Kabellos Musikhören: Bluetooth-Sound wird besser

Den Support für Codecs wie aptX, aptX HD und LDAC gibt es seit Android 8.0. Diese Codecs bieten bessere Audioqualität für kompatible Smartphones und Bluetooth-Kopfhörer. Was es genau mit den Codecs auf sich hat und wie man sie nutzen kann, erklären wir hier.

Gute Klangqualität ohne Kabelsalat

Das ist das, was sich viele Nutzer wünschen. Möglich macht das nun auch der Bluetooth Funkstandard mit leistungsfähigeren Codecs für bessere Audioqualität. Bisher reichte die Bluetooth-Klangqualität in den meisten Fällen noch nicht an die Qualität von Kabelverbindungen heran. Grund dafür ist, dass die Daten für die Übertragung über einen schwächeren Standart-Codec komprimiert werden, der auch eine Auswirkung auf die Audioqualität hat. Einige Smartphone-Hersteller haben bereits auf die Kopfhörerbuchse verzichtet und setzen ganz auf den Funkstandard. In diesem Beitrag erklären wir die neuen Bluetooth-Codecs und zeigen, was beim Musikhören via Bluetooth zu beachten ist.

Funktionsweise von Bluetooth und die Vorteile von aptX

Die Funktionsweise der Datenübertragung von Audiodateien basiert auf drei Parametern: Abtastrate, Auflösung und Datenübertragung.

Die Abtastrate wird in kHz pro Sekunde angegeben und sagt aus, wie oft die Klanginformationen, die analog in Schallwellenform vorliegen, in einem Analog-zu-Digitalkonverter gelesen werden. Bei einer Abtastrate von 48 kHz sind es 48.000 Abtastvorgänge pro Sekunde.

Diese Informationen werden beim aptX Standard mit einer Samplingtiefe von 16 Bit verarbeitet, was einen Dynamikumfang, also dem Unterscheid vom leisesten zum lautesten Ton, von 96 dB bedeutet.

Die Datenübertragung gibt an, wie viele Informationen pro Sekunde vom Sender zum Empfänger weitergeleitet werden. Im Regelfall sind es 352 kbit/s.

Unterschiedliche Hersteller unterschiedliche Standards: Was sind aptX HD und LDAC?

Bisher war bei der Audioübertragung per Bluetooth maximal eine Abtastrate von 48 kHz, 16 Bit Samplingtiefe und eine Datenrate von 345 kbit/s möglich. Seit Android 8.0 werden auch Codecs wie aptX, aptX HD und LDAC unterstützt und damit auch das Hörerlebnis mit dem Smartphone verbessert.

Zu den gängigsten Bluetooth-Standards gehören aptX und aptX HD. Entwickelt, bzw. betrieben werden sie von Qualcom und sind innerhalb des Android-Kosmos am häufigsten zu finden. Der aptX Standard unterstützt eine Abtastrate von 48 kHz, bei 16 Bit und einer Übertragung von 352 kbit/s. Bei diesem Standard wird die Musik so komprimiert, dass die Qualität etwas näher an die Übertragung via Klinkenanschluss herankommt.

Die Weiterentwicklung ist der Codec aptX HD, er verspricht eine Samplingtiefe von 24 Bit, bei 48kHz und 352 kbit/s. Durch die erhöhte Samplingtiefe ist eine größere Dynamik der abgespielten Musik vorhanden.

Sony hat mit LDAC einen eigenen Codec entwickelt: Der LDAC Standard verspricht eine bessere Klangqualität als eine CD und spricht von „Hi-Res-Audio“, einem zwar nicht klar definierten Begriff, der aber ein hervorragendes Klangerlebnis verspricht. LDAC bietet eine Übertragungsrate von 990 kbit/s, bei 96 kHz und 24 Bit. Zum Vergleich eine CD hat 44,1 kHz bei 16 Bit. Somit ist die LDAC Technologie der CD auf dem Papier überlegen. Jedoch spielen bei der Bluetooth-Übertragung immer auch äußere Faktoren, wie Wände oder andere Funksignale, von Routern oder Telefonen eine Rolle, die das Ergebnis wahrscheinlich auf das Niveau einer CD kommen lassen.

