Gastbeitrag: 5 Tipps für gute Smartphone-Fotos – von blendstufe.de

Hallo liebe Leser, mein Name ist Benno und ich betreibe seit mehr als zwei Jahren den Fotografie-Blog www.blendstufe.de. Die Fotografie ist meine Leidenschaft und ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Das Sammeln privater Momente, das Festhalten von Erlebnissen und das gezielte Einrahmen von Szenen für die Ewigkeit ist besonders auch für die meisten Smartphone-Besitzer eine der wichtigsten Aufgaben ihrer Geräte. Deshalb freue ich mich, zusammen mit dem 1&1 Blog eine kleine Serie vorzustellen. In insgesamt fünf Teilen werde ich euch Praxistipps rund um die Fotografie mit dem Smartphone geben. Die kleinen megapixelstarken Alleskönner haben das Ende einer Ära eingeläutet und verweisen herkömmliche Digitalkameras mehr und mehr auf die unteren Verkaufsränge.

Doch wie bei herkömmlichen Kameras geht es auch bei der Kamera im Smartphone um die Wahl der gestalterischen Mittel und so möchte ich in diesem Artikel darauf eingehen, welche Möglichkeiten man hat, sein Foto besser zu gestalten.

Etwas erzählen

Ein gutes Foto soll nicht nur einen denkwürdigen Augenblick festhalten oder eine schlichte Erinnerung sein. Denn was nutzen Erinnerungen, die auf einer Festplatte „verstauben” und die niemand mehr anschaut? Daher ist es um so wichtiger, nicht einfach nur einen Augenblick einzufangen, sondern vielmehr auch eine Geschichte zu erzählen. Ein Foto fasziniert, wenn es den Betrachter abholt, ihn in den aufgenommenen Moment einbindet oder durch interessante Linien oder Blickwinkel begeistert. Überlegt euch deshalb bereits vor dem Auslösen, was der Bildbetrachter, der nicht mit euch vor Ort war, auf eurem Foto sehen muss, um die Situation zu erfassen und spannend zu finden.

POV

Die Drittel-Regel oder der goldene Schnitt

(http://de.wikipedia.org/wiki/Drittel-Regel)

Ein Foto steht und fällt mit dem ersten Schritt: der Wahl des Bildausschnittes. Viele Fotografen neigen dazu, das Objekt in die Mitte zu rücken. Mittig im Bild platziert geht dabei allerdings oft die Spannung verloren. Der Betrachter sieht zwar das Objekt, aber nicht den Rest der Szenerie. Außerdem wirken mittig platzierte Objekte oft sehr langweilig. Die „Drittel-Regel” besagt deshalb, dass man sein Foto gedanklich in neun Felder teilen soll, mit zwei waagerechten und zwei senkrechten Linien. Nun gilt es, das Motiv des Fotos an den Kreuzungen dieser Linien auszurichten, um das Foto auf diese Weise spannender zu gestalten und mehr zu erzählen.

Viele Kameras und auch viele Smartphones bieten dafür das so genannte „Bildraster”, welches eine optische Darstellung dieser Linien zeigt. Somit kann der Fotograf sein Lieblingsmotiv anhand der Hilfslinienschnittpunkte positionieren und deutlich mehr aus seinem Foto machen.

goldener Schnitt

Licht und Belichtung

Kameras mit diversen Automatikprogrammen neigen dazu, ein Bild immer korrekt zu belichten. Das ist zwar oft hilfreich, im Hinblick auf die gezielte Gestaltung eines Fotos kann es allerdings sehr nützlich sein, zu experimentieren und die automatische Belichtung auszuschalten. Besonders bei Smartphones misst die Kamera die Belichtung an der Stelle des Fokuspunktes. Also an dem Punkt, an dem das Foto scharf sein soll. Fotografiert man zum Beispiel Landschaften, kann man den Fokuspunktes in die helleren Bereiche des Bildes setzen, um so eine stimmungsvollere Aufnahme zu inszenieren. Denn die Belichtungsmessung der Kamera versucht die Helligkeit auszugleichen und wird das Bild etwas dunkler belichten. Dadurch erhält der Fotograf zum Beispiel dunklere und stärker gezeichnete Wolken. Es lohnt sich also, mit genau dieser Belichtungsmessung zu experimentieren.

