Werden alle Marktanteile der im chinesischen Konzern BBK Electronics vereinten Unternehmen zusammengefasst, platziert sich das Markenkonglomerat sofort auf dem Treppchen der größten Smartphone-Produzenten der Welt. Prozentual kommt der auch hierzulande immer populärer werdenden Marke OPPO - vor Vivo, OnePlus und realme - dabei die entscheidendste Rolle zu. In unserer monatlich erscheinenden Beitragsreihe präsentieren wir Ihnen nacheinander die großen neuen Global Player und Herausforderer auf dem Smartphone-Markt. Hat OPPO auch in Europa eine Perspektive?

OPPO fürs Heimkino und die Hosentasche

Der Elektronikkonzern OPPO Electronics Corp. (in China unter dem Namen "Guǎngdōng Ōupò Yídòng Tōngxìn Yǒuxiàn Gōngsī" eingetragen) mit Hauptsitz in Dongguan, einer Millionenstadt in der südchinesischen Provinz Guangdong, konzentrierte sich bis 2008 vornehmlich auf die Entwicklung und den Vertrieb von MP3-Playern wie dem OPPO X1. In dem Jahr kam mit dem "Smile Phone" dann das erste Mobiltelefon des Herstellers auf den Markt.

 

Audio- und Videophile kennen wohlmöglich auch die hochwertigen, Regionalcode-freien DVD- und BluRay-Player von OPPO Digital. Das im kalifornischen Menio Park ansässige Unternehmen hatte 2004 eine Markenlizenz bei BBK erworben und operiert unabhängig von OPPO Electronics. 2018 gab man hier allerdings bekannt, dass die Produktion von Neugeräten vollständig eingestellt wird.

 

Aber es wird noch komplizierter: 2013 gründete der ehemalige OPPO Electronics Geschäftsführer Pete Lau das Smartphone-Unternehmen OnePlus, das als Submarke auch heute noch OPPO direkt unterstellt ist. Aus einer weiteren Submarke, OPPO Real, entsprang 2018 das nach wie vor zum BBK Konzern gehöhrende realme.

 

In China konnte OPPO Electronics mit dem neuen Hauptgeschäft schnell Erfolge feiern. Seit 2016 - d. h. nach gerade einmal acht Jahren in der Branche - gilt der Betrieb, mit insgesamt mehr als 200.000 Verkaufsfilialen vor Ort, als größtes Smartphone-Unternehmen des Landes. Weltweit ist OPPO gemessen an den Marktanteilen, die Nummer fünf.

Mit dem Selfie Expert bis nach Reno

Mit dem OPPO U701 ULike kam 2011 das erste Smartphone des Guangdonger Elektronikherstellers auf den Markt. Handys produzierte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt aber schon drei Jahren lang. Der direkte Nachfolger, das OPPO Find, galt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung als dünnstes Smartphone der Welt. Von Anfang an hob sich der Rekordebrecher aber auch durch seinen starken Fokus auf die Selfie-Fotografie von der restlichen Masse ab. Meist fanden sich in OPPO-Smartphones deutlich leistungsfähigere Frontkameras als bei der Konkurrenz. Auch das Beautification-System, eine AI-gesteuerte Retuschen- und Filter-Bildbearbeitungssoftware, setzte in China neue Selfie-Standards.

 

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Neben der auch weiterhin als Selfie Expert vertriebenen Modellserie F, macht OPPO heute vor allem mit seinen Reno-Modellen (aktuelles Modell: OPPO Reno 3) Schlagzeilen. Die Start-Iteration dieser Reihe war eines der ersten in Europa verfügbaren 5G-fähigen Smartphones. Als charakteristisch für OPPO-Phones gilt die ausklappbare "Haifischflossen"-Frontkamera. Dies könnte sich in Zukunft aber ändern, da der Hersteller beim MWC 2019 seine erste Under-Screen-Frontkamera vorgestellt hat. Neben dieser Flaggschiff-Reihe bietet das Unternehmen mit den K-Modellen (aktuelles Modell: OPPO K5) auch noch midrange Smartphones zum Verkauf an, die sich insbesondere auf dem indischen Markt großer Beliebtheit erfreuen können.

