Re: re:publica – Impressionen von der #rp:15 (Teil 1)

# rp15 - die 10. re:publica in Berlin

Über 6.000 Besucher haben vergangene Woche den Weg nach Berlin zur 9. Ausgabe der größten deutschen Digital-Konferenz re:publica gefunden. Unter der Überschrift „Finding Europe” gab es auf der #rp15 Vorträge und Podiumsdiskussionen von 450 Rednern zu den verschiedensten Themen – von Cybersecurity über das Arbeiten auf der International Raumstation ISS bis hin zu „Fair Porn” im Netz. Wer nicht dabei gewesen ist: Die meisten Vorträge können nachträglich als Audio-Podcast oder Video abgerufen werden. Auch einige Kollegen von 1&1 waren in diesem Jahr in der Station Berlin dabei, viele davon zum ersten Mal. Wir haben sie gebeten, für das 1&1 Blog ihre persönlichen re:publica-Impressionen aufzuschreiben. Den zweiten Teil der re:publica-Eindrücke lest ihr morgen im Blog.


Heiko Lammers, Head of Hosting PR bei 1&1

Heiko Lammers, Head of Hosting PR bei 1&1

Mehrere Hundert Stunden Programm verteilt auf unzählige Sprecher und auf mehr als elf Bühnen – wie soll ich da mein Highlight-Programm zusammenstellen können? Meine persönliche Erfolgsstrategie für meine 7. re:publica Auflage war ganz einfach. Ich habe KEINEN Blick auf das Programm geworfen, sondern mich einzig auf Empfehlungen und „komm, wir treffen uns dort“ verlassen. Und das Ergebnis: ein informativer, wenn auch ein wenig kaputt moderierter Slot über die Monetarisierung von Youtube (passt wunderbar in meine aktuellen PR-Aufgaben) – sowie eine echte Inspirationspräsentation mit dem Titel „Vergiss Kurzweil“. Könnte sehr kurzweilig werden dachte ich, außerdem hatte Helge dort moderiert, und es war die einzige Chance, ihn zu treffen und zu sprechen. Doch dann ging es um „Cyborgs“ und Kurzweil war nicht das Gegenteil von Langeweile sondern ist ein amerikanischer Autor, Futurist und Leiter der technischen Entwicklung bei Google. Und es ging um künstliche Intelligenz, um Transhumanisten und auch um Ersatzreligion, um  Unsterblichkeit und um Träume für eine glückliche und sorgenfreie Zukunft – irgendwann ab 2045  (so Kurzweil). Doch – und das war die charmante Rückholbotschaft von Enno Park, dem „Elektrischen Reporter“ und Cyborg aus Berlin:  „Vergiss Kurzweil“.


Inka Heitmann

Inka Heitmann, Pressereferentin Corporate PR

Im Vorfeld der re:publica hatte ich mir schon einmal die interessant klingenden Panels und Talks herausgesucht, vor Ort habe ich dann doch einiges wieder verworfen und einfach geschaut, was als nächstes beginnt und spannend sein könnte. Am ersten Tag habe ich mir etwas darüber angehört, wie vier Podcasterinnen zu ihren Themen und Podcasts gekommen sind und warum es sich für sie lohnt, Zeit und Geld in ihre Podcasts zu investieren. Danach bin ich bei der Fashiontech-Stage „hängen“ geblieben. Hier ging es darum, wie man sich vor Überwachung im öffentlichen Raum schützen kann, beispielsweise durch Schmuck, Make-Up oder Hitzeschutz, oder wie Schmuck aus dem 3D-Drucker im Luxussegment ankommt. Am zweiten Tag habe ich mir zunächst die Installation „Finding Europe with lights“ erklären lassen. Bei diesem Projekt wurden 28 Licht-Sensoren an Personen in verschiedenen Orten in Europa verschickt, die das Licht vor Ort aufnehmen und dann über das Internet an die Lampen auf der re:publica weitergeben und sie in unterschiedlicher Intensität aufleuchten lassen. Am dritten Tag habe ich mir den interessanten Vortrag „Mensch, Macht, Maschine – Wer bestimmt wie wir morgen arbeiten“ von Johannes Kleske angehört. Hier ging es darum, wie sich Arbeitsbedingungen durch Angebote wie Uber verändern, oder wie Konzerne wie Amazon und Google weiterhin auf Menschen angewiesen sind, die Suchergebnisse, Bilder oder Videos bewerten.