Belichtung (1) Belichtung (2)

Das Licht ist das wichtigste Element beim Fotografieren. Es entscheidet über die Schatten, über die Lichtstimmung, die Belichtung und je nach Wahl der Lichtquelle auch über die Wärme und Lichtfarbe. Am besten lässt sich das nachvollziehen, wenn ihr experimentiert: Macht Fotos in der prallen Mittagssonne, kurz vor Sonnenuntergang oder während des Sonnenaufgangs. Ihr werdet schnell feststellen, welche Lichtstimmung ihr bevorzugt und wenn ihr euch zum Beispiel bei Portraits die Schatten im Gesicht anschaut, bekommt ihr schnell eine Idee von der richtigen Lichtgestaltung. Zum Thema Blitz werde ich euch im nächsten Teil der Blogserie mehr erzählen.

Lichtstimmung

RAW

(http://de.wikipedia.org/wiki/Rohdatenformat_(Fotografie))

Moderne Kameras auf Android und Windows Phone Basis bieten zunehmend die Option, ein Foto nicht nur im bekannten JPG-Format aufzunehmen, sondern auch im Rohdatenbildformat (sprich: RAW). Ein JPG ist ein komprimiertes Rohdatenbild. Eure Kamerasoftware analysiert das Rohdatenbild, entscheidet, welche Einstellungen bezüglich Schärfe, Tiefen, Lichter und Sättigung es für richtig hält und spuckt euch danach ein JPG aus. Wer nun deutlich mehr aus seinen Bildern machen möchte und selbst die kreative Oberhand über seine Rohdaten behalten will, der kann in der Kamerasoftware den Aufnahmemodus auf RAW umstellen. Daraus ergeben sich sowohl Vorteile als auch Nachteile. Deutlichster Nachteil ist wohl der Speicherbedarf. Da ein Rohdatenbild schlichtweg einfach alle Daten enthält, die vom Sensor kommen, braucht es ein Vielfaches an Speicher gegenüber einem JPG. Außerdem lässt sich ein RAW-Foto nicht einfach zum Beispiel auf Facebook teilen. Vielmehr müsst ihr das Foto vorher am PC selbst entwickeln, mit Software wie Adobe Lightroom oder Lightzone. Dafür habt ihr aber den Vorteil der uneingeschränkten Nachbearbeitung und könnt an einem RAW-Foto manipulieren, ohne einen Detailverlust zu befürchten.

„Aber ich fotografiere doch nur mein Essen für Instagram”

Immer mehr Anwender neigen dazu, ihr Leben mit der Smartphone-Kamera zu dokumentieren. Das macht Spaß, befüllt das Facebook-Profil und ist schnell gemacht. Auch bei diesen Fotos kann man mehr herausholen. Die gestalterischen Mittel reichen von der Anordnung des Essens auf dem Teller, parallel, diagonal oder überlappt, bis zur Gestaltung der Lebensmittel selbst. Fotograf Ben Jaworskyi hat dafür auf Youtube ein ganz cooles Video für euch.

Fazit

Das Foto beginnt beim Auslöser. Das gute Foto schon viel früher. Fotografiert bewusst, überlegt euch vorher, wie ein Bild aussehen soll. Holt euch Bildanregungen im Internet und versucht die Bilder ruhig zu imitieren, spielt dabei mit Belichtung, Schärfe und Bildauswahl und lernt dadurch stetig dazu. Egal ob auf Omas 60. Geburtstag, draußen im Wald, auf den Bahamas oder bei Starbucks – aus nahezu jedem Foto kann man mehr rausholen. Probiert einfach mal etwas anderes. Vergesst, was man euch über Do und Don’t gesagt hat und findet euren eigenen Weg der Gestaltung.

Im nächsten Teil der Serie gehe ich auf die gröbsten Fehler ein, die man als Smartphone-Fotograf machen kann und erkläre euch, wie man sie am besten vermeidet. Im ersten Teil hatte ich bereits einen Überblick über gute Smartphone-Kameras gegeben.

Kategorie: Mobil Surfen | Netzkultur | Produkte
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