re:publica 2016: Wie wollen wir in und mit dem Netz leben?

Besucher beim Google Cardboard Flashmob am 03.05.2016 auf der re:publica in Berlin. Foto: re:publica/Jan Zappner CC BY 2.0

Mit rund 800 Rednern und 7.000 Teilnehmern hat die re:publica in dieser Woche vom 2. bis zum 4. Mai bereits zum zehnten Mal in Berlin stattgefunden. Was einst als Konferenz von Bloggern und für Blogger startete, ist heute die größte Digitalkonferenz Europas und Treffpunkt für alle Netzenthusiasten und Digitalexperten.

Auch in diesem Jahr waren wieder einige Kolleginnen und Kollegen von 1&1 vor Ort und berichten euch in den kommenden Tagen hier im Blog von ihren persönlichen #rpTEN-Erlebnissen. Den Anfang macht unsere re:publica-Novizin Salomé Weber aus dem Access-PR-Team.

In diesem Jahr stand die re:publica unter dem Motto „TEN ist NET“. Gemeinsam blickten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bei mehreren hundert Stunden Programm auf 16 Bühnen oder privaten Gesprächen und spontanen Meetups auf die Themen und Schwerpunkte vergangener Jahre zurück und entwickelten Visionen für die Zukunft.

Wie wollen wir in und mit dem Netz leben?

Sascha Lobo mit dem Thema "The Age of Trotzdem" am 02.05.2016 auf der re:publica in Berlin. Foto: re:publica/Jan Zappner CC BY 2.0

Sascha Lobo mit dem Thema „The Age of Trotzdem” am 02.05.2016 auf der re:publica in Berlin. Foto: re:publica/Jan Zappner CC BY 2.0

Eine der zentralen Fragen, die die Netzgemeinde auf mehreren Ebenen beschäftigte, lautete: „Wie wollen wir in und mit dem Netz leben”? Sascha Lobo, Netzikone, Journalist, Blogger und Buchautor, zeigte sich enttäuscht von den Entwicklungen der letzten Jahre: „Wir sehen eine Welt, in der die Lage so Mittel ist“, konstatiert er zunächst, fordert die Zuschauer dann aber – passend zum Titel seiner Rede: „The Age of Trotzdem“ – auf, trotz der aktuellen Entwicklungen (Terrorismus, Vorratsdatenspeicherung und der Aufstieg der rechtspopulistischen Parteien) nicht zu resignieren. Die Internetnutzer sollen wieder selbst aktiv werden und das Netz mitgestalten.

Ist Snapchat eigentlich auch etwas für Erwachsene?

Zwei Redner waren während der re:publica per Skype zugeschaltet. Der wohl bekannteste Whistleblower der Welt, Edward Snowden, und der 15-jährige Joshi. Während Snowden vor staatlichen Überwachungsapparaten und datenhungrigen Unternehmen warnt, erklärt Joshi den Zuschauern seine neue Lieblingsapp Snapchat.

Neben der Übertragung per Skype haben Joshi und Snowden noch etwas gemeinsam, denn auch Joshi ist der Schutz seiner persönlichen Daten wichtig. Allerdings will er seine Daten nicht vor den Blicken der NSA oder privaten Unternehmen schützen, sondern vor allem vor seinem zukünftigen Arbeitgeber und seinen Eltern – deshalb nutzt er die App Snapchat, bei der alle veröffentlichten Bilder und Videos nach spätestens 24 Stunden gelöscht werden.

Ausschnitt einer Snapchat-Story von der re:publica. (c) Salomé Weber

Ausschnitt einer Snapchat-Story von der re:publica. (c) Salomé Weber

Glaubt man den Diskussionen und Vorträgen auf der re:publica, dann ist Snapchat der neue Stern – ääh Geist – am Social Media Himmel. Hat man die App einmal verstanden, ist sie unkomplizierter als Facebook, authentischer als Instagram und weniger zeitaufwendig als YouTube – so jedenfalls die Meinung der Snapchat-Enthusiasten. Während sich die einen beim „Happy Snapping-Event“ vom aktuellen Hype mitreisen lassen, fragen die anderen bereits nach dem Ablaufdatum: „Snapchat ist cool. Wie lange noch ungefähr?“ Auf diese Frage hat selbst Joshi keine Antwort.

