Hintergrund: Was macht eigentlich die ICANN?

Logo der ICANNInternetnutzer benötigen einen eindeutigen Namen oder eine Nummer, um über das Netz miteinander Kontakt aufzunehmen. Genau wie eine Telefonnummer muss auch eine Internetadresse eindeutig sein, damit sich Computer gegenseitig lokalisieren können. Die Aufgabe der Internetverwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (kurz: ICANN) ist es, diese eindeutigen Identifikatoren weltweit zu koordinieren.

Der ICANN wurde 1998 vom US-Handelsministerium als Non-Profit-Organisation die technische Verwaltung des Internet übertragen. So ist die ICANN, die ihren Sitz im kalifornischen Marina del Rey hat, für die Weiterentwicklung des Domain Name Systems (DNS) und die Verwaltung der IP-Adressen zuständig. Zudem hat die ICANN die Aufsicht über den Betrieb der Root-Nameserver. Diese Funktionen wurden zuvor von der IANA (Internet Assigned Numbers Authority) ausgeführt.

Domain Name System

Im Gegensatz zu einer Telefonnummer kennen wir die meisten Internetadressen nur als Name und nicht als Zahlenfolge. Die Nummern, auf deren Basis sich die Rechner miteinander verständigen, das sogenannte Internet Protokolls (IP), sind nur schwer zu merken. Dennoch verbirgt sich hinter einer Domain wie zum Beispiel icann.org die dazugehörige IP-Adresse 192.0.34.163. Das DNS verknüpft eine exakte Reihe von Buchstaben mit einer exakten Zahlenreihe und wandelt die angefragte Domain in die zugehörige IP-Adresse um. Diese Abfragen geschehen für die meisten Nutzer im Hintergrund und in kürzester Zeit.

Eine Internetadresse wie www.1und1.de lässt sich in drei Abschnitte unterteilen. Die Top-Level-Domain (TLD), in diesem Beispiel .de, steht für Deutschland und ist eine von über 240 sogenannten Country-Code Top-Level-Domains (ccTLD). Die ICANN delegiert die Registrierung an eigenständige, länderspezifische Organisationen (Registrierungsstellen, Englisch: Registries). Die jeweiligen Registries oder Network Information Center (NIC) verwalten die spezifischen ccTLDs und sind für den Betrieb und die technische Stabilität verantwortlich. Die Zulassung einer neuen Top-Level-Domain wird bei der ICANN beantragt und auch die Einführung der neuen Top-Level-Domains wird von ihr koordiniert und seit über zehn Jahren diskutiert und vorbereitet.

IP-Adressen

Die Internet Assigned Numbers Authority (IANA), eine Abteilung der ICANN,  ist eine der ältesten Institutionen im Internet und seit der Gründung der ICANN insbesondere für die Zuordnung von IP-Adressen verantwortlich. Dabei funktioniert die IANA ähnlich einer Buchhaltung und überträgt lokale IP-Registrationen an Regionale Internet Registries (RIR). Derzeit gibt es weltweit fünf aktive regionale Registries, die für die Vergabe von IP-Adressen in einem bestimmten Teil der Welt verantwortlich sind. So ist das Réseaux IP Européens Network Coordination Centre (RIPE NCC) für die Vergabe von IP-Adressen in Europa, dem Nahen Osten und Zentralasien zuständig. Die verschiedenen Registries wiederum geben IP-Bereiche an die Netzwerkanbieter weiter. Genauso wie Domains dürfen IP-Adressen nicht doppelt vorkommen. Die ICANN koordiniert, welche IP-Adressen bereitgestellt werden, um Wiederholungen oder Konflikte zu vermeiden.

Root Server

Ohne Root-Nameserver (Root-Server) würde das jetzige Domain Name System nicht funktionieren. Jedem mit dem Internet verbundenen Rechner wird ein Nameserver zugeteilt, der eine Domain auf die IP-Adresse übersetzen kann. Sobald ein Nameserver keine weiteren Informationen zu einer nachgefragten TLD gespeichert hat, leitet dieser die Anfrage an einen übergeordneten Root-Server weiter. Dort werden die für die TLD zugewiesenen Nameserver ermittelt. Die Zone der Root-Server (Root-Zone) umfasst Namen und IP-Adressen aller Nameserver der Top-Level-Domains und stellt damit die Basis des DNS dar. Die insgesamt 13 Root-Server werden zwar von verschiedenen Institutionen betrieben, die ICANN ist jedoch für die Koordination zuständig.

Oftmals wird die ICANN als Regierung des Internet bezeichnet, dazu fehlen ihr jedoch Kompetenzen und finanzielle Ausstattung. Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Internet, wie die Kontrolle von Inhalten oder Datenschutz und Privatsphäre zählen nicht zu den Aufgaben der ICANN. Die ICANN ermöglicht durch ihre Überwachung und Koordinierung, dass sich Computer im komplexen Netzwerk gegenseitig finden. Durch das Prinzip der „universal resolvability” (universelle Auflösbarkeit) ist es möglich, überall auf der Welt dieselben vorhersehbaren Ergebnisse zu erhalten. Ohne die von der ICANN ausgeführten Aufgaben könnte es passieren, dass das Internet vollkommen unterschiedlich funktioniert, je nachdem, wo auf der Welt sich die Nutzer befinden.

Die ICANN kontrolliert demnach das technisch-administrative Herz des gesamten Internets und spielt eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung des Internets. Auch für die größte Neuerung im Bereich Internetadressen, die Veröffentlichung von rund 1.400 neuen Top-Level-Domains, hat die ICANN die Weichen gestellt. Ihre Wunschadresse können Sie bei 1&1 unverbindlich und kostenlos vorbestellen.

Kategorie: Netzkultur
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