Digitaler Darwinismus im Trend: Nur wer sich anpasst, der überlebt

Erfolgreiche digitale Online-Strategien standen in der vergangenen Woche im Mittelpunkt des Online Marketing Friday im Kölner Clusterhaus. Experten haben Einblicke in ihre virtuelle Welt gegeben – und das, was sie ihrer Meinung nach zusammenhält. 1&1 hat für euch mitdiskutiert.

Karl-Heinz Land spricht schnell. Er will mitreißen, begeistern. „Technik und Gesellschaft ändern sich schneller“, postuliert der Manager beim zweiten Online Marketing Friday, „als sich Unternehmen anpassen können.“ Für den Kölner steht daher fest: „Nur die Unternehmen werden überleben“, prophezeit er, „die in der Lage sind, sich schnell zu adaptieren.“ Das ist nach seinen Worten die Lehre digitalen Darwinismus. Die reine Lehre. Und sonst gar nichts.

Riesiges Potenzial

Land ist digitaler Darwinist. Ein Visionär. Er war in mehreren namhaften Unternehmen in leitender Position tätig – eins davon ist Oracle, der weltweit größte Softwarehersteller. Sich selbst bezeichnet er als Evangelisten. Die kennen die meisten nur aus der Bibel: Die vier Evangelisten berichten darin über das Leben Jesu. Für Land ist das Internet die Bibel. „Mehr als sieben Milliarden Menschen leben auf diesem Planeten“, referiert er. „Etwas mehr als die Hälfte davon leben in Städten.“ Lands Fakten: Rund ein Drittel aller Menschen sind online. Ein Viertel der gesamten Erdbevölkerung nutzt soziale Netze. Und die meisten von ihnen (91 Prozent) gehen mit ihrem Handy ins Internet.

Für einen Evangelisten stellt das ein riesengroßes Potenzial dar, die Lehre des digitalen Darwinismus zu verkünden – und zu verbreiten. Die basiert auf der (Evolutions-)Theorie des britischen Biologen Charles Darwin (1809 bis 1882):

Es sind weder die stärksten Arten, die überleben. Noch sind es die intelligentesten Spezies, die den Überlebenskampf für sich entscheiden. Sondern es sind diejenigen, die sich am besten anpassen können.

Karl-Heinz Land, digitaler Darwinist

Karl-Heinz Land, digitaler Darwinist (Foto: OMF)

Für Karl-Heinz Land steht daher fest: Die digitale Revolution stellt nach der Dampfmaschine und der Elektrizität den dritten großen Wandel in der Menschheitsgeschichte dar. Wer dafür nicht gerüstet sei, sterbe aus – ist Land überzeugt. So wie damals die Dinosaurier. Der Analyst Brian Solis springt ihm bei: „70 Prozent der Fortune-1000-Unternehmen werden in den nächsten Jahren durch neue Player ersetzt.“ Und zwar nicht deshalb, weil sie nicht genügend Fans auf Facebook hätten. „Sondern weil sie sich nicht an die neue Netz-Gesellschaft haben anpassen können.“

Digitale Revolution

Die digitale Revolution schreitet weiter voran: Vor acht Jahren existierte Social Media überhaupt nicht. Jetzt reden wir alle darüber. Sieben Stunden pro Woche nutzen Menschen durchschnittlich soziale Netze. Das birgt ein großes Potenzial.

Darum:

  • Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden.
  • Alles, was automatisiert werden kann, wird automatisiert werden.

Das ist Karl-Heinz Lands Credo.

Schöne neue Welt: Der britische Schriftstelle Aldous Huxley hatte damals keine Ahnung, was heute möglich ist. Und auch sein Kollege George Orwell hätte nicht gedacht, dass Bargeld, Schlüssel oder Kreditkarten bald obsolet sein könnten. „Dafür gibt es künftig eine App in Ihrem Smartphone“, verkündet Land.

König Kunde

Der Kunde ist König. Doch nach der digitalen Revolution möchte er auch als solcher behandelt werden:

  • Er möchte wertgeschätzt werden.
  • Angebote müssen personalisiert sein und genau auf den Kunden passen.
  • Der Kunde erwartet eine große Auswahl, hohe Qualität und niedrige Preise. Ein guter Service ist natürlich inbegriffen.
  • Bestellung, Lieferung und Berechnung sollen am liebsten schon gestern erfolgt sein. Da das naturgemäß unmöglich ist, darf es dann aber alles ruckzuck ablaufen. Wer möchte schließlich auf das nagelneue Smartphone wochenlang warten?

Doch ohne Daten funktioniert das alles nicht. „Der Verbraucher muss in Zukunft bereit sein“, fordert der digitale Darwinist Land, „Daten von sich preiszugeben.“ Wer das nicht wolle, der müsse sich eben in der Schlange vor der Kasse anstellen – und bar bezahlen. Datenschutzbeauftragte und Verbraucherschützer werden spätestens hier aufhorchen.

Beste Empfehlungen

In Lands digitaler Welt muss sich der Konsument erst einmal zurecht finden. Dafür will er wissen, welche Erfahrungen andere mit einem Unternehmen, mit einem Produkt oder einer Bezahlmethode gemacht haben. „Google wird sich von einer Suchmaschine hin zu einer Suche nach Empfehlungen anderer entwickelt“, steht für Karl-Heinz Land fest.

Das stellt auch Unternehmen vor neue Herausforderungen:

  • Wie können wir von den neuen digitalen Möglichkeiten profitieren?
  • Wie können wir unsere Marken und Angebote so gestalten, dass sie „sozial-relevant“ sind, also in sozialen Netzen eine Rolle spielen?
  • Wie können wir mehr Umsatz generieren, indem wir mit dem Kunden besser interagieren? (Besser heißt hier spezifischer und zeitnaher.)

Die Triebkraft der digitalen Revolution wird – da ist sich Karl-Heinz Land sicher – durch die Bequemlichkeit des Menschen erzeugt. Gemütlich von zu Hause wird der Homo digitaliensis die neue schöne Welt erobern. Die nächste Aktion ist nur einen Mausklick entfernt. Nur schnell muss das alles gehen. Mindestens so schnell wie Karl-Heinz Land spricht.

Kategorie: Netzkultur
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