Künstliche Intelligenz: Warum (Smartphone-) Kameras auf einmal intelligent werden

Mehr Kameras, größere Sensoren, aber nur begrenzter Platz – das ist die Herausforderung, der sich Smartphone-Hersteller aktuell stellen müssen. Denn aktuelle Studien zeigen: Das Fotografieren mit dem Smartphone rückt immer weiter in den Fokus der Interessen der Nutzer. Aufgrund der Platzbeschränkung (Smartphones sollen nicht zu dick und zu schwer werden) richtet sich die Aufmerksamkeit der Entwickler zunehmend auf die Soft- anstatt auf die Hardware. „Künstliche Intelligenz“ soll Smartphone-Fotos noch besser machen.

Warum müssen Smartphone-Kameras intelligent sein?

Da die Kamera neben dem Akku für viele Nutzer zu den Hauptkriterien beim Neukauf eines Smartphones zählt, feilen die Hersteller immer intensiver daran, die Kamera weiter zu verbessern. Doch auf der Hardwareseite gelangt die Entwicklung zunehmend an ihre Grenzen. Größere Sensoren oder Objektive würden die Smartphones zu dick und unhandlich machen. Also sind die Hersteller dazu übergegangen, die Software der Kameras zu verbessern.

Dass ein Smartphone nicht mit einer teuren Spiegelreflexkamera konkurrieren kann, steht außer Frage. Im Kompaktkamera-Markt stellen Smartphones seit einigen Jahren eine ernst zu nehmende Konkurrenz dar. Und das obwohl kompakte Digitalkameras mit einem optischen Zoom punkten können und die Smartphone-Hardware gerade in diesem Bereich an ihre Grenzen stößt.

Obwohl es zwar Modelle wie das Huawei P20 Pro gibt, die immerhin mit einem dreifachen optischen Zoom punkten können, fehlt bei Smartphones schlicht der Platz für ein Objektiv mit verstellbarer Brennweite. Doch die Smartphone-Hersteller haben bereits eine Lösung gefunden: Sie gleichen die begrenzten Möglichkeiten auf Seite der Hardware mit neuen Software-Features aus. Die Zoomfunktion ist ein gutes Beispiel für dieses Zusammenspiel. Beim Huawei P20 Pro sorgt der fünffache „Hybrid-Zoom“ für ein Ergebnis ohne großen Qualitätsverlust. Auch im Bereich Bildstabilisation und Tiefen(un)schärfe („Bokeh-Effekt“) setzen Smartphone-Hersteller zunehmend auf Softwarelösungen.

Was macht die Smartphone-Kameras intelligent?

Eine künstliche Intelligenz in einem Smartphone klingt für Nutzer, die sich unter dem Begriff nicht viel vorstellen können, vielleicht zunächst nach reinem Marketing-Sprech. Und tatsächlich hat eine KI-unterstützte Kamera nicht viel gemein mit dem, was man aus Science-Fiction-Filmen als künstliche Intelligenz kennt.

Jedoch sind die Kameras lernfähig und das ist im Großen und Ganzen das, was eine künstliche Intelligenz ausmacht. Schon bevor der Nutzer das Smartphone zum ersten Mal in Betrieb nimmt, hat die Kamera eines Smartphones wie dem Huawei P20 Pro oder dem LG G7 ThinQ ein speziell angelerntes Vorwissen. Sie kennt verschiedene Szenarien wie Essensbilder, sich bewegende Menschen oder Sonnenuntergänge und passt so automatisch die Kameraeinstellungen an, um dem Nutzer das beste Bild zu liefern, ohne dass dieser selbst etwas an der Kamera verstellen muss. Außerdem lernt die Software immer weiter und passt sich so den Gewohnheiten des Nutzers an.

Wie kann ein Smartphone lernen?

Ein herkömmlicher Prozessor eines Smartphones besteht aus einer Recheneinheit (CPU) und einer Grafikeinheit (GPU). Die CPU arbeitet folgendermaßen: Sie bekommt einen Auftrag, bestehend aus vielen Teilaufgaben, die sie nacheinander abarbeitet. Damit ein Smartphone lernfähig wird, ist ein weiterer Baustein nötig: eine neuronale Recheneinheit (NPU). Sie löst die einzelnen Teilaufgaben gleichzeitig und nicht wie die CPU nacheinander. Auf Grund der höheren Geschwindigkeit ist ein Prozessor wie der Kirin 970 somit in der Lage, Bilder oder Sprache wesentlich schneller zu verarbeiten.

Welche Vorteile bringt eine intelligente Kamera?

Im Prinzip übernimmt das Smartphone die digitale Nachbearbeitung bereits beim Fotografieren. Die intelligente Software wählt selbständig Filter, ändert Kontraste oder intensiviert Farben. Kritiker werfen dieser Technik vor, es gäbe bald keine unbearbeiteten Bilder mehr. Und schlimmer noch, bald würden alle Fotos bereits auf dem Gerät gleich bearbeitet und so würde die Individualität abhanden kommen.

Auf der anderen Seite ist rein rechnerisch auch bald jedes erdenkliche Motiv bereits abgelichtet und einzigartige Motive quasi unmöglich. Außerdem lernt die künstliche Intelligenz während des gesamten Nutzungszyklus und orientiert sich entsprechend an den Vorlieben des Nutzers. Dementsprechend kann man davon ausgehen, dass zwei gleiche Smartphones am Ende dennoch unterschiedliche Bilder erstellen.

Wie ist der Stand der Dinge bei anderen Kameras?

Auch renommierte Kamerahersteller haben die Relevanz der Smartphone-Kameras erkannt. Manch ein Hersteller klassischer Kameras wie Leica oder Hasselblad arbeitet eng mit Smartphone-Herstellern wie Huawei oder Motorola zusammen. Die Ergebnisse sind dann die „Motorola Hasselblad True Zoom Kamera“ für alle Motorola Z-Modelle oder die „Leica Dual- bzw. Triplekameras“ in den Huawei-Flaggschiffen. Andere Hersteller wie beispielsweise Canon entwickeln ihre Geräte selbständig weiter. So gab es auf der Photokina Kameras von Canon zu bewundern, die automatisch die beste Blitzposition ausfindig machen und den Blitz auch selbständig ausrichten. Andere Kameras, beispielsweise von Sony, lösen bei Porträts oder Gruppenbildern erst aus, wenn alle Personen die Augen geöffnet haben. So kann man auch in Zukunft auf viele spannende Neuheiten in der Fotowelt hoffen.

Fazit

Die künstliche Intelligenz in Kameras ist vor allem eine Errungenschaft, die dabei hilft, die Automatik der Kamera zu verbessern. So können selbst ungeübte Nutzer ohne großes Fachwissen sehr gute Bilder schießen. Außerdem spart die KI Zeit, da sie eine Nachbearbeitung quasi überflüssig macht. Aber auch, wenn die Kamera bereits einiges gelernt hat und weiter dazulernt, ist ihr „Wissen“ natürlich nicht mit der Expertise eines ausgebildeten Fotografen zu vergleichen. So ist zwar davon auszugehen, dass das Smartphone weiter ein ernstzunehmender Konkurrent für Kompaktkameras sein wird, für das Profisegment sind Smartphones jedoch (noch) keine Konkurrenz.

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