Minimalismus ist en vogue. In Zeiten von Überkonsum und einem zunehmenden gesellschaftlichen Bewusstsein für die eigene Klimabilanz, haben Autoren wie z. B. die Japanerin Marie Kondo das Aufräumen und Sortieren zur Lebensphilosophie erhoben. Leere Dachböden und Tiny Houses sind die Folge. Doch auch vor dem Smartphone macht dieser internationale Trend zum „Weniger-ist-mehr“ keinen Halt. Wir zeigen Ihnen, wie Sie effektiv Platz auf Ihrem Smartphone schaffen können. Ganz ohne Verzicht.

Echter App-Minimalismus: Mut zur Lücke auf dem Homescreen

Browser statt App

Egal ob Android oder iOS: Heute findet sich zu fast jeder namenhaften Internetseite eine passende App. Der Funktionsumfang wird jedoch nur selten nennenswert erweitert und auch der tatsächliche Komfortzuwachs – durch die direktere Erreichbarkeit – ist meist zu vernachlässigen. Legen Sie stattdessen einfach immer ein Lesezeichen für die jeweilige Seite in Ihrem Internetbrowser an.

Unnötige Tools vermeiden

Wussten Sie, dass sich QR-Codes sowohl auf iOS als auch auf Android direkt mit der Standard-Kamera-App auslesen lassen? Auch für das Anfertigen von Sprach- bzw. Diktieraufnahmen, das Verwalten des Dateisystems oder das Bereitstellen von Notfallinformationen müssen Sie längst keine zusätzlichen Apps mehr installieren. Prüfen Sie also zunächst immer erst, ob Ihr Handy nicht bereits ab Werk über die gesuchte Funktion verfügt.

Aus Zwei mach Eins

Sie haben gerade ein Foto aufgenommen und möchten es nun individuell umgestalten. Nach einem kurzen Blick in den App Store wird aber schnell klar: Die Auswahl der Bildbearbeitungs-Tools ist erschlagend. Farbfilter, Rahmen, Collagen – für alles scheint es eine App zu geben, für manches sogar gleich zwei oder drei. Auch die Kamera-Apps aktueller Smartphones bringen bereits eine Menge an Funktionsumfang mit sich. Das gilt leider nicht nur exklusiv für diesen Bereich. Sie sollten deshalb immer gezielt nach Softwarelösungen suchen, die direkt mehrere Probleme auf einmal lösen können und unter einem Dach eine Vielzahl von Funktionen vereinen.

Ungenutzte Apps löschen

Befinden sich auf Ihrem Smartphone Apps, die Sie nur ein einziges Mal benutzt haben? Machen Sie es sich zu einer Minimalismus-Regel, vor jeder Neuinstallation über die Art Ihrer Anwendung nachzudenken. Ist davon auszugehen, dass Sie die Software nur ein einziges Mal nutzen werden, können Sie sie im Anschluss direkt wieder deinstallieren. Überlegen Sie in diesem Zusammenhang auch, welche App Sie bereits seit mehr als vier Wochen nicht mehr benutzt haben. Auch in diesem Fall empfiehlt sich meist eine rein temporäre Installation bei direktem Bedarf.

Nicht nur im Eigenheim ein Muss: Den Speicher aufräumen

Fotos und Videos sortieren

Android SpeicherEin gelegentlicher Blick in die Galerie lohnt immer. Wir vergessen nämlich schnell, wie weit unsere mobilen Fotosammlungen tatsächlich zurückreichen. Dabei muss nicht jede flüchtige Aufnahme für die Ewigkeit aufbewahrt werden. Selbst wenn Sie Ihre Fotos aufgrund des größeren Bildschirms erst später am Computer sortieren und bearbeiten möchten, unscharfe Bilder lassen sich auch bereits auf dem kleineren Smartphone-Display leicht erkennen und aussortieren.

Wenn Sie darüber hinaus auch noch regelmäßig alle Fotos und Videos in klar beschriftete Alben einsortieren, werden Sie auch in größeren Sammlung niemals die Übersicht verlieren. Dies empfiehlt sich sogar bereits in Erwartung eines zukünftigen Aufnahmekonvoluts, z. B. vor einer Reise oder dem Besuch eines Konzertes.

Versteckte Duplikate

Um wertvolles Datenvolumen zu sparen und die Übertragungsdauer zu verkürzen, komprimieren Instant-Messenger wie WhatsApp alle Videos und Bilder vor dem Versenden. Nach Abschluss des Sendevorgangs wird die komprimierte Datei allerdings nicht automatisch gelöscht, sondern in den tiefen Ordnerstrukturen des Programmes archiviert.

