Jährlich kommt es in Deutschland zu etwa 14 Mio. Rettungsdiensteinsätzen, von denen etwa die Hälfte durch die Leitstelle als Notfall eingestuft werden. Häufig sind die Betroffenen beim Eintreffen der Rettungskräfte bereits nicht mehr ansprechbar. Hier empfiehlt es sich, bereits im Vorfeld selbst Vorkehrungen zu treffen, mit deren Hilfe bei einem Notfall kostbare Zeit gespart und die Arbeit der Einsatzkräfte erleichtert werden kann. Mit dem Smartphone als ständigen Begleiter, bieten heute sowohl Android- als auch iOS-Systeme entsprechende Funktionen, wichtige Notfallinformationen, sogenannte ICE-Informationen, bereitzustellen.

ICE – In Case of Emergency (englisch: im Falle einer Notsituation)

Standardmäßig wird Unbefugten der Zugriff auf die persönlichen Daten eines Smartphones durch den Sperrbildschirm und eine Sicherung via Musterzeichnung oder Pin verwehrt. Eine Ausnahme bilden hier sogenannte ICE-Notfallinformationen, die auch ohne Entsperrung direkt vor dem Sperrbildschirm eingesehen werden können. Während zur effektiven Bereitstellung solcher Daten früher Dritthersteller-Apps benötigt wurden, finden sich diese Funktionen heute standardmäßig auf allen Smartphone-Systemen.

Zu den wichtigsten Notfallinformationen zählen:

  • Notfallkontakte
  • Erkrankungen und aktuelle Medikationen
  • Blutgruppe
  • Medikamentenunverträglichkeiten/Allergien
  • Organspenderstatus

ICE-Notfallinformationen bei Android im Adressbuch hinterlegen

ICE-Notfallinformationen AndroidAuf Android-Geräten werden ICE-Kontakte im Adressbuch festgelegt. Nach Aufrufen eines einzelnen Kontakteintrages können Sie über die Bearbeitungsfunktion unter dem Menüpunkt "Gruppen" eine Zuweisung zur standardmäßig vorinstallierten Gruppe "Notfallkontakte" vornehmen. Anschließend finden Sie die als Notfallkontakt gekennzeichnete Person über die erweiterte Ansicht im Startbildschirm des Adressbuches unter der gleichnamigen Gruppe. Jede Person auf dieser Liste kann nun im Ernstfall ohne Entsperren des Gerätes angerufen werden.ICE-Notfallinformationen Android

Darüber hinaus lassen sich beim persönlichen Kontakteintrag des Smartphone-Besitzers auch weitergehende medizinische Informationen zur eigenen Person bereitstellen. Neben vorgefertigten Feldern für Eintragungen wie z. B. den bereits bekannten medizinischen Befunden, Allergien oder der Blutgruppe, gibt es auch einen extra Punkt für freie Zusatzanmerkungen. Auch die Gruppe der Notfallkontakte ist direkt über den eigenen Kontakt abrufbar.

Berühren Sie nun bei eingeschaltetem Display das Telefonsymbol am unteren linken Bildschirmrand, gelangen Sie nach Auswahl der "Notruf"-Schaltfläche unter dem Entsperrdisplay direkt zu Ihren Notfallinformationen.

Android-Nutzer können ergänzend das neue Notfallsystem AML nutzen.

Vorinstalliert seit iOS 8: Die Apple Health App

Apple Healt App ICE-Notfallinformationen

Quelle: Apple

Einen deutlich größeren Funktionsumfang hingegen bietet das iOS-Äquivalent – die Apple Health App. Bis einschließlich iOS 7 nur optional aus dem App Store zu beziehen, sammelt Apples Standard-ICE-Lösung als Gesundheitszentrale – über den integrierten Notfallpass hinausgehend – auch alle Sensordaten von Aktivitätstrackern wie z. B. der Apple Watch.

Berühren Sie nach Öffnen der App unter der Registerkarte „Übersicht“ Ihr Profilbild, gelangen Sie zu Ihrem persönlichen Profil. Unter dem Menüpunkt „Medizinische Details“ finden Sie nun eben erwähnten Notfallpass aufgeführt.

Hier werden direkt an einem Ort alle wichtigen ICE-Notfallinformationen und Notfallkontakte – erneut in entsprechend vergebene Felder – eingetragen und gelistet. Auch bei iOS erhalten Sie anschließend über die Telefonie-App Zugriff auf diese Daten. Direkt im Wählfenster finden Sie hierzu einen Zusatzbutton ausgezeichnet, über den, ohne die Notwendigkeit einer Entsperrung des Smartphones, Ihre ausgewählten Kontakte angerufen werden können.

Bewertung und Alternativen

Datenschützer stehen dem ICE-Verfahren häufig kritisch gegenüber. Wird so schließlich, z. B. beim Diebstahl oder Verlust des Smartphones, auch Unbefugten der Zugang zu höchst sensiblen persönlichen Informationen ohne weiteres ermöglicht. Als Alternative wird häufig auf sogenannte medizinische Notfallarmbänder aus Edelstahl verwiesen, bei denen die ICE-Informationen auf der im Alltag nicht sichtbaren Innenseite eingraviert werden. Hiermit sind Sie dann nicht nur unabhängig vom Ladestatus eines Akkus, Sie sind auch dann abgesichert, wenn Sie Ihr Smartphone einmal nicht direkt bei sich tragen.

Tipp: Mehr zum Thema persönliche Vorsorge mit dem Smartphone, finden Sie in unserem Artikel über Warn-Apps.