Social TV und die Zukunft des Fernsehens

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Das Internet als Totengräber des Fernsehens – Microsoft-Gründer Bill Gates sah darin ein realistisches Szenario. Doch einige Trends der jüngeren Zeit zeigen, wie sich die beiden Medien ergänzen können. Interaktives Fernsehen, sogenanntes Social TV, gewinnt an Bedeutung. Mittlerweile nutzt die Mehrheit der TV-Zuschauer in Deutschland einen zweiten Bildschirm, den so genannten „Second Screen”, während sie fernsieht – ein Laptop, Tablet oder Smartphone.

Eine Studie der MTV-Mutter Viacom untersuchte das Verhalten und die Social Media-Nutzung während des Fernsehens. Für die viele Nutzer steht dabei nicht der Austausch und die Kommunikation in sozialen Netzwerken im Vordergrund, sondern die funktionelle Nutzung. Die Zuschauer informieren sich über Ausstrahlungszeiten oder suchen Neuigkeiten sowie exklusive Informationen aus und über die Sendung.

Gut ein Drittel der Second Screen-User ist jedoch in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter unterwegs. Besonders die Möglichkeit sich mit anderen Zuschauern, dem Format oder der Marke auszutauschen, macht Social TV für viele so spannend. Durch die geteilte Aufmerksamkeit verschwimmen die Grenzen der verschiedenen Bildschirme. Für Medienanbieter und Werbetreibende bieten sich neue Möglichkeiten mit speziell zugeschnittenen Anwendungen, Services und auch Werbung, dem veränderten Nutzungsverhalten zu begegnen. Auch Parteien wie die Grünen haben Social TV für sich erkannt. Über den Twitter-Account @TatortWatch informiert im wöchentlichen Wechsel ein Politiker der Grünen über Rechtsverletzungen der TV-Ermittler.

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Spielerische Erfahrungen, wie Umfragen, Quiz-Spiele und Wettbewerbe stärken zudem die fernsehbezogene Social-Media-Nutzung. Im Mai 2012 gingen die Macher des „Tatort“ neue Wege. In einem Online-Spiel konnten Hobbyermittler nach der Fernseh-Ausstrahlung den Täter selbst ermitteln. Insbesondere für die Werbeindustrie ist es entscheidend, das spezifische Nutzungsverhalten der Second Screen-Zielgruppe zu kennen und zu nutzen. Ein klassischer Fernsehzuschauer bringt rund zehn Euro Umsatz aus Werbeeinahmen für einen TV-Sender. Nutzer crossmedialer Konzepte, generieren dagegen einen Zusatzwert von 70 Prozent durch Umsätze aus Gaming-Angeboten und Merchandising. Die Macher der US-amerikanischen Vampir-Serie „True Blood“ schufen zum Beispiel eine fiktionale Parallelwelt mit einer Dating-Seite für Vampir-Fans, legten Twitter-Konten der Charaktere an und vermarkteten „V-Blood“-Blutorangensaft in realen Supermärkten.

Eine Folge der Second Screen-Nutzung: Die meisten internetfähigen Fernseher, sogenannte Smart TVs, kommen nur selten zum Online-Einsatz. Zwar sind diese bereits in den meisten Wohnzimmern angekommen, doch nur 13 Prozent der Internet-Nutzer nutzen regelmäßig die Online-Anbindung des Smart TVs. Diejenigen, die mit dem Smart TV online gehen, schauen eher Sendungen in Mediatheken und Videos von Portalen wie YouTube. Zum Surfen im Internet oder für soziale Netzwerke werden die Geräte selten genutzt.

Der von Bill Gates prophezeite Tod des Fernsehens wird wohl auch in Zukunft nicht eintreten. Durch Social TV wird Fernsehen wieder zum sozialen Erlebnis und zeigt dabei nur eine von zahlreichen Möglichkeiten, wie sich Fernsehen und Internet ergänzen können.

Kategorie: Netzkultur
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