Dr. Guido Brinkel, Head of Public Affairs

Dr. Guido Brinkel, Head of Public Affairs

Die Musikindustrie war lange der Intimfeind des typischen re:publicaners und gewisse Ausläufer dieses tief verwurzelten Misstrauens ließen sich hier und da auch auf der #rp15 noch ausmachen. Das sich die Welt auch hier weiterdreht zeigte aber das angenehm diskussionsfreudige Panel zur Rolle von Streaming. Legale und offenbar für die Nutzer attraktive Dienste sind da, die Piraterie sinkt, aber die Künstler (und auch die Labels?) befürchten, dass sie von der schönen neuen Welt am Ende nicht leben können. Nach Jahren der Piraterie-Diskussion jetzt also faktisch eine Partizipationsdebatte. Das Gute daran: Die Kampflinien werden komplexer, die einfachen Feindbilder verschwimmen und die Diskussion wird damit sachlicher und differenzierter – nirgendwo konnte man das besser beobachten als beim Panel mit Vertretern von Spotify, dem Bayerischen Rundfunk, dem Label Staatsakt und dem Bundesverband Musikindustrie. Die wichtigsten (unbeantworteten) Fragen: Was passiert, wenn Apple kommt? Hat werbefinanziertes Streaming Zukunft?


Martin Fischer, Pressereferent Access PR

Martin Fischer, PR Manager Access

Als echtes Highlight bleibt mir der detailreiche Vortrag von Astronaut Alexander Gerst in guter Erinnerung. „@Astro_Alex“, so lautet sein Twittername, berichtete dem begeisterten Publikum auf der Hauptbühne in einer äußerst authentischen und fesselnden Art über das Leben auf der Raumstation ISS, durchspickt mit vielen witzigen Anekdoten wie zum Beispiel dass er Google Earth brauchte, um vom Weltall aus seine Heimat Köln zu lokalisieren oder dass er und seine Crew die Möglichkeit hatten, aus dieser Entfernung die Fussball WM live per Video-Stream zu verfolgen. Natürlich war dies gekoppelt mit einer lustigen Team-Wette, bei dem sich der Verlierer einen Irokesenschnitt verpassen lassen musste. Das passende Fotomaterial sorgte für Lachmuskelkater par excellence. Wer nicht das Glück hatte die Session live mitzuerleben, kann sich hier den Vortrag noch einmal ansehen.


Andreas Maurer, Head of Corporate PR

Andreas Maurer, Head of Corporate PR

Für mich war die #rp15 die dritte re:publica, die ich „live” erleben durfte. Wie schon vor zwei Jahren hat mich die hervorragende Organisation wieder begeistert. Ausreichend Steckdosen, ein WLAN, das diesen Namen verdient und pünktlich beginnende Sessions sorgen dafür, dass die Veranstaltung Spaß macht. Dabei machen die Voträge und Diskussionen für mich maximal die Hälfte des Reizes aus – hier gab es viele spannende Sessions, aber auch einige, die ich mir hinterher lieber gespart hätte. Fast noch wichtiger sind aber die vielen – geplanten und ungeplanten – Gespräche am Rande der Veranstaltung. Überrascht hat mich die Session „Corporate Surveillance in the Age of Digital Tracking” von Wolfie Christl – hier hatte ich erwartet, dass Google, Facebook und Co. im Mittelpunkt standen. Stattdessen war aber die Rede von vielen Daten aggregierenden Firmen, deren Namen ich noch nie gehört hatte – etwas, das einem wirklich Angst machen kann.

Kategorie: Netzkultur
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