Mit dem Umstieg von der Glühbirne auf LEDs hat sich das Lichtspektrum verändert, dem wir durch artifizielle Beleuchtung große Teile unseres Tages ausgesetzt sind. Modernere Lichtquellen wie LEDs oder Leuchtstoffröhren strahlen im blauen Wellenlängenbereich mit einer deutlich höheren Intensität als Glühbirnen. Das Problem: Blaulicht soll den Augen schaden und die Haut schneller altern lassen. Sogar unser Schlafrhythmus soll durch eine erhöhte Belastung mit blauem Licht negativ beeinflusst werden. Was ist dran und welche Möglichkeiten gibt es, sich hiervor zu schützen?

High Energy Visible Light: schädlicher als UV-Licht?

Das Lichtspektrum im Wellenlängenbereich zwischen 380 nm (Nanometer) und 500 nm nimmt der Mensch als blau wahr. Häufig wird hier auch, in Abgrenzung zum vom menschlichen Auge nicht wahrnehmbaren UV-Licht (100 nm – 380 nm), vom sogenannten hoch energiereichen Anteil des sichtbaren Lichtes gesprochen. Dieser Bereich lässt sich noch einmal weiter in blau-violettes (380 nm – 450 nm) und blau-türkises Licht (450 nm – 500 nm) unterteilen. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sich die Wirkungen der beiden Spektren auf den Menschen massiv voneinander unterscheiden. Während von ersterem durchaus zu berücksichtigenden Gefahren ausgehen können, kommen dem blau-türkisen Licht in Wirklichkeit eine Vielzahl gesundheitsfördernder Eigenschaften zu.

 

elektromagnetisches Wellenspektrum

 

Zu viel UV-Licht schadet Haut und Augen, kann unter Umständen sogar Hautkrebs verursachen. Sonnencremes gibt es deshalb bereits seit den 1930er-Jahren; mögliche Gesundheitsfolgen nach zu langer Bestrahlung durch Blaulicht sind hingegen erst in den letzten Jahren ein Thema geworden. Gefährlich gilt vor allem die besondere Eigenschaft des blau-violetten Lichtes, ungehindert durch Hornhaut und Linse des Auges dringen zu können. Die empfindliche Netzhaut wird direkt angegriffen und auf Dauer können irreversible Zellschädigungen auftreten, eine sogenannten Makuladegeneration. Die Folge: Eine Funktionsbeeinträchtigung des Fovea centralis (der Bereich des schärfsten Sehens bei Säugetieren). Der Betroffene sieht nur noch unscharf. Weniger gefährliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Gereitzheit treten häufig bereits nach wenigen Stunden konzentrieter Blaulichtbelastung auf.

Beim Blaulicht nicht nur schwarzsehen

Tatsächlich ist auch im Sonnenlicht hochenergetisches Blaulicht enthalten. Ist der menschliche Organismus der Sonnenstrahlung ungeschützt ausgesetzt, ist die Belastung in etwa 10 mal so hoch wie vor einem Computer- oder Smartphone-Display. Das im Sonnenlicht enthaltene blau-türkise Licht gilt als einer der Hauptregulatoren des circadianen Rhythmus beim Menschen. Es sorgt für eine gezielte Unterdrückung der Melatoninproduktion, einem Hormon, das für die tägliche Abendmüdigkeit verantwortlich ist. Das bedeutet im Umkehrschluss: Blau-türkises Licht hält wach. Der gleiche Effekt tritt nun auch bei moderner artifizieller Beleuchtung mit verstärktem Blaulichtanteil auf, hier allerdings nur in deutlich abgeschwächter Form. Verbringt man die späten Abendstunden vor dem Computer oder am Smartphone, verschiebt sich als Folge das Auftreten erster Müdigkeitserscheinungen häufig zeitlich etwas weiter nach hinten.

Blaulichtfilter bei Computern und Smartphones

Wenn Sie sich vor der Blaulichtgefährdung schützen möchten, stehen Ihnen, je nach ausstrahlender Lichtquelle, unterschiedliche Optionen zur Verfügung. Grundsätzlich gilt: Tragen Sie an hellen, wolkenlosen Tagen bei direkter Sonneinstrahlung am besten draußen immer eine Sonnenbrille. Sollten Sie in einem Büro arbeiten und viel Zeit vor einem Computerbildschirm oder in der Umgebung von LED-Beleuchtungen verbringen, kann sich vielleicht sogar die Investition in eine Blaulichtfilterbrille lohnen.

Grundsätzlich müssen Sie für die Blaulicht-Abwehr aber nicht zwingend sofort zu Spezialequipment greifen. Egal ob Sie gerade längere Stunden vor dem Computer sitzen oder vor dem Schlafengehen einfach nur noch eine Weile auf Ihrem Smartphone oder Tablet surfen möchten – fast immer haben Sie die Möglichkeit auf Softwareebene einen Blaulichtfilter zu aktivieren. Damit wird die Intensität des vom Display emittierten Blaulichts verringert, unter Umständen sogar vollständig heruntergefahren. Durch die Veränderung des Farbspektrums wirkt das Bild anschließend etwas gelbstichig.

So aktivieren Sie den Blaulichtfilter unter Android und iOS

Blaulichtfilter AndroidNachtmodus AndroidBei Android gehört der Blaulichtfilter seit Version 7.1 zum Standardfunktionsumfang dazu. Sie finden ihn in den allgemeinen Einstellungen unter dem Menüpunkt “Display”. Hier haben Sie nicht nur die Möglichkeit, die Stärke bzw. Deckkraft des Filters festzulegen, sondern Sie können auch einen individuellen Zeitplan konfigurieren, der vorgibt, wann sich der Blaulichtfilter automatisch aktivieren soll. Sind Sie beispielsweise an einer Verbesserung Ihres Schlafrhythmuses oder Ihrer Einschlafphase interessiert, orientieren sie sich beim Festlegen des Zeitraums einfach am natürlichen Zyklus von Sonnenaufgang und -untergang.

 

Tipp: Zusätzlich lässt sich hier auch noch der sogenannten Nachtmodus einrichten. Bei Aktivierung wird das gesamte Farbschema der Benutzeroberfläche Ihres Smartphones abgedunkelt und Ihre Augen so zusätzlich von weiterer unnötiger Anstrengung geschont.

 

Auch unter iOS findet sich (seit Version 9.3) standardmässig ein Blaulichtfilter. Wenn Sie in den allgemeinen Einstellungen den Eintrag “Anzeige & Helligkeit” ansteuern, stoßen Sie auch hier zunächst auf die Möglichkeit, zwischen einem hellen und dunklen Farbschema auszuwählen. Etwas weiter unten befindet sich dann der “Night Shift”-Modus, der Blaulichtfilter von iOS. Die aufgeführten Einstellungsoptionen sind, abgesehen von terminologischen Unterschieden, identisch zu Android.

 

Wie Sie den Blaulichtfilter beim Xiaomi Mi 9 oder beim Samsung Galaxy Note 10 den Blaufilter einrichten, zeigen wir auch bereits im 1&1 Magazin.