E-Government-Gesetz wird De-Mail beflügeln

Jan Oetjen, 1&1 Vorstand und Geschäftsführer von GMX und WEB.DE

Jan Oetjen, 1&1 Vorstand und Geschäftsführer von GMX und WEB.DE

Lange hat es gedauert, aber nun ist der Weg frei für De-Mail in den Verwaltungen. Denn heute hat der Bundesrat das „Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung“, kurz E-Government-Gesetz, beschlossen. Dies bedeutet weit mehr, als dass die Bundesverwaltung sich nun endlich fit macht fürs digitale Zeitalter und innovative Bürgerservices anbieten wird. Das Gesetz verpflichtet alle Bundesbehörden, bis Mitte 2014 De-Mail als Kommunikationskanal anzubieten und setzt De-Mail als Standard für die digitale Kommunikation in den Verwaltungen.

Mit der Verabschiedung des Gesetzes ist damit auch ein alter Streit final beendet – nämlich der zwischen De-Mail und dem E-Postbrief. Jetzt ist klar: De-Mail ist aktuell offiziell der einzige verbindliche Standard für die elektronische Kommunikation zwischen Bürgern und Behörden.

Auch für die Wirtschaft hat diese Entscheidung des Gesetzgebers pro De-Mail eine Signalwirkung. Unternehmen erhalten nun die nötige Zukunftssicherheit, dass sie mit Investitionen in De-Mail auf den richtigen Standard setzen. Unsicherheiten bei Standards wirken immer hemmend auf die Investitionsbereitschaft. Es ist daher zu erwarten, dass das E-Government-Gesetz sich als Katalysator für den De-Mail Einstieg von Unternehmen auswirken wird. Bereits heute arbeiten die ersten Banken und Versicherungen live mit dem System und werden ihre Aktivitäten mit steigender Nutzerzahl weiter ausbauen. Aktuell hat beispielsweise gerade die Deutsche Rentenversicherung einen De-Mail Auftrag vergeben.

Von den Geschäftskunden kommt übrigens aufgrund des hohen Kosteneinsparungspotenzials nie die Frage auf, warum man De-Mail braucht, sondern nur, wie schnell die kritische Reichweite aufgebaut ist. Und hier sind wir auf einem guten Weg. Allein WEB.DE und GMX haben aktuell über 1 Million Vorreservierungen, von denen bereits 25% den vollständigen De-Mail Nutzungs-Vertrag abgeschlossen haben. Über ein Drittel davon haben wir bereits auch schon identifiziert, was die Voraussetzung für die Nutzung des Dienstes ist.

Zuletzt noch ein Wort zur Deutschen Post, die in den letzten sechs Jahren immer mal wieder bei De-Mail ein- und ausgestiegen ist und nach eigenen Angaben 500 Millionen Euro in ihr nun final gescheitertes Konkurrenzprodukt E-Postbrief versenkt hat und uns einiges an Arbeit (und gelegentlich auch Erheiterung) beschert hat: Wir würden es begrüßen, wenn sie in den Kreis der De-Mail Anbieter zurückkehrt – und dieses Mal gerne auch etwas länger bleibt. Bürger, Unternehmen und Behörden würden sich freuen, wenn alle Anbieter an einem Strang ziehen und sie mit spannenden De-Mail Angeboten begeistern, statt proprietäre Insellösungen zu propagieren.

Kategorie: Internet made in Germany
10 Kommentare10
  1. 7. Juni 2013 um 20:33 |

    Ich finde es schade, dass 1&1 dem Thema DE-Mail so unkritisch gegenübersteht. Bei anderen netzpolitischen Themen liest man hier im Blog häufig sogar sehr progressive Stellungnahmen von euch, nicht so bei DE-Mail, das aufgrund fehlender End-Zu-End-Verschlüsselung keineswegs so sicher ist, wie immer behauptet wird und auch in vielerlei anderer Hinsicht kritikwürdig und für den verfolgten Zweck ungeeignet ist.

    Letzten Endes muss ich aber auch etwas Verständnis aufbringen, da 1&1 sich nunmal leider entschieden hat, mit seinen Marken als DE-Mail-Betreiber aufzutreten und gerade ein profitorientiertes Unternehmen würde kaum seine Produkte kritisieren und sich damit selbst diskreditieren.

    Die Hähme der Post gegenüber kann ich nicht ganz nachvollziehen. Der E-Postbrief sollte dem Unternehmen durch den frühen Launch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber DE-Mail gewähren, das aus verschiedenen Gründen nicht zur Unternehmenspolitik des ehemaligen Staatsbetriebes passte. Gerade das Scheitern des E-Postbriefs hat doch gezeigt, dass es keine Nachfrage nach einem solchen Produkt gibt, solange es nicht staatlich aufgezwungen wird, DE-Mail wird es nicht anders ergehen. Und letzten Endes ist DE-Mail genau das, was am E-Postbrief kritisiert wird: eine proprietäre Insellösung.

    Die hier vorgestellten Zahlen sind übrigens bei näherer Betrachtungsweise nicht so beeindruckend, wie sie präsentiert werden. 1 Million Vorreservierungen (selbst wenn das alles DE-Mail-Kunden würden, wäre das lediglich ca. 1/80 der deutschen Bevölkerung), 250 000 abgeschlossene Verträge, das macht dann gerade mal etwas über 83 000 Identifizierungen und damit eventuell mal aktive Nutzer. Wenn man bedenkt, wie lange das Produkt schon beworben wird, ist das nicht gerade beeindruckend und weit von einer „kritischen Reichweite” entfernt.