Das ist beim Musik Hören via Bluetooth zu beachten

Hörerlebnisse sind immer subjektiv und hängen stark von den Präferenzen des Hörers ab, deshalb versuchen wir diesen Punkt so objektiv wie möglich auszuführen. Es ist durchaus möglich, einen klangbezogenen Unterschied wahrzunehmen. Vor allem der qualitative Fortschritt seit der Unterstützung der neuen Codec durch Android 8.0 ist deutlich wahrnehmbar.

Um die neuen Standards nutzen zu können, müssen diese sowohl vom Sender als auch vom Empfänger unterstützt werden. Und was noch viel wichtiger ist: Die Musik, die abgespielt werden soll, muss in hochwertiger Qualität vorliegen.

Nutzt man also Streaming-Dienste wie z.B. Spotify oder Amazon Prime Music, sollte man besonders auf die Streaming-Qualität achten. Hierbei kann es auch schon daran scheitern, wenn die Musik gar nicht in einer entsprechenden Qualität vorliegt, wie es bei einigen kostenfreien Angeboten der Fall ist. Wer also z.B. ausschließlich Musik über Spotify free hört, bekommt nur eine Streaming-Qualität von 160 kbit/s geliefert. So werden Nutzer von neuen Bluetooth Kopfhörern trotz aptX, aptX-HD und LDAC Unterstützung hierbei keinen Unterscheid feststellen.

In der Bezahl-Variante bietet Spotify in seiner App für Android und iOS neben einer niedrigen und hohen auch eine sogenannte „extreme“ Soundqualität. Die niedrige Einstellung liegt bei 96 kbit/s, die hohe bei 160 kbit/s und die extreme bietet mit 320 kbit/s die höchste Qualität. Hierbei ist natürlich zu beachten, dass mit höherer Streaming-Qualität auch der Datenverbrauch steigt. Bei der Download-Variante gilt: Je höher die Soundqualität, desto mehr Speicherplatz wird benötigt. Mit Amazon Prime Music, Unlimited oder Juke sind ebenfalls bis zu 320 kbit/s möglich.

Entscheidet man sich für die Nutzung von LDAC, bietet sich eher gekaufte Musik in CD-Qualität an. Außerdem ist die LDAC Technologie ausschließlich für Sony-Geräte nutzbar und wird es wahrscheinlich auch bleiben. Auch Samsung arbeitet zurzeit an einem eigenen Standard. Jedoch sind aptX und aptX HD weiter verbreitet. Apple hingegen bietet für seine mobilen Geräte noch keine Möglichkeit auf aptX und aptX HD zuzugreifen, Macs können das hingegen schon. Alternativ unterstützt Apple beim iPhone X und iPhone 8 das FLAC-Format. Zudem unterstützt auch das iPhone 7 dieses verlustfreie Audio-Format, wenn man das Update auf iOS 11 vollzieht. Um jedoch das volle Potential des Audioformats nutzen zu können, sind kabelgebundene Lightning-Kopfhörer notwendig. Um FLAC auch über die Bluetooth-Peripherie nutzen zu können, fehlt es leider an der nötigen Bandbreite.

Wer die eigene Mp3-Musiksammlung auf dem Smartphone abspielt und enttäuscht ist, dass sich nichts verändert hat, sollte ebenfalls nachschauen welche Qualität die Mp3-Datei hat. Wenn man Musik z.B. von einer CD in eine Mp3-Datei umwandelt, wird sie komprimiert, d.h. es werden Frequenzbereiche gelöscht, was bis zu einem gewissen Punkt und ohne direkten Vergleich nicht wahrnehmbar ist. Dadurch wird die Mp3-Datei kompakt. Jedoch kann die Komprimierung so stark sein (bis zu 32 kbit/s), dass zu viele Frequenzen fehlen und das Lied nicht mehr gut klingt. Spielt man so eine Datei beispielsweise über LDAC ab, kann dieser Codec die fehlenden Frequenzen auch nicht wieder hinzufügen.

Bilder: Screenshot Spotify

Kategorie: Tipps
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