichen digitalen Assistenten (PDA), der Funktionen wie Notizzettel, Adressbuch und Organizer vereinte. Der Clou des kompakten Computers lag in seiner lernfähigen Handschrifterkennung von Zeichen und Worten, die man direkt auf den Bildschirm schrieb. Unfallfrei funktionierte die Umwandlung in Computertext allerdings nicht und die häufig missglückten Übersetzungen wurden unter anderem in den "Simpsons" auf die Schippe genommen. Trotz erheblicher Nachbesserungen geriet die unzuverlässige Handschrifterkennung zum Markenzeichen des Newton und schädigte sein Image so sehr, dass die Verkaufszahlen deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben. Produziert wurde der Newton noch bis 1998, mit der Neustrukturierung von Apple Computer unter Steve Jobs wurde das Projekt jedoch eingestellt. Trotz des Reinfalls galt das Konzept des Newton als vielversprechend, sodass Apple 2002 die Entwicklung eines ähnlichen Gerätes aufnahm. Dieses sollte acht Jahre später als iPad vorgestellt werden.

2. Das erste iPad: Ein Blick zurück

Betrachtet man heute das "Ur"-iPad, kann man nur über die meilenweiten Unterschiede zu den jetzigen Modellen staunen. Damals wartete das brandneue Tablet mit einer Auflösung von 1.024 x 768 Pixeln sowie 64 Gigabyte internem Speicher auf, eine Kamera suchte man vergeblich. Zum Vergleich: Das aktuelle iPad Pro ist mit einer Auflösung von 2.732 x 2.048 Pixeln, einem Terrabyte internem Speicher und einer 12 Megapixel-Kamera mit 4K-Videoaufnahme erhältlich. Auch der Preis scheint heute unvorstellbar: Lediglich 499 Dollar kostete das erste iPad zum Verkaufsstart. Mit dieser großzügigen Preispolitik gelang es Apple, sowohl Marktexperten als auch die Konkurrenz zu überraschen. Selbst der Name des neuen Apple-Tablets kam mehr oder weniger unerwartet. Immerhin hatte sich der Hersteller aus Cupertino auch die Begriffe "iSlate" und "Magic Slate" schützen lassen (vom englischen Wort "slate" für "Schiefertafel"). Zwar verdichteten sich bereits Ende 2009 die Hinweise darauf, dass es das "iPad" werden sollte, im Namenswirrwarr ums Apple-Tablet galt aber auch das "iTablet" als Favorit.

 

Übrigens: Obwohl es in Deutschland fast zwei Monate später erschien, ging das weltweit zuerst verkaufte iPad nach Bayern. Eigentlich hatte der deutsche Journalist und Blogger Richard Gutjahr nur den Run aufs Apple-Tablet aus nächster Nähe miterleben wollen. Dabei wurde er jedoch unverhofft der allererste iPad-Besitzer.

3. Die unbekannte dritte Dimension

Trotz neuer Techniken und Anwendungsgebiete erschien der Mehrwert eines Tablets noch vor zehn Jahren als zu gering. Warum sollte man sich ein übergroßes iPhone zulegen, das nicht zum Telefonieren taugte und in keine Hosentasche passte? Die sogenannte dritte Dimension zwischen Smartphone und PC, die das iPad füllen sollte, musste dem Verbraucher erst bewusst werden. Hier setzte Steve Jobs in seiner Keynote zum iPad an und betonte die Vorzüge des Tablets gegenüber Laptops: Der gleiche Funktionsumfang, aber ein bedeutend leichteres Gewicht, ein ausdauernder Akku und keine langen Wartezeiten beim Hochfahren. Außerdem erforderte das iPad von erfahrenen iPhone-Nutzern keinerlei Umstellung, denn Betriebssystem und Apps blieben gleich. Das alles mag heute nicht mehr sonderlich spektakulär klingen, aber im Jahr 2010 schienen diese Neuerungen geradezu revolutionär. Nicht ohne Grund listete das Time Magazine das iPad erst kürzlich als eines der zehn besten Gadgets des vergangenen Jahrzehnts.

4. Vorreiter der Tablet-Revolution

Business AppsDas iPad hat maßgeblich dazu beigetragen, wie wir heutzutage Bücher, Zeitungen und Magazine kaufen und lesen. Auch Film und Fernsehen konsumieren wir deutlich anders als noch vor zehn Jahren. Tatsächlich wurde das erste iPad besonders als E-Book-Reader und damit als Alternative zum Amazon Kindle beworben. Aber nicht nur die Freizeit, auch die Arbeitswelt konnte das iPad erobern. Bereits drei Monate nach Verkaufsstart wurde das iPad in der Hälfte der Fortune 100, den hundert umsatzstärksten Unternehmen in den USA, eingesetzt. Anfang 2011 waren es sogar mehr als 80 Prozent. Mehrere US-Fluggesellschaften führten mit dem iPad das papierlose Cockpit ein. Das handliche Tablet ersetzte die mehrere Kilogramm schweren Logbücher, Navigationskarten und Checklisten, die die Piloten immer bei sich tragen mussten. Auch in den Schulen erkannte man das Potential des iPads (und der Tablets allgemein), den Unterricht digitaler und zeitgemäßer zu gestalten. Doch während in vielen amerikanischen Schulklassen schon seit Jahren selbstverständlich Tablets zum Einsatz kommen, klingt das in Deutschland, selbst nach zehn Jahren iPad, weiterhin wie Zukunftsmusik.

5. Mehr als 400 Millionen verkaufte Geräte

iPadPro11Zum Verkaufsstart noch skeptisch beäugt, zeigten die rasch steigenden Absatzzahlen des iPads schon bald, dass Apple drei Jahre nach Erscheinen des iPhones wieder ein Riesen-Coup gelungen war. Innerhalb von drei Jahren stieg der jährliche Absatz verkaufter iPads auf 71 Millionen, und trotz wachsender Konkurrenz konnte sich Apple als Vorreiter auf dem Tablet-Markt behaupten. Im Jahr 2018 wurde schließlich die Marke von insgesamt 400 Millionen verkauften iPads geknackt. Zwar sind die jährlichen Absatzzahlen seit 2013 rückläufig, dennoch bleibt Apples iPad das Tablet mit dem höchsten Markenerkennungswert. Und auch wenn es längst keine Monopol-Stellung mehr innehat, verbleibt das iPad sowohl in Deutschland als auch weltweit die Nummer eins unter den verkauften Tablets. Angesichts des wachsenden Marktanteils anderer Hersteller auf einem eher stagnierenden Tablet-Markt kann es nur spannend werden, was das nächste Jahrzehnt für das iPad bereithält.