    1. 10. Juni 2013 um 11:56 |

      Hallo,

      danke für Ihre Anmerkungen zu diesem interessanten Thema. Die Nutzerakzeptanz für De-Mail ist erfreulich hoch. Wir haben aktuell über 1 Million Vorreservierungen, von denen bereits 25% den vollständigen De-Mail Nutzungs-Vertrag abgeschlossen haben. Ein Drittel dieser Kunden haben wir bereits identifiziert. Insgesamt ist deutlich zu sehen, dass die Kunden starkes Interesse haben, sich frühzeitig ihre persönliche „schöne“ De-Mail-Adresse zu sichern.

      Viele Grüße
      Christian Gora, 1&1

  2. 7. Juni 2013 um 21:17 |

    Wer will denn diese Krücke haben? Der „richtige” Standard wäre eine richtige Verschlüsselung. Wenn nun aber die Geschäftskunden nicht mal signierte E-Mails einrichten können, dann ist De-Mail nichts weiter als mehr raus geschmissenes Geld, das zufällig bei euch landet. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben 30 Tage kostenlos Web.de ProMail gewonnen. Wir freuen uns darauf, wenn sie es vergessen abzubestellen. Hahaha. Zu komisch.

    1. 10. Juni 2013 um 11:57 |

      Hallo Alex,

      vielen Dank für Ihr Feedback. Zum Thema Verschlüsslung gibt es nach wie vor eine Menge Missverständnisse. De-Mails sind mit einer durchgehenden Transportverschlüsselung vor fremdem Zugriff geschützt. Zusätzlich kann jeder Nutzer seine per De-Mail verschickten Inhalte auf Wunsch jederzeit Ende-zu-Ende verschlüsseln. Die Verschlüsselung der Inhalte ist ein Eckpfeiler für die hohe Sicherheit bei De-Mail. Standardmäßig müssen De-Mails aber zudem auf Viren, Trojaner und andere Schadsoftware überprüft werden; dies ist natürlich nur möglich, wenn sie hierfür im zertifizierten Hochsicherheitsrechenzentrum für den Virenscan entschlüsselt werden.
      Diese Lösung bietet einen guten Kompromiss in der Abwägung zwischen Verschlüsselung und Virenschutz und lässt jedem Nutzer die freie Wahl.

      Viele Grüße
      Christian Gora, 1&1

      1. 10. August 2013 um 12:48 |

        Okay, ich habe noch eine Frage. Ich denke Sie können mir da Klarheit verschaffen.

        Im De-Mail System sind doch alle Empfänger und Sender verifiziert. Weshalb muss ich dann die Mails gegen Viren und Spam prüfen, wenn ich den Verursacher dafür direkt belangen kann?

        Viele Grüße, Alex.

        1. 19. August 2013 um 09:33 |

          Hallo Alex,

          natürlich ist es auch hier nicht auszuschließen, das auch verifizierte Absender – möglicherweise unbeabsichtigt – Viren verschicken könnten.

          Viele Grüße
          Inka Husmeier, 1&1

  3. 11. Juni 2013 um 12:58 |

    Hallo Herr Gora,

    können Sie auch auf die Kritikpunkte des Nutzers Hoshpak reagieren anstatt die im Artikel bereits genannten Zahlen einfach nur zu wiederholen und hervorzuheben, wie schön doch die eigene DE-Mail Adresse ist, oder ist das die neue Marketingstrategie von 1&1? Kritik wird einfach totgeschwiegen.

    Fakt ist, dass ich mit DE-Mail zum einen sensible Daten in die Hand irgendwelcher RZ-Betreiber gebe, die ich ggf. nicht mal kenne. Fakt ist weiters, das somit eine Veränderbarkeit der Daten nicht sicher ausgeschlossen werden kann (jaja, die lieben RZ-Betreiber haben sich ja dazu verpflichtet, dass sie das nicht tun und kein Admin in einem RZ schaut sich auch jemals irgendwelche Kundendaten an, bestimmt nicht – passiert nie und ist auch nie passiert).

    Fakt ist auch, dass ich mit DE-Mail erheblich mehr Nachteile als Vorteile habe. Es kostet mehr Geld, es zwingt mich regelmäßig zu meinem Briefkasten mein elektronisches Postfach zu leeren, weil dort eingelieferte Briefe von Behörden ab Zeitpunkt der Absendung als zugestellt gelten (wer stellt sicher, dass sie wirklich ankommen?) und damit der Fristlauf beginnt, wohingegen beim klassichen Brief der Zugang nachgewiesen werden muss.

    Darum habe ich den E-Postbrief nicht genutzt und werde auch DE-Mail nie nutzen. Und kein Staat und keine Bundesbehörde wird mich dazu zwingen können.

    Und noch was: Die Häme gegen die Deutsche Post AG, die ihr Herr Jan Oetjen hier ausschüttet ist absolut unangemessen. Hätte der Gesetzgeber sich nämlich für seinen ehemaligen Staatsbetrieb entschieden anstatt für Sie, dann wären Sie jetzt raus und die Post würde lachen. Das ist ein ganz mieser Stil, Herr Gora und dafür sollte 1&1 sich schämen, oder hat man sowas jetzt schon nötig?

Die Kommentare sind geschlossen.