IPv4-Adressen in Asien gehen zur Neige

Schon im Februar hatte die internationale Vergabestelle für IP-Adressen, IANA, den letzten freien Block an IPv4-Adressen an das Asia-Pacific Network Information Centre (APNIC) vergeben.  Heute hat die regionale Registrierungsstelle für Asien und Australien bekanntgegeben, dass diese Adressen endgültig zur Neige gehen. Ab sofort kann jeder Internet-Provider der Region von APNIC maximal noch 1024 IPv4-Adressen erhalten.

Damit dürfte der Asiatisch-Pazifische Raum die erste Region sein, in der schnell und weiträumig das neue Internet-Protokoll IPv6 eingeführt werden wird – denn die wenigen verbliebenen IPv4-Adressen reichen weder für künftige Hosting-Plattformen noch für Internet-Zugangsdienste aus. 1&1 hat schon vor geraumer Zeit begonnen, Vorbereitungen für die Umstellung auf das “neue” Internet-Protokoll zu treffen. Die Entwicklung in Asien und Australien wird vermutlich auch die IPv6-Einführung im Rest der Welt beschleunigen – denn künftige Internet-Nutzer in dieser Region werden nur noch über das neue Protokoll auf das Web und andere Dienste zugreifen können.

Kategorie: Netzkultur
11 Kommentare
  1. 15. April 2011 um 16:00 |

    Mhh,

    wollte man nicht irgendwie versuchen die IP Adressen so zu sparen das diese noch lange halten, damit die Provider die Zeit haben die Technik umzustellen?

    Oder bin ich da falsch informiert :/?

    1. 17. April 2011 um 16:15 |

      Naja, die Umstellung läuft ja eigentlich schon seit knapp 10 Jahren… nur bis vor 2-3 Jahren war es halt so, wie mit der Kernfusion oder dem Flug zum Mars, die jeweils immer eine konstante Zeit in der Zukunft war…

    2. 18. April 2011 um 17:07 |

      Sowohl “IP-Sparen” als auch die Entwicklung von IPv6 hat vor etwas mehr als 15 Jahren angefangen.

      Bis 1993 vergab man z.B. IP-Adressen nicht feingranular in der Menge, wie sie benötigt wurden,
      sondern klassenbasiert (Class A, Class B, Class C). Die Klasse definiert nicht nur, wie groß ein zugeteilter Block sein wird (16,7 Mio, 64k oder 256 IPv4-Adressen), sondern auch, in welchem Bereich diese Adressen jeweils liegen müssen (Class B-IP-Adressen liegen immer zwischen 128.0.0.0 und 191.255.255.255). Mit dem klassenlosen Inter-Domain-Routing (CIDR) wurden derartige Dinge dann aufgehoben, “bedarfsorientiert” und losgelöst von “Routing-Klassen” IPv4-Adressen zugeteilt.

      “Damals” brauchte auch jede Website eine eigene IPv4-Adresse – mit dem HTTP-Host-Header wurde es dann aber möglich, auf einer IPv4-Adresse verschiedene Websites zu hosten; die “eigene” IP-Adresse braucht man auf dem Webserver dann nur noch, wenn man z.B. auch ein SSL-Zertifikat einsetzen möchte. Inzwischen gibt es aber selbst dafür eine adresssparende Lösung.

      Das IP-Sparen hat also bereits eine gewisse Tradition, man kann aber auch an einigen Stellen etwas streiten. In Deutschland ist es z.B. Usus, dass man beim Internet via Mobilfunk eine “interne” IPv4-Adresse erhält und vom Provider unter einer gemeinsam genutzten IPv4-Adresse hinter einem NAT-Gateway “versteckt” wird, in anderen Ländern wird jedem Mobiltelefon eine öffentliche IPv4-Adresse zugewiesen. Die “Deutschen” sparen so zwar IPv4-Adressen, geben aber gleichzeitig Geld für teure Carrier Grade NAT-Gateways aus, die ihrerseits auch bestimmte Restriktionen mit sich bringen.

