„E-Government“ steht für das Versprechen einer digitalen Verwaltung, die Behördengänge genauso einfach macht wie Online-Shopping, E-Mail oder digitale Videotheken es längst sind. Aber wie sieht die Realität aus? Das hat der IT-Branchenverband BITKOM kürzlich in einer Umfrage untersucht: Demnach nutzen ca. die Hälfte der Deutschen (49 %) zumindest gelegentlich das Internet, um sich amtliche Formulare herunterzuladen, Anträge online an Behörden zu schicken oder um Auskunft zu bitten. Zum Vergleich: In Dänemark nutzten bereits 85 Prozent der Einwohner solche Dienste. Immerhin: Laut BITKOM liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz zehn und über dem europäischen Durchschnittswert von 41 Prozent.

E-Government - Warten auf die Killer-Apps

E-Government - Warten auf die Killer-Apps

Zwei Dinge sind hierzu anzumerken: Zum einen hat sich die Zahl seit 2009 praktisch nicht verändert. Mit anderen Worten: E-Government stagniert also auf der Nutzerseite! Fünf Jahre ohne Wachstum sind im digitalen Umfeld eine halbe Ewigkeit. Zum anderen: Schaut man genauer auf die in der Umfrage abgefragten Aktivitäten dann sieht das Bild eigentlich noch düsterer aus. Denn das Herunterladen eines Formulars ist Lichtjahre entfernt von echtem E-Government im Sinne eines Full-Service-Anspruchs, also der Abwicklung kompletter Behördengänge online. Die Servicekluft zwischen Verwaltung und anderen Online-Diensten ist also eigentlich noch deutlich größer.

Diese unbefriedigende Entwicklung ist natürlich auch der Politik nicht entgangen. Unter anderem deshalb hatte noch die vorherige schwarz-gelbe Koalition im Sommer 2013 das sog. E-Government-Gesetz verabschiedet, mit welchem der digitalen Transformation der Behörden in Deutschland ein Schub verpasst werden soll.

Ob dies gelingt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Wesentliche Vorschriften des Gesetzes treten morgen, am 1. Juli 2014 endlich in Kraft.  Dazu gehört vor allem die Pflicht für Bundesbehörden, gegenüber Bürgerinnen und Bürgern überhaupt einen sog. „elektronischen Zugang“ zu eröffnen, was nichts anderes heißt, als das zumindest ein elektronisches Kontaktformular bereitgestellt werden muss. Außerdem kann ab Juli dort, wo bisher in Behördenangelegenheiten Schriftform notwendig war, künftig auch via De-Mail kommuniziert werden – ein überfälliger Schritt, um auf Papier künftig gänzlich verzichten zu können.  

Reicht das, um E-Government zum Durchbruch zu verhelfen und die immer noch fast sprichwörtlichen  Warteschlangen auf den Ämtern zu einem historischen Relikt zu machen? Sicher nicht! Vor allem bedarf es endlich Anwendungen, die Bürgerinnen und Bürgern einen echten Mehrwert bieten und vor allem Zeit sparen. Die nicht  nur die Terminvereinbarung für Behördengänge digitalisieren, sondern die Behördengänge selbst obsolet machen. Wieso Elterngeld oder KITA-Platz nicht online beantragen und verwalten? Wieso die KfZ-Anmeldung nicht von A bis Z online durchführen? Wieso den Reisepass nicht online beantragen und belohnt werden mit schnellerer Bearbeitung? Und wieso das alles nicht auch über bundesweit möglichst einheitlich gestaltete Angebote?

E-Government entscheidet sich in der Praxis, nicht auf dem Papier. Was fehlt sind die Killer-Apps, die eine digitale Verwaltung für die Nutzer anfassbar machen. Mit anderen Worten: Die deutsche E-Government-Landkarte  sollte am Ende etwas weniger nach Landkarte und deutlich mehr nach "App-Store" aussehen.