 

ColorOS, OPPO Cloud und OPPO+

Das Smartphone-Hersteller ihre neuen Geräte direkt mit einem eigenen Betriebssystem ausliefern, ist längst nichts Außergewöhnliches mehr. OPPOs entsprechendes OS heißt ColorOS und basiert auf Googles Android. Das Design ist minimalistisch gehalten, die Farben sind greller als gewöhnlich. Zudem wurde das Standard-App-Repertoire verändert und eine Vielzahl neuer Gesten vordefiniert.

 

Wie wir bereits in unserem Unternehmensportrait von Xiaomi angeführt hatten, verstehen sich die meisten chinesischen Smartphone-Hersteller gleichzeitig auch als Softwareunternehmen. Es soll möglichst das gesamte Bedarfsspektrum der Kunden durch eigene Produktlösungen abgedeckt werden. So bietet OPPO im Zusammenhang mit ihrem ColorOS auch einen internen Cloud-Service, OPPO Cloud, und ein eigenes soziales Netzwerk, OPPO+, an. Diese Dienste stehen in Deutschland allerdings noch nicht zur Verfügung.

 

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15% Marktanteil in drei Jahren: OPPOs optimistisches Geschäftsziel für Europa

Dieses Jahr eröffnet OPPO seine Europazentrale in Düsseldorf. Von hier aus will sich der Hersteller in gerade einmal drei Jahren 15% der europäischen Marktanteile sichern. Ein ambitioniertes Ziel. Im deutschen Handelsregister ist OPPO bereits seit Mitte des letzten Jahres unter dem Namen OROPE Germany GmbH gelistet. Auch Vivo hat eine Niederlassung in Düsseldorf und Xiaomi möchte im Verlauf des aktuellen Kalenderjahres ebenfalls in die Stadt ziehen. Damit folgen alle drei Huawei und ZTE, die bereits seit längerem in der NRW-Hauptstadt zu Hause sind.

 

Von Nordrhein-Westfalen aus den deutschen Markt und dann das gesamte europäische Festland erobern; eine Strategie, die all diese Unternehmen gemein haben. In Deutschland aber haben es neue Smartphone-Marken meist schwer. Neben Samsung und Apple konnte sich bis jetzt lediglich Huawei einen der vorderen Plätze im Sektor sichern.

 

OPPO bald auch mit Wearables am Markt vertreten?

Neben Smartphones stellt OPPO Electronics auch noch Kopfhörer her. Die beiden aktuellen Modelle, die OPPO Enco Free und die OPPO ENCO Q1, werden kabellos via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Bei den OPPO Enco Free handelt es sich um High-End Earbuds, die dem Design nach stark an Apple AirPods erinnern. Die OPPO ENCO Q1 sind hingegen - dies lässt sich an dem fest integrierten Nackenbügel erkennen - vor allem für sportliche Aktivitäten ausgelegt. Außerdem verfügen diese Kopfhörer über OPPOs "Hybrid Active Noise Cancelling", einer aktiven Geräuschunterdrückung, die den Input von Feedforward- und Feedback-Mikrofonen zur Bestimmung des notwendigen Antischalls gegenrechnen.

 

Beim zurückliegenden Inno Day in Shenzhen, am 10. Dezember des letzten Jahres, gab OPPO bekannt, das Produktsortiment in Kürze um eine eigene Oppo Smartwatch erweitern zu wollen. Zum Ende des vergangenen Monats tauchte auf der chinesischen Mikroblogging-Seite Weibo dann auch ein erstes Bild des neuen Apple-Konkurrenzproduktes auf. Das von Vizemanager Shen Yiren veröffentliche Render-Bild erinnert stark an die Apple Watch 5, hier hat man jedoch, an Stelle der klassischen Krone, nur eine weitere Seitentaste verbaut. Auch mit dem angekündigten integrierten EKG folgt die neue OPPO-Smartwatch dem Apple-Watch-Trend. Es wäre durchaus denkbar, dass weitere Information zu den Spezifikationen im Rahmen des kommenden MWC 2020 in Barcelona (24.-27. Februar) preisgegeben werden.