      1995 startete man mit “IPng”, das dann 1999 als IPv6 “veröffentlicht” wurde – ab da konnte man es dann nutzen. Nach kleinen Irrwegen (z.B. die A6-Resource Records im DNS) gab es aber seit 2005 schliesslich praktisch keine Änderungen mehr, 2006 wurde dann auch das IPv6-Testnetz “6bone” eingestellt.

      In einer Runde aus “solange es keiner hat, brauche ich es auch nicht” lief alles ausschliesslich mit IPv4 weiter, IPv6 war (abgesehen von ein paar Technik-Nerds) nirgends so recht im Scope, so
      dass kaum einer bemerkte, welche Anwendungen, Geräte, Softwares entweder gar nicht oder einfach nicht ausreichend für IPv6 vorbereitet waren.

      Windows 2003 brachte z.B. einen von Microsoft als “production-grade” bezeichneten IPv6-Stack mit, der mitgelieferte Webserver kann auch IPv6 – aber z.B. nicht der mitgelieferte FTP-Server. Oder die nachträglich installierte Personal Firewall schaltet die IPv6-fähige Windows Firewall ab, um dann sich selbst als eine rein IPv4-fähige Firewall zu aktivieren, den Rechner gegenüber dem IPv6-Internet ungeschützt zu lassen. In bestimmten Fällen kommt es auch zu Fehlverhalten von Anwendungssoftware – und der “Pro-Tip aus dem Internet” rät einem dann oft dazu, doch mal IPv6 abzuschalten.

      Bei vielen weiteren Themen geht das ganze ähnlich weiter: theoretisch kein Problem, im Detail klemmt es dann leider noch viel zu oft. In dieser Schleife aus “was tut nicht, wo muss man noch etwas korrigieren” befinden sich derzeit alle großen Provider. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir diese Schleife noch in diesem Jahr durchbrechen können.

      IPv6-freundliche Grüße aus Karlsruhe,
      Anders Henke (1&1 Internet AG)

      1. 19. April 2011 um 18:40 |

        Da stellt sich für mich aber wiederum die frage wieso man nicht direkt bei den IPs-Spart.

        In dem man von Dynamischen IPs auf Statische IPs ändert. Oder die Zwangstrennung und die dadurch enstehenden IP wechsel nicht um 1 – 2 Tag versetzt.

        Und nochwas.

        Ich hab mal irgendwo aufgegriffen das IPv6 Adressen sich nicht ändern werden, hab aber noch keine Bestätigung gefunden. Wie weit ist diese aussage korrekt?

        1. 20. April 2011 um 09:12 |

          Hallo Dominik,
          bzgl. statischen IPv6-Adressen gibt es noch keine konkreten Aussagen. Zuvor hat man ja bereits bei IPv4 mit dem Problem der Knappheit argumentiert, weswegen man dynamische IPv4-Adressen verteilte. Dieses Argument greift in der IPv6-Situation nicht mehr. Jetzt, wo es möglich wäre, feste IP-Adresse zu vergeben, regt sich die Angst vor Identifikation und Überwachung bei den Nutzern. Für Server wird natürlich weiterhin eine feste IP-Adresse aufgrund der ständigen Erreichbarkeit vergeben. Bei Access-Kunden ist das bislang noch nicht final geklärt. Schwierigkeit besteht natürlich hier bei der Identifikation des Nutzers weltweit, sollte ihm eine feste IPv6-Adresse vergeben werden. Sowohl der Präfix (ersten 64-bit der Adresse) als auch der Interface Identifier (letzten 64-bit der Adresse) wären dann weltweit eindeutig erkennbar. Lösung wäre hier eine Technik namens Privacy Extensions, bei der die Interface Identifiers regelmäßig gewechselt werden. Zusammen mit den vom Provider jeweils neu vergebenen Präfixen und der regelmäßig wechselnden Interface Identifiers, hätte man dann wieder dynamische IP-Adressen, die die Privatsphäre des Nutzers schützen. Eine konkrete Aussage, was nun aber Standard werden wird, ist bislang noch nicht gegeben.
          Viele Grüße,
          Michael Schirrmacher, 1&1

        2. 20. April 2011 um 17:59 |

          Statisch vergebene IP-Adressen “sparen” nicht, sondern erhöhen den technischen Verschnitt.
          IP-Adressen werden nicht einzeln, sondern in grösseren Blöcken geroutet. Während an einem Standort nun z.B. Kunden kündigen und daher keine IP-Adressen mehr benötigen, benötigt man an einem anderen Standort aber mehr IP-Adressen.

