Wie unsere Daten langsam zur Waffe gegen uns selbst werden

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Im Jahr 2014 begann der „normale“ Internetnutzer zu hinterfragen, wie das Internet genau arbeitet und welche Auswirkungen es auf unser Leben hat. Bereits vor 30 Jahren, im Jahr 1984, zeichnete Schriftsteller George Orwell in seinem Roman „1984“ seine Vision über eine massive Staatskontrolle und Datennetzwerke, die uns rund um die Uhr kontrollieren und überwachen. 1994 kam die Beta-Version des ersten Tracking Cookies – und plötzlich war es möglich nachzuverfolgen, auf welchen Seiten wir uns im Netz bewegen. Der Grundstein für den virtuellen Fingerabdruck, den wir im Internet hinterlassen, war gelegt.

Ebenfalls zehn Jahre ist es her, seit Google mit Gmail den Begriff der Privatheit veränderte. Unsere E-Mails wurden „mitgelesen“ und wir bekamen inhaltsbezogene Werbung angeboten – passend zu unseren Gesprächsthemen. Dennoch wurde Gmail zum größten E-Mail-Anbieter weltweit und verdeutlichte indirekt, dass wir scheinbar mit der Überwachung einverstanden sind, als Preisgabe für die guten und kostenlosen Services.

Bald schon wurde Gmail von Facebook übertroffen, in vielerlei Hinsicht: Das soziale Netzwerk zog sogar noch mehr Nutzer an als Gmail, obwohl persönliche Daten und private Unterhaltungen der Nutzer verwendet wurden, um passgenaue Werbung zu platzieren. Schenkt man Personen oder Unternehmen ein „Gefällt mir“, ermöglicht man Facebook, ein noch klareres Bild seiner Nutzer zu bekommen.

Als letztes Jahr enthüllt wurde, dass Daten im großen Stil an nationale Geheimdienste gingen, sorgte dies für Beunruhigung. Zudem wurde aufgedeckt, dass Facebook gezielt versucht hat, Nutzer zu beeinflussen (Social Contagion) – für manche Grund genug, über eine Abmeldung bei dem sozialen Netzwerk nachzudenken. Damit wurden unsere Daten nicht mehr nur passiv genutzt, um uns zielgerichtet Werbung zu präsentieren– nun ging es darum, mit uns befreundete Personen emotional miteinzubeziehen. Unsere Daten sind somit eine Waffe geworden, um Gefühle zu beeinflussen.

 Was passiert, wenn unsere Daten gegen uns verwendet werden?

Lange Zeit kursierten Gerüchte, dass im Silicon Valley große Datenmengen gehortet wurden, um einen Weg zu finden, um mit unseren Daten über die reine Werbung hinaus Geld zu verdienen. Versicherungsgesellschaften würden sich über einen Einblick in unser Leben freuen, wie ihn Google und Facebook haben. Aber was würde passieren, wenn die Krankenversicherung wüsste, dass man seiner Stammkneipe jede Nacht einen Besuch abstattet und auf dem Heimweg noch einen Döner verdrückt? Würden Sie den Top-Status bei Ihrer Autoversicherung verlieren, wenn bekannt wäre, dass Sie regelmäßig Ihren besten Kumpel in der zwielichtigsten Gegend der Stadt besuchen?

Google entlockt uns täglich die privateste aller Informationen: die eigene Krankenakte. Suchen wir in der Suchmaschine nach Ärzten oder Medikamenten, ist Google informiert. Google-Gründer Larry Page behauptet, auf diese Weise werden jährlich 100.000 Leben gerettet. Doch wo ist die Grenze? Ist eine Organisation, die schon jetzt Werbung an Versicherungen und Pharmaunternehmen verkauft, der richtige Hüter unserer Krankheitsgeschichte?

Was ist der Unterschied zwischen Informationen, die wir wirklich brauchen, und solchen, die wir nur sehen, weil Google dafür bezahlt wurde? Wir werden von Google und Facebook mit Hilfe unserer eigenen Daten manipuliert. Diese Waffe mag vielleicht noch nicht voll einsatzfähig sein, sie wird aber mit jedem Klick, jeder App und jedem „Gefällt mir“ mächtiger.

Doch wir sind den IT-Giganten aus dem Silicon Valley nicht vollkommen ausgeliefert! Von 1.000 Nutzern in Deutschland, die wir kürzlich befragt haben, gaben 169 an, dass sie Ihren Facebook-Account nicht mehr nutzen. 88 gaben an, dass sie den Google-Diensten den Rücken gekehrt haben. Zumindest für Kommunikation und Teamarbeit gibt es Alternativen im Markt, die es eben nicht nötig haben, die E-Mails ihrer Nutzer zu bespitzeln – weil die Dienste eben einen Preis haben, den der Kunde bezahlt. Einer dieser Dienste ist 1&1 MailXchange – dessen Software von Open-Xchange kommt.
Rafael LagunaÜber den Autor:

Rafael Laguna ist CEO und Mitgründer der Open-Xchange AG, die mit mehr als 120 Mitarbeitern in Olpe, Hamburg und Nürnberg Kommunikations- und Collaboration-Software für Internetdienstleister wie 1&1 entwickelt.

 

 

 

Bilder: Open-Xchange/iStock

Kategorie: Netzkultur
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