Roboterjournalisten – automatisierte Berichterstattung

Bereits seit einiger Zeit ist klar, dass Maschinen in der Lage sind, die menschliche Arbeit zu ersetzen. Bekannt ist auch, dass Roboter und Computerprogramme in der Lage sind, Texte zu schreiben und so für Journalisten eine Konkurrenz darstellen. Doch sind Roboter wirklich eine ernst zu nehmende Gefahr für den Beruf des Journalisten und was bedeutet das für uns als Leser, Zuhörer und Zuschauer?

Roboter, kurz „Bots“, schreiben wie gelernte Redakteure Berichte über die unterschiedlichsten Themen. Möglich wird das durch das Programmieren der „Bots“: Mithilfe von Textbausteinen, Daten und deren Verknüpfung können Texte durch Algorithmen generiert werden. Dabei sucht der „Bot“ in  Datenbanken nach Wörtern sowie Textbausteinen und erstellt auf dieser Basis einen Text.

Automatisierter Journalismus

Texterstellende Roboter werden bereits in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, zum Beispiel gibt es „Social Bots“ und auch „Chatbots“, die mit vorgefertigten, programmierten Texten im Chat auf Fragen antworten. „Chatsbots“ werden in erster Linie im Chat und auch im Kundenservice genutzt.

Wie die Roboterjournalisten funktionieren, wird an einem Beispiel deutlich: Endet ein Fußballspiel unentschieden, so befüllt der „Bot“ diese Information mit einer Textvorlage entsprechend. So wird anhand dieser Nachricht das genaue Fußballergebnis bekannt gegeben. Ein weiteres Beispiel ist auch das Erdbeben von 2014 in Los Angeles: Sogenannte „Quakebots“ sind Softwares, die über das Erdbeben in der Zeitung „LA Times“ berichteten. „Bots“ schreiben außerdem inzwischen auch Wetterberichte, Verkehrsmeldungen, Sportberichte und Börsenmeldungen.

Sind „Bots“ die Journalisten von morgen?

Müssen Redakteure nun Angst haben, dass sie bald komplett durch „Bots“ ersetzt  werden? Die Roboter haben einige Vorteile: Sie entlasten die Journalisten bei bestimmten routinierten Textsorten, z. B. kurzen News wie die Lottozahlen, das Wetter, Sportergebnisse etc. „Bots“ können täglich bis zu 90 Mio. Texte schreiben. Innerhalb einer halben Sekunde ist ein ganzer Artikel erstellt. Maschinen werden generell nie krank, müde oder gehen in den Urlaub. Sind sie richtig programmiert, passieren ihnen weniger Fehler.

Unterstützung, aber kein kompletter Ersatz

„Bots“ entlasten Journalisten in ihrer täglichen Arbeit, denn sie übernehmen Artikel, für die die Redakteure keine Recherche mehr aufbringen müssen. Die Texte, die von Robotern geschrieben werden, sind kaum noch von den Texten zu unterscheiden, die von einem menschlichen Redakteur verfasst sind. Der Vorteil: Durch die gewonnene Zeit, kann der Redakteur diese in seine anderen Artikel investieren und qualitativ tiefgründiger für andere Textsorten recherchieren.

„Bots“ beherrschen nur bestimmte Textsorten

Dieses Beispiel zeigt: „Bots“ ersetzen keineswegs die Journalisten, denn es gibt Textsorten, die von einem „Bot“ gar nicht geschrieben werden können, wie zum Beispiel Interviews, Reportagen, Kommentare, Kolumnen etc. Bei bestimmten Textsorten wie beim Interview ist es dringend notwendig, mit dem Interviewpartner zu sprechen und entsprechend während eines Interviews auf den Gesprächsverlauf einzugehen. Das kann ein Roboter bisher noch nicht leisten.

Journalisten sind unentbehrlich

Umfassende Reportagen, die die Erlebnisse und Eindrücke des Autors wiedergeben, können maschinell nicht getextet werden. Auch bei Texten, in denen die Subjektivität des Autors eine große Rolle spielt, wird eine Maschine den Menschen nicht ersetzen können. Denn Redakteure haben auch die Aufgabe, Themen und Sachverhalte einzuordnen und kritisch zu hinterfragen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht denkbar, dass eine Maschine einen Journalisten vollständig ersetzen kann, da ansonsten die Qualität des Journalismus erheblich leiden würde. Allerdings können „Bots“ Autoren zeitlich entlasten, indem sie gezielt für bestimmte Textsorten eingesetzt werden. An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob Texte, die von „Bots“ geschrieben wurden, auch für den Leser als solche kenntlich gemacht werden sollen. So wäre es für den Leser transparent, aus welcher Feder der Text stammt.

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Foto: Shutterstock

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