          Vergibt man statische IP-Adressen, “garantiert” man den Kunden eines Standorts ihre IP-Adresse, legt damit aber auch fest, dass der dazugehörige IP-Block nicht mehr flexibel umverteilt werden kann. Das, was an IP-Adressen am Standort A zuviel ist, kann man somit am Standort B nicht nutzen.

          Mit dynamisch vergebenen IP-Adressen ist das hingegen kein Problem: einfach im Rahmen der 24h-Zwangstrennung ein paar IP-Blöcke nicht mehr neu verteilen und am nächsten Tag dann zum neuen Standort routen. Diese Arbeiten finden nahezu täglich statt und sind auch der Grund, warum wir aktuell DSL-Kunden weder feste IP-Adressen anbieten noch einen bestimmten Netzbereich zusagen können, aus dem sein DSL-Anschluss bedient werden wird.

          Mit IPv6 hat man nun ausreichend IP-Adressen, um diese bei Bedarf statisch zuzuweisen zu können – aber nicht muss!

          Die Meinungen und Lösungsansätze sind da vielfältig, von “alles komplett dynamisch” über “IP-Adresse ist semi-statisch, kann sich aber z.B. alle paar Monate trotzdem mal ändern” und “je ein statisches und ein dynamisch vergebenes IPv6-Netz parallel” bis hin zu “komplett statisch” ist alles dabei vertreten, es gibt für alles Pro und Kontra.
          Alle Varianten flexibel für jeden Kunden einzeln konfigurierbar anzubieten bedeutet aber auch, dass die Aufwände “bis” wir IPv6 anbieten könnten eben um ein entsprechend vielfaches höher wären.

  2. 15. April 2011 um 17:04 |

    Guter Tipp,

    da gleich anschließend meine Frage: Wie kann ich an meinem 1&1 DSL Anschluss IPv6 nutzen (soweit ich das sehen kann, unterstützt meine 1&1^WFritzbox 7112 das (noch) nicht, oder)?

  3. 16. April 2011 um 10:39 |

    Das ist natürlich wieder ein willkommener Aufhänger für die Frage, wie weit die 1&1 Infrastruktur bezüglich der Unterstützung von IPv6 ist.

    Gibt es bereits einen konkreten Termin, wann die Webhosting- und die DSL-Kunden nativ (also keine Tunnel) IPv6 nutzen können? Gerade für die Kunden mit dedizierten Servern dürfte diese Frage relevant sein.

    1. 18. April 2011 um 09:35 |

      Jallo joschi,

      einen konkreten Termin gibt es derzeit noch nicht.

      Unsere Rechenzentren und Hosting-Netzwerke sind bereits startklar für IPv6 und können auf das neue Protokoll umgestellt werden, sobald wir eine ausreichende Nachfrage nach IPv6-Datenverkehr verzeichnen.

      Im Bereich DSL und Mobile Internet erwarten wir in diesem Jahr erste so genannte “Friendly User Tests”, bei denen ausgewählte Nutzergruppen die neue Technik zunächst testen. Hier wird die großflächige Einführung von IPv6 eher im nächsten Jahr beginnen. Unsere DSL-Modems sind weitestgehend bereits “IPv6-ready” und können, wenn notwendig, entsprechende Firmware-Upgrades per Fernwartung erhalten. Wir arbeiten eng mit den Hardware-Herstellern zusammen, um einen nahtlosen Übergang auf die neue Technik sicherzustellen.

      Sobald der genaue Zeitrahmen der Umstellung feststeht, werden wir unsere Kunden über alle Details informieren – selbstverständlich auch hier im Blog.

      Schöne Grüße,
      Andreas Maurer, 1&1

      1. 18. April 2011 um 12:44 |

        Hallo,

        es wäre schön, wenn man sich irgendwo als Friendly User bewerben könnte :-)

        Gruß
        dla

        1. 18. April 2011 um 20:57 |

          Ich möchte auch ein freundlicher User sein :)

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