Wie werden wir in Zukunft arbeiten?

„Arbeiten 4.0 - Town Hall Meeting mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles“ am 03.05.2016 auf der re:publica in Berlin. Foto: re:publica/Gregor Fischer CC BY 2.0

„Arbeiten 4.0 – Town Hall Meeting mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles“ am 03.05.2016 auf der re:publica in Berlin. Foto: re:publica/Gregor Fischer CC BY 2.0

Das Internet verändert nicht nur unsere Kommunikation, sondern auch die Art und Weise, wie wir arbeiten. Unter dem Motto #Arbeitviernull hatte die Arbeitsministerin Andrea Nahles zu einer offenen Diskussionsveranstaltung geladen. Die Fragen der Zuschauer reichten von Arbeitsbedingungen in Co-Working-Spaces über flexiblere Arbeitszeiten bis hin zu bürokratischen Strukturen, die den Arbeitsalltag behindern. Konkrete Ergebnisse gab es bei dieser offenen Diskussion zwar noch nicht, trotzdem wurden spannende Entwicklungen in der Arbeitswelt deutlich.

Wie wollen wir mit Hasskommentaren im Netz umgehen?

Firas Alshater (Zukar) mit einer Keynote am 03.05.2016 auf der re:publica in Berlin. Foto: re:publica/Gregor Fischer CC BY 2.0

Firas Alshater (Zukar) mit einer Keynote am 03.05.2016 auf der re:publica in Berlin. Foto: re:publica/Gregor Fischer CC BY 2.0

Am zweiten Tag der re:publica beschäftigten sich gleich mehrere Debatten mit der Problematik der Hasskommentare im Internet. Ino Augsberg, Rechtsphilosoph von der Universität Kiel, warnte davor die Verantwortung in Sachen Hate Speech privaten Unternehmen zu überlassen. Anstelle privater Unternehmen wie Facebook und Co. oder nicht-öffentlicher Arbeitsgruppen sollte sich der Rechtsstaat mit diesem Thema befassen.

YouTuber Firas Alshater will den Hasskommentaren mit Toleranz, Geduld und Humor begegnen: „Alle Menschen lachen in derselben Sprache“, sagte er und ergänzt: „Humor ist der beste Weg, um das Herz der Menschen zu öffnen.“

Wie sehen Fernseh- und Film-Formate der Zukunft aus?

Abtauchen in die virtuelle Realität mit 360 Grad Videos. (c) Salomé Weber

Abtauchen in die virtuelle Realität mit 360 Grad Videos. (c) Salomé Weber

Einen spannenden Einblick in die Zukunft der Film- und Fernsehbranche lieferten die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ZDF und arte, die ihre neuesten 360 Grad Film-Projekte vorstellten. Während das ZDF die Zuschauer in das Innere eines Vulkans führt, setzt arte auf eine experimentelle Produktion mit dem Künstler und Tankstellenliebhaber Friedrich Liechtenstein: Zwei sehenswerte Projekte, die das Erzählen von Geschichten auf eine völlig neue Ebene bringen. Es ist nun nicht länger die Kamera, die den Blick des Zuschauers lenkt, sondern der Zuschauer selbst, der bestimmt, wohin er seine Aufmerksamkeit richten möchte.

Ich bin schon gespannt darauf, wie sich diese Projekte und die anderen Themen, mit denen sich die Teilnehmer der re:publica in diesem Jahr beschäftigt haben, entwickeln und welche Fragen die Netzgemeinde im nächsten Jahr bewegen werden. Wer weiß … vielleicht ist Snapchat dann schon wieder uncool.

Fotos:

Beitragsbild:

Besucher beim Google Cardboard Flashmob am 03.05.2016 auf der re:publica in Berlin. Foto: re:publica/Jan Zappner CC BY 2.0 / Quelle: www.flickr.com/re-publica

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und Salomé Weber, 1&1

Kategorie: Netzkultur | Netzwelt
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