Die Geschichte der SMS: Eine 160-Zeichen-Revolution

Eigentlich war sie als einseitiges Informationsinstrument gedacht, ähnlich eines Pagers, doch dann kam alles anders. Im Dezember 1992 verschickte ein Brite die erste SMS von einem Computer an ein Handy. Wie es dazu kam und was danach passierte, fassen wir in diesem Beitrag zusammen.

160 Zeichen, das muss reichen

In den 1980er Jahren fanden Friedhelm Hillebrand von der deutschen Bundespost und sein französischer Kollege heraus, dass eine Postkarte oder ein Fax im Durchschnitt um die 120 Zeichen Text enthielten. Im Zuge dessen wurde später die Länge einer SMS (Short Message Service) auf 160 Zeichen begrenzt: ein Umstand, der den „Simsern“ später einiges an Kreativität abverlangte. Ursprünglich war die SMS ein Nebenprodukt des GSM-Netzes (D-Netzes), mit dessen Hilfe der Anbieter seine Mitarbeiter und Kunden über Störungen informieren konnte. Dass die SMS sich in kurzer Zeit einer solchen Beliebtheit erfreuen würde, ahnte niemand, im Gegenteil.

Die erste SMS

Im Dezember 1992 schickte ein Brite die erste SMS von einem Computer an ein Handy. Handys waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage, Nachrichten zu versenden. Ein Zustand, der heute undenkbar ist. Der Inhalt dieser ersten SMS war „Merry Christmas“. Zu diesem Zeitpunkt gibt es in Deutschland lediglich zwei Anbieter für Mobilfunktarife. Die Preise für Verträge sind entsprechend hoch, rund zwei Mark für eine Gesprächsminute und eine monatliche Grundgebühr von 80 Mark machen das Konzept mobil telefonieren unattraktiv für die breite Masse; ganz zu schweigen von Gerätepreisen jenseits der 2000 Mark. Zuerst schrieb man der SMS keine große Bedeutung zu, sodass dieser Service die ersten zwei Jahre kostenfrei war. Zudem war der Aufwand einer SMS wesentlich geringer, da sie nur einen Bruchteil der Datenmenge eines Anrufs mit gleichem Inhalt hat. Erst 1995 wurde mit den ersten SMS-fähigen Handys das Potenzial offensichtlich und auch erkannt – leider mit dem Nebeneffekt, dass sie ab sofort kostenpflichtig wurde. Jedoch waren rund 36 Pfennig für eine SMS im Vergleich zu einer Gesprächsminute recht erschwinglich und so steigerte sich auch die Zahl der Handyanschlüsse rasant. Flatrates für SMS kamen erst später.

WhatsApp: Der schärfste SMS-Konkurrent

Im Jahr 1999 wurden in Deutschland laut Bitkom rund 3,6 Milliarden SMS verschickt, Tendenz steigend. Die Deutschen verfielen regelrecht in einen SMS-Rausch. In einem Jahr verdreifachte sich die Zahl der gesendeten SMS fast. Nicht einmal 10 Jahre hatte es gedauert bis diese Technologie, der zu Beginn niemand eine bedeutende Rolle zugestanden hätte, aus dem Leben kaum noch wegzudenken war. Im Fernsehen gab es Rekordversuche im Schnelltippen, was dank dem 1995 entwickelten T9, heute unter Autokorrektur bekannt, deutlich leichter von der Hand ging als früher. Auch wenn die Preise für eine SMS nach und nach günstiger wurden, drohte vielen Jugendlichen die Schuldenfalle. Mehrere tausend getippte SMS konnten die Handyrechnung schnell explodieren lassen. Aber neben den normalen Preisen für SMS gab es auch noch andere Fallen, beispielsweise bestand die Möglichkeit per SMS Hintergrundbilder oder Klingeltöne für das Handy zu bestellen, was je nachdem schnell in einem teuren Abonnement endete. Bis zum Jahr 2012 wuchs die Zahl kontinuierlich an. 2006 versendeten die Deutschen rund 20,1 Milliarden Kurznachrichten und im Jahr 2012 unfassbare 59 Milliarden. Bereits 2009 stand mit WhatsApp jedoch der größte Konkurrent in den Startlöchern. Und 2013 wurde die SMS erstmals von WhatsApp überholt. In Zahlen bedeutet das 37 Milliarden verschickte SMS und 48,5 Milliarden WhatsApp Nachrichten. Die Tendenz ist nach wie vor stark steigend für WhatsApp und stark fallend für die SMS: 2016 wurden in Deutschland nur noch 13 Milliarden SMS-Nachrichten verschickt.

Weitere vergessene Dienste: Erinnern Sie sich noch an diese Internetleichen?
0 Kommentare0

Dein Kommentar

(Wenn Sie eine Frage zu Ihrem Vertrag haben oder eine Störung melden möchten, helfen Ihnen unsere Service-Mitarbeiter gerne weiter. Hier finden Sie unsere Kontaktkanäle.)