Container: Die Zukunft der Cloud? – Interview mit Julian Hansert

Gestapelte Container im Hafen

Container-Technologien gelten als mächtige Instrumente zur Lösung der Herausforderungen, die aus den steigenden Anforderungen an Infrastrukturen erwachsen. Worin liegt ihr großes Potenzial, gibt es Trends und vor allem: Für wen lohnt sich der Einsatz der zukunftsweisenden Cloud-Architektur? Wir haben dazu Julian Hansert befragt, Mitgründer von Loodse und Veranstalter der Konferenz ContainerDays, die erstmals am 27. und 28. Juni im Hamburger Hafen stattfindet.

Julian Hansert_lootse

Julian Hansert, Mitgründer des Startups Loodse

Die Container-Technologie ist eines der Trend-Themen aus den USA. Kannst du uns kurz erklären, was sich dahinter verbirgt und was das Besondere daran ist?
Die Ansprüche der Kunden an Websites steigen stetig. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen ihre Betreiber regelmäßig neue Funktionen und Updates anbieten.Gleichzeitig ist das Verständnis für wartungs- oder störungsbedingte Ausfälle und Einschränkungen gering. Hinzu kommen zeitlich begrenzte Belastungsspitzen, wie zum Beispiel während des Weihnachtsgeschäfts im Dezember. Daher benötigen Unternehmen eine zunehmend agile und flexible IT-Infrastruktur. Die traditionelle Infrastruktur hält unter diesen Bedingungen nicht länger Schritt. Cloud-Native-Technologien sind hier die Lösung, bei denen Anwendungen in die Cloud verschoben werden. An dieser Stelle kommen die sogenannten Container ins Spiel.
Container stellen eine isolierte Umgebung für das Ausführen von Prozessen zur Verfügung – das heißt, sie „verpacken“ sozusagen die Anwendungen für ihren Einsatz in der Cloud. Das Besondere dabei ist, dass sich mehrere Container ein gemeinsames Betriebssystem teilen, das sogenannte „Shared Operating System“. Dank diesem System können Container relativ einfach und vor allem sehr effizient gemanagt werden. Für Unternehmen entsteht mit Containern und Clustern eine neue, Cloud-basierte IT-Infrastruktur, die wesentlich schlanker und effizienter, aber gleichzeitig auch maximal flexibel und anpassungsfähig ist.

Für wen ist diese Technologie interessant? Gibt es besonders geeignete Einsatzfelder, die durch Container profitieren?
Prinzipiell ist die Container-Technologie für alle Unternehmen interessant, die im Netz auf reaktionsschnelle, interaktive Anwendungen angewiesen sind oder ein großes Datenaufkommen bewältigen müssen. Das Paradebeispiel dafür ist natürlich der Online-Handel. Darüber hinaus gibt es aber noch unzählige weitere Verwendungs- und Einsatzmöglichkeiten für Container, von der Beschleunigung von Big Data-Analysen bis hin zur Optimierung von internen Prozessen. Mit ING setzt beispielsweise schon heute einer der zehn größten Finanzdienstleister weltweit auf Docker-Container, um einen schnelleren und besseren Kundenservice anbieten zu können. In den USA steigen aber auch immer mehr der Fortune 500-Unternehmen aus dem Gesundheits-, Pharma- oder Versicherungswesen auf Container um. Diese Entwicklung wird sicher auch für Europa und Deutschland richtungsweisend sein.

Gibt es Trends innerhalb der Container-Bewegung, die diesen Bereich aktuell bestimmen? Was sind künftige Entwicklungen?
Ich mache derzeit drei große Trends aus.
Erstens: Der Wettbewerb zwischen den Anbietern von Container- und Orchestrierungstools hat sich in den vergangenen Monaten verschärft. Das ist ein klarer Beleg für das Potential der Technologie. Außerdem wird dieser Wettbewerb zu einer extrem hohen Innovationsgeschwindigkeit im Bereich Container führen. Es wird also spannend!
Zweitens: Derzeit setzen vor allem zukunftsorientierte Online-Händler wie eBay auf Container-Technologien. Ich rechne damit, dass sich Container im Bereich E-Commerce besonders schnell als Standard-Technologie etablieren und andere Branchen dann sukzessive nachziehen.
Drittens: Nachdem Container in den Vereinigten Staaten schon lange ein großes Thema sind, schwappt dieser Trend nun nach Europa und Deutschland über. Mit Zalando, Otto oder Sixt haben die ersten deutschen Unternehmen ihre IT in Teilen auf Containersysteme umgestellt. Die europäische Branche wird sich in den kommenden Jahren weiter ausbreiten und professionalisieren.

Bisher waren Container-Infrastrukturen eher eine Nischenerscheinung, mit der sich nur ein geringer Anteil der ITler beschäftigte. Markiert euer neues Event-Format „ContainerDays“ einen neuen Abschnitt, der verfolgt, diese Cloud-Technologie einer breiteren Masse zugänglich zu machen?
Die ContainerDays sind ein Meilenstein. So zeigt die Sprecherliste mit Vertretern von 1&1, Zalando, Google oder Soundcloud ganz deutlich, dass IT-Container in Deutschland längst kein Nischen-Thema mehr sind. Allerdings stimmt es, dass sich in Deutschland bislang vor allem sehr IT-affine, innovative Unternehmen mit Containern beschäftigen – das soll und wird sich ändern. Mit den ContainerDays haben wir in Deutschland die notwendige zentrale Plattform geschaffen, um dieser Zukunftstechnologie auch in der breiteren Masse zum Durchbruch zu verhelfen.

Vielen Dank für das Interview!

 

Julian Hansert ist Mitgründer von Loodse, einem Hamburger Start-up, das Unternehmen beim Einsatz von Container- und Clustertechnologien berät und unterstützt. Außerdem richtet Julian Hansert gemeinsam mit seinem Partner am 27. und 28. Juni 2016 die ContainerDays in Hamburg aus. Zuvor arbeitete er jahrelang als Account Manager beim weltweit führenden IT-Konzern für Datenspeicher-Lösungen EMC in München.

 

Bilder: pixabay.com / chrishoefliger; ContainerDays

Kategorie: Developer | Netzkultur | Netzwelt
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