Smartphone-Fotografie im Social Web: EyeEm und Instagram

EyeEm und Instagram

Der Dieb, der Florian Meissners Kamera in einer New Yorker U-Bahn klaut, ahnt wahrscheinlich nicht, dass er mit seiner Aktion den Grundbaustein für eine der derzeit erfolgreichsten Foto-Apps legt. Eigentlich ist der Berliner nach New York gereist, um als Fotograf zu arbeiten. Bedeutet der Verlust der Kamera nun das Ende seines großen Traums? Ja, nein … Jein, denn Florian Meissner hat eine Idee: Er fotografiert einfach mit seiner Smartphone-Kamera. Aus dieser Notlösung entsteht im Jahr 2011 das Geschäftsmodell für die Foto-App EyeEm. Mit der App kann man Fotos einfach und schnell bearbeiten, teilen und sogar verkaufen. Letzterer ist einer der entscheidenden Punkte, der EyeEm vom vermeintlich größten Konkurrenten Instagram unterscheidet.

Instagram Filter Crema

Mit den Filtern von Instagram lässt sich (fast) jedes Foto verschönern.

Ähnlich wie Florian Meissner, der EyeEm mittlerweile als CEO leitet, ist auch der Erfinder der Foto-App Instagram ein begeisterter Fotograf. Kevin Systrom studiert Kunstgeschichte in Florenz und experimentiert mit analoger Schwarz-Weiß Fotografie. Beim Einfärbern der Filme in der Dunkelkammer kommt ihm plötzlich der Gedanke:”Wie wäre es, wenn man das auch digital machen könnte?” Das ist die Geburtsstunde der Instagram-Filter. Zwei Jahre später, im Jahr 2012 zahlt Facebook einen Übernahmepreis von einer Milliarden Dollar für die Foto-App. Nutzungsbedingungen werden geändert und viele Benutzer sehen sich nach Alternativen um. Das ist die Chance, auf die EyeEm gewartet hat: Nach Facebooks Übernahme des vermeintlichen Konkurrenten verzehnfacht die App ihre Nutzerzahlen und befreit sich aus dem Nischendasein. Aber auch die Nutzerzahlen von Instagram sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, trotz oder vielleicht sogar wegen der Übernahme von Facebook.

EyeEm oder Instagram – wo liegen die Unterschiede?

Instagram Foto-Bearbeitung

Die Foto-App Instagram bietet vielfältige und einfach zu bedienende Bearbeitungs-Tools.

Der größte Unterschied zwischen beiden Apps liegt meiner Meinung nach in der eigenen Selbstwahrnehmung und -darstellung: Instagram präsentiert sich als App mit der jeder ansprechende Fotos schießen kann: Ein vorgegebenes Format, ein einfaches Bearbeitungsprogramm mit bunten Filtern und eine Vielzahl von teils lustigen Hashtags, mit denen Fotos leicht auffindbar gemacht werden sollen. EyeEm sieht sich hingegen eher als Plattform für hochwertigere Smartphone-Fotografien: Weniger #Skyporn dafür wertvolle Momentaufnahmen aus dem „echten Leben”. Passend dazu gibt es von EyeEm initiierte Wettbewerbe – sogenannte „Missions” und einen Marktplatz „Market Place”, auf dem die Nutzer ihre Fotos verkaufen können.

EyeEm Market landing page desktop

Meine persönliche Erfahrung hat mir allerdings gezeigt, dass Instagram mehr ist als: #Foodporn und #CatsofInstagram. Auf der Plattform tummeln sich einige großartige Fotografen, deren Bilder für mich und viele andere eine tolle Inspirationsquelle darstellen. Außerdem gibt es mittlerweile Apps mit denen man den „Formatzwang” umgehen (wie zum Beispiel Square InstaPic für Android und Trim für iOS) und seine Fotos auch fernab der bunten Filter bearbeiten kann. So wie es auf Instagram auch tolle unbearbeitete Fotografien gibt (#nofilter), finden sich auf EyeEm eben auch die obligatorischen Selfie-Künstler und Essensfotografierer. Ist das schlimm? Nein! Denn warum soll ein Selfie oder ein Bild von einem Stück Kuchen qualitativ weniger hochwertig sein als ein Foto von einer Landschaft? Die Qualität von Bildern und die Definition von Kunst liegt immer im Auge des Betrachters.

Welche App ist die Richtige für mich?

Beide Apps haben ihren ganz eigenen Charme. Es ist faszinierend, wie manche Fotografen es schaffen, tolle Fotos in ein kleines, nicht vergrößerbares Quadrat zu packen. Ich mag auch den Retro-Look dieses Formats und nutze Instagram persönlich sehr gerne, um meine Landschafts- und Naturfotografien zu teilen. An EyeEm gefällt mir, dass ich meine Fotos nicht an eine bestimmte Form anpassen muss, dass ich dort aktuell eine ganz andere, „realistischere” beziehungsweise dezenter bearbeitete Art von Fotografien finde, dass ich die Möglichkeit habe meine Fotos zu verkaufen und an Wettbewerben teilzunehmen. Welche App die Richtige ist, das muss jeder selbst entscheiden. Beide haben ihre individuellen Vor- und Nachteile bezüglich der Darstellung der Fotos, der Bearbeitungsoptionen oder der Nutzungsbedingungen. Wählt die App, die euch am besten gefällt – oder teilt eure Fotos einfach auf beiden Plattformen.

EyeEm und Instagram Screenshots

Ich mag beide Apps und bin deshalb auch auf beiden Plattformen unterwegs.

Habt ihr Lust auf mehr?

Warum nur Instagram und EyeEm? Warum nicht Pinterest, Flickr, Tumblr, 500px oder Snapchat? Das sind doch alles Netzwerke, die sich auf das Teilen von Fotos spezialisiert haben, oder? Diese beiden Fragen könntet ihr euch stellen, wenn ihr meinen Beitrag gelesen habt. Deswegen möchte ich die Antworten hier vorweg nehmen: Ich konzentriere mich in diesem Beitrag auf Instagram und EyeEm, da sich beide Netzwerke – anders als Pinterest, Flickr, Tumblr und 500px – auf Smartphone-Fotografie spezialisiert haben. Klar, es gibt dort auch Fotos, die mit Kompakt- oder DSLR-Kameras aufgenommen wurden, aber beide Plattformen wurden mit der Intention kreiiert, Nutzern das direkte Bearbeiten und Teilen ihrer Smartphone-Fotografien zu erleichtern.

Was denkt ihr über EyeEm und Instagram? Welche App mögt ihr lieber und habt ihr Interesse an einem weiteren Beitrag zu anderen Foto-Apps und Plattformen wie Pinterest, Flickr, Tumblr, 500px oder Snapchat? Dann schreibt uns einen Kommentar!

Fotos: EyeEm, Instagram & Screenshots

Kategorie: Mobil Surfen | Produkte
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