Mit der Zeit können sich so unzählige überflüssige Duplikate ansammeln, die, sofern man nicht auf das Bestehen eines vollständigen Nachrichtenarchives angewiesen ist, ohne großen Aufwand gelöscht werden können. Bei WhatsApp beispielsweise finden sich diese Dateien in den einzelnen „Sent“ Ordnern im „Media“ Verzeichnis. Alternativ können Sie aber auch auf fertige Dritthersteller-Apps zurückgreifen, die diesen Bereich komplett automatisch bereinigen.

Tipp: Schauen Sie bei dieser Gelegenheit auch einmal in den Download-Ordner auf dem internen Speicher Ihres Gerätes. Hier ruhen oft vergessene PDF-Dateien, wie z. B. Informationsflyer oder kurz überflogene Speisekarten. Leeren Sie auch regelmäßig den Cache. All das hilft auch dabei, dass das Smartphone wieder schneller arbeitet.

Tiefenreinigung gegen Datenmüll

Ein zuverlässiger Systemreiniger wie der CCleaner gehört für die Meisten mittlerweile zur Standardausrüstung auf einem jeden Heimrechner. Doch auch die Dateisysteme moderner Smartphones weisen heutzutage eine Komplexität auf, die eine Verwendung dezidierter Reinigungssoftware durchaus sinnvoll macht.

So bleiben beim Deinstallieren von Apps häufig herrenlose Restdaten übrig, die mittels eben solcher Helfer gezielt ausfindig gemacht und gelöscht werden können. Auch das sofortige Freigeben größerer Mengen Speicherplatz durch das Leeren überlaufender Caches gehört fast immer zum klassischen Funktionsrepertoire dieser Software. Das Aufräumen kann auch die Performance Ihres Gerätes sowie dessen Akkulaufzeit verbessern.

Digital-Minimalismus und der Fokus auf das Wesentliche

Finger Weg: Feste Nutzungszeiten pflegen

Beim Minimalismus führt konsequente Reduktion zur Konzentration. Es gilt das Wesentliche vom Überflüssigen zu befreien. Entsprechend sollen auch die persönlichen zeitlichen Kapazitäten strukturiert werden. Da wir unser Smartphone meistens den ganzen Tag bei uns führen, verteilt sich auch die Nutzungsdauer in kleinen gestückelten Zeitabschnitten über den ganzen Tag. Planen Sie doch stattdessen täglich fixe Zeitfenster ein, die gezielt für das Abhalten aller Telefonate genutzt werden. Fragen Sie sich auch, ob es tatsächlich notwendig ist, dass Sie rund um die Uhr erreichbar sind. Wenn Sie das Smartphone weglegen, sollten Sie es für einen bestimmten Zeitraum auch erstmal nicht mehr anrühren.

Dabei gilt es auch, sich nicht von den Versuchungen gängiger Instant-Messenger beeindrucken zu lassen. Verringern Sie überlegt die Anzahl Ihrer Nachrichten indem Sie mehrere Nachrichten zusammenfassen. Auch hier können Sie den Versuch unternehmen, nur zu bestimmten, vorher festgelegten Zeiten Antworten zu verfassen.

Benachrichtigungen nur in Ausnahmefällen erlauben

Kaum eine App kommt heute ohne Benachrichtigungsfunktion daher. Hier sollte die Regel gelten: Eine Berechtigung wird nur im Ausnahmefall erteilt. Es ist nicht notwendig, immer bei jeder App gesondert direkt über alle Neuerungen und Angebote informiert zu werden. Der Digital-Minimalismus empfiehlt: Vorrang haben die Elementarfunktionen des Smartphones. Nur bei Anrufen, Kurznachrichten und E-Mails sollte eine spezielle Benachrichtigung erfolgen. Scheuen Sie sich auch nicht vor der Verwendung des Flugzeug- oder „Do not disturb“-Modus um zeitweise alle Benachrichtigungen zu deaktivieren. Smartphones wie das Samsung Galaxy S10 oder das Google Pixel 4 oder 3 haben spezielle Funktionen rund um "Digital Wellbeing"  bzw. "Digitales Wohlbefinden", wo Sie Ihre Nutzungszeiten analysieren und einrichten können. Mehr Tipps zum Pixel 4 und Tipps zum S10 finden sich bereits im 1&